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Mittwoch, 10. Februar 2010


Itzelberger See/Brenzquellen - Wasserpflanzen erholen sich, sind aber eventuell wegen Schadstoffen gefährdet

Regierungspräsidium Stuttgart, Landratsamt Heidenheim und Gemeinde Königsbronn handeln gemeinsam

Zukünftige Beobachtungen und Probenahmen vereinbart

Itzelberger See

„Ich bin allen beteiligten Fachleuten und Behörden dankbar für die gute Arbeit und die beharrlichen, großen Anstrengungen, die bereits zur deutlichen Verbesserung des Lebensraums Brenz geführt haben“, so Regierungspräsident Schmalzl zum gemeinschaftlichen Engagement von Land und Kommunen. „Die weitere gute Zusammenarbeit und das verantwortliche Handeln jedes Einzelnen für eine nachhaltige, naturnahe Entwicklung von Flora und Fauna in der Brenz ist unser gemeinsames Ziel“. Ende Januar diskutierten im Landratsamt Heidenheim die Fachbehörden des Regierungspräsidiums und des Landkreises sowie der Gemeinde Königsbronn die Ergebnisse einer für rund 40.000 Euro vom Regierungspräsidium Stuttgart in Auftrag gegebenen Untersuchung zum Thema Gewässerökologie. Die vierjährigen Untersuchungen des Instituts für Landschafts- und Pflanzenökologie der Universität Hohenheim zeigen, dass sich die Wasserpflanzenbestände im Oberlauf der Brenz und im Itzelberger See im Beobachtungszeitraum zunehmend erholt und ausgebreitet haben. Bei einem Schadensereignis in der Brenzquelle im Frühjahr 2008 starben dort jedoch alle Wasserpflanzen ab. Die Gemeinde Königsbronn wird Vor-Ort-Beobachtungen der Brenzquelle, Probenahmen und Untersuchungen durchführen.

Unter Federführung des Regierungspräsidiums Stuttgart wurden entsprechend den Empfehlungen der Experten zusammen mit Landratsämtern und Gemeinden im Brenz-Einzugsgebiet Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Situation abgestimmt.

Um dem Gewässer seine Naturnähe zurückzugeben, wurden beispielsweise Uferstreifen bepflanzt, Entschlammungs- und Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt. Rund 750.000 Euro hat das Land dafür investiert. Außerdem verpflichteten sich sämtliche Gemeinden im Einzugsgebiet der oberen Brenz die Kläranlagen auszubauen und verschärfte Grenzwerte für die Abwassereinleitung einzuhalten. Die Investitionen in die kommunale Abwasserreinigung wurden vom Land seither mit 4,7 Millionen Euro gefördert.

Algenschlamm

Die Anstrengungen zeigten Erfolg, die Wasserpflanzen kehrten in viele Abschnitte der Brenz zurück. Dennoch wuchs kein Wasserkraut mehr im Itzelberger See und in den Quellen. Stattdessen wurden regelmäßig große Teile des Sees von sogenannten „Krötenhäuten“ bedeckt. Um die Ursachen hierfür zu klären, beauftragte das Regierungspräsidium Stuttgart im Jahre 2005 Professor Klaus Schmieder vom Institut für Landschafts- und Pflanzenökologie der Universität Hohenheim mit weiteren Untersuchungen. „Die Tests mit Wasserlinsen sowie die Entwicklung der Initialpflanzungen von Aufrechtem Merk, Wasserstern, Tannenwedel und Wasserhahnenfuß beweisen, dass Wasserkräuter weiterhin in der Brenz und im Itzelberger See passende Lebensbedingungen finden“, erläutert Schmieder. „Auch die spontan wachsenden Wasserpflanzenbestände zeigen eine stetige Erholung und Ausbreitung ausgehend von den Quellen über den Oberlauf bis in den See“.

Bürgermeister Michael Stütz sagte daher für die Gemeinde Königsbronn zu, bei Hochwasser und starker Trübung der Brenzquelle Wasserproben zu nehmen. Diese werden in der Kläranlage Königsbronn-Itzelberg auf Ammonium untersucht, das Rückschlüsse auf einen verstärkten Eintrag von Gülle zulässt. Sollte ein plötzliches Absterben der Wasserpflanzen im Brenztopf beobachtet werden, wird das Regierungspräsidium Stuttgart eine Prüfung der Rückstellproben auf pflanzentoxische Inhaltsstoffe veranlassen.

„Zu hoffen ist“, so der Erste Landesbeamte und Umweltdezernent Thomas Reinhardt, „dass sich die positive Entwicklung der letzten Jahre fortsetzt, dass die „Krötenhäute“ weiterhin mehr und mehr von Wasserpflanzen verdrängt werden. Ziel ist, die Brenz als Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren wieder herzustellen und die Flusslandschaft als attraktiven Erholungsraum für die Menschen zu erhalten.“

Derzeit sind im Auftrag des Regierungspräsidiums Stuttgart weitere Planungen im Gang, die in den kommenden Jahren zur Realisierung von Renaturierung an der Brenz mit Investitionen in Höhe von mehreren Millionen Euro führen sollen.

Historie
Vor etwa 15 Jahren verschwand im Oberlauf der Brenz das seit Jahrhunderten dort üppig wachsende Wasserkraut; statt dessen gediehen Gesellschaften aus Blau- und Kieselalgen, die bei ihrem Aufschwimmen mit den darin eingelagerten Gasblasen wie „Krötenhäute“ aussahen und mit ihrem Gestank Anwohner und Besucher belästigten. Mit den Wasserpflanzen gingen vielfältige Lebensräume für eine Fülle von Kleintieren, sowie Laichgründe und Rückzugsmöglichkeiten für Fische verloren. Daher lud das Regierungspräsidium Stuttgart im Sommer 1999 Fachleute zu einem Symposium nach Heidenheim.

Anlass zur Sorge bot allerdings ein Schadensereignis im März 2008, das in der Brenzquelle zur vollständigen Verödung führte. Starke Niederschläge hatten zu einem Anstieg der Quellschüttung geführt. Das Quellwasser war durch mitgeführte Bodenpartikel gänzlich braun gefärbt. In der Folge war das Absterben der gesamten Vegetation im Quelltopf zu beobachten.

Untersuchungsergebnis
Professor Klaus Schmieder erklärt dies mit dem Eintrag eines pflanzentoxischen Stoffes aus dem Einzugsgebiet. „Die Einschwemmung großer Mengen von Gülle oder von Herbiziden in den Quelltopf könnte ein solch plötzliches Absterben der Pflanzen verursachen. Diese Beobachtung lässt darauf schließen, dass die Ursachen für die Verödung des Itzelberger Sees im Einzugsbereich der Quellen liegen.“

Ursache
Kennzeichnend für die landwirtschaftlichen Flächen der Alb, die im Einzugsbereich der Brenzquellen liegen, sind die zahlreichen Dolinen. Bereichsweise gibt es 30 bis 100 Trichter pro km², die nur von einer dünnen Bodenschicht bedeckt sind. Über diese Trichter können Schadstoffe ohne Verzögerung über den verkarsteten Untergrund innerhalb weniger Tage in die Brenzquelle gelangen und von dort ihre Schadwirkung entfalten.