Bann- und Schonwälder
Bann- und Schonwälder sind gesetzlich ausgewiesene Schutzwälder
Waldschutzgebiete untergliedern sich nach § 32 Landeswaldgesetz in Bannwälder und Schonwälder. Sie werden durch Rechtsverordnung der Forstdirektionen erlassen.
Ziel des Waldschutzgebietsprogramms der Landesforstverwaltung ist es
1 Prozent Bannwald und
1 Prozent Schonwald
auszuweisen. Geplant sind damit jeweils rund 14.000 ha Bann- und Schonwaldfläche. Zurzeit gibt es in Baden-Württemberg fast 100 Bannwälder (6000 ha) und knapp 400 Schonwälder (18.000 ha). Das ergibt zusammen rund 1,8 Prozent der Landeswaldfläche.
Bannwälder
Erkenntnisse über natürliche Veränderungsprozesse im Wald sind ausschließlich in Gebieten möglich, in denen sich der Wald unbeeinflusst vom Menschen entwickeln kann.
Die Ausweisung als Bannwald ist der strengste gesetzliche Schutz in den Wäldern Baden-Württembergs. In ihm sind jegliche menschliche Eingriffe verboten.
Ziel dieses Totalschutzes ist die natürliche Entwicklung von Wäldern mit urwaldähnlichen Strukturen. Dabei werden die Veränderungen in den Bannwäldern, den "Urwäldern von morgen", wissenschaftlich erfasst. Sie sind ein riesiges "Freilandlabor" und bieten Lebensraum für viele bedrohte Pflanzen- und Tierarten. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf die naturnahe Bewirtschaftung der Wirtschaftswälder erzielen.
Die beiden Bannwälder im Landkreis Heidenheim werden seit 1995 („Buigen“) bzw. 2004 („Siebter Fuß“) nicht mehr bewirtschaftet. Allerdings wird es noch viele Jahrzehnte dauern, bis sich eine urwaldähnliche Struktur eingestellt hat.
Hier einige Fakten zu den Bannwäldern im Landkreis Heidenheim:
Buigen - Umlaufberg mit Geschichte |
Siebter Fuß - Umlaufberg, an dem sich schon die Urbrenz gestoßen hat | |
Fläche |
74 ha |
127 ha |
Eigentümer |
Staatswald, Gemarkung Herbrechtingen |
Staatswald, Gemarkungen Heidenheim und Königsbronn |
Naturraum |
Schwäbische Alb |
Schwäbische Alb |
Höhenlage |
490-530 m ü. NN |
500-600 m ü. NN |
Geologie |
Umlaufberg der Brenz aus Weiß-Juragestein mit Schlufflehm und Kalkverwitterungslehm überdeckt |
Umlaufberg der Brenz aus Weiß-Juragestein mit Kalkverwitterungslehm überdeckt |
Klima |
7,5°C, 750 mm Niederschlag im Jahresmittel |
7,3°C, 845 mm Niederschlag im Jahresmittel |
Vegetation |
24 Baum- und Straucharten findet man im Bannwald Buigen. Hauptbaumarten sind die Rotbuche, die Fichte und die seit Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland angebaute Douglasie. |
Eine Vielzahl an Baum- und Straucharten bilden die meist älteren Bestände - als Vertreter kalkliebender Bodenpflanzen können auf Freiflächen einige Orchideenarten und die Türkenbundlilie beobachtet werden. |
Historisches |
Die erste Besiedlung des Buigens datiert bis in die frühe Keltenzeit zurück (keltische Fliehburg und Grabhügel). Die Verhüttung des reichlich vorkommenden Bohnerzes zu Beginn des 18. Jh. sowie die Streunutzung und Waldweide führte zu einer Übernutzung des Waldes. |
Die umfangreiche Holznutzung der im Brenztal angesiedelten Berg- und Eisenwerke bis zur Mitte des 18. Jh. sowie die Streunutzung und Waldweide führte zu einer Übernutzung des Waldes. |
Schonwälder
In Schonwäldern ist die Holznutzung nach wie vor gestattet. Durch frühere Waldnutzungsformen des Menschen haben sich Waldstrukturen entwickelt, die heute drohen verloren zu gehen. So manche seltene Tier- oder Pflanzenart ist auf diese Waldformen angewiesen. Für diese schützenswerten Wälder gibt es die Schonwälder als weitere Schutzkategorie.
Um diesen Schutz zu gewährleisten, muss die Bewirtschaftung auf diese Schutzziele abgestimmt werden und gewisse Auflagen erfüllen. Diese werden in der Schutzgebietsverordnung aufgelistet.
Beispielhafte Schutzziele in Schonwäldern:
- Optimierung der Lebensbedingungen für einzelne Tier- und Pflanzenarten
- Erhalt von Waldgesellschaften
- Erhalt und Förderung von Waldbiotopen
- Erhalt oder Wiederherstellung historischer Waldformen
Von der alle 10 Jahre wiederkehrenden Forsteinrichtung wird die Einhaltung der Auflagen überprüft und in einem Maßnahmenplan umgesetzt. Parallel dazu wird in einigen älteren und größeren Schonwäldern gesondert überprüft, ob das Schutzziel erreicht wird.



