Freitag, 7. Februar 2014

Gesundheit als Standortfaktor

Schwabenbund und Duale Hochschule Heidenheim stehen in der Endphase des Wettbewerbs Regio-Win

Es geht um Forschungsmittel der EU. 65 Millionen Euro davon verteilt Baden-Württemberg. Dazu hat das Land einen Wettbewerb um die besten Ideen zur Regionalentwicklung ausgeschrieben. Der Schwabenbund hat es Mitte Januar geschafft, unter 14 Konkurrenten in die zweite Runde von Regio-Win zu kommen. Damit bleibt auch ein Forschungsvorhaben an der Dualen Hochschule im Rennen.

Im weiten Feld dessen, was laut Wettbewerbsvorgaben die Regionen wettbewerbsfähig halten und den kleinen und mittleren Unternehmen dort dienen soll, hat die DHBW den Bereich Gesundheit für ein Forschungsvorhaben vorgeschlagen und dafür mit ihrer eingereichten Kurzskizze bei den Juroren in der ersten Wettbewerbsrunde punkten können. Ein Erfolg der anspornt, mit dem jetzt in Angriff zu nehmenden detaillierten Konzept am Ende dieses Jahres wieder auf dem Siegertreppchen zu stehen. Neun Millionen Euro stehen für die Jahre 2015 bis 2020 innerhalb des Schwabenbundes zur Verteilung an.
Gesundheit ist ein Grundbedürfnis jedes Menschen. Die örtliche und regionale Gesundheitsversorgung, so weiß es Prorektor Prof. Dr. Andreas Mahr aus Gesprächen mit der Industrie- und Handelskammer, gilt heute wie Bildung als weicher Standortfaktor. Unternehmer, die eine Ansiedlung planen, Berufstätige, die den Arbeitsplatz wechseln wollen, fragten nach, wie es in dieser Hinsicht am Zielort bestellt sei, ob es kompetente Kliniken, Heilberufler, Therapeuten und Pflegeeinrichtungen gebe. Nur, wer hat den Überblick? Die DH in Heidenheim, welche im Oktober letzten Jahres ein Studienfeld Gesundheit eingerichtet hat, will mit ihrem Forschungsvorhaben ein Konzept zu einer bedarfsgerechten Versorgung des ländlichen Raums mit Gesundheitsleistungen erarbeiten. Dazu gehört eine Analyse der bestehenden Versorgungsstruktur, dazu gehört aber auch das detaillierte Erforschen der Nachfrage nach Leistungen und nach den spezifischen Erwartungen an ein gut funktionierendes Gesundheitssystem. „Wir wollen Transparenz schaffen“, sagt Prof. Mahr, der zusammen mit Dr. Jana Schliewe die Aufsicht auf das Forschungsprojekt hat. Und man will auch darstellen, wo Mängel bestehen und wie diesen abgeholfen werden kann.
Die Vorgehensweise wird so sein, dass, wie von der EU verlangt, das Forschungsprojekt auch für andere Regionen in Europa fruchtbar sein kann, bekräftigt Mahr. In die Forschung eingebunden werden die drei Professoren, die aktuell im Studienfeld Gesundheit Studiengänge leiten, dazu noch der Stiftungs-Lehrstuhl der Paul Hartmann AG. Bei den repräsentativen Umfragen und Erhebungen will man den Fachbereich Sozialwesen dazuschalten und im Erfolgsfall einer Förderung gibt es noch eine zusätzliche Stelle. Bei alledem bleibt die DHBW noch auf die tatkräftige Mitarbeit von Kommunen, Kassen und anderen Akteuren im Gesundheitswesen angewiesen. Bereits während des Feinschliffs am Vollantrag für die letzte Wettbewerbsrunde will man sich nach solchen Partnern umtun.
Partner der Hochschule bei Regio-Win ist bereits der Landkreis. Dieser hat der DHBW sogar die Tür zum Kreis der Wettbewerber geöffnet. Denn, wofür Mahr bis heute keine hinreichende Erklärung gehört hat, in dem dezidiert auf die Hochschulforschung zugeschnittenen Wettbewerb war seitens des Landes die DHBW als eigener Antragsteller gar nicht vorgesehen.
Ist man bei der DH in Heidenheim optimistisch, dass man am Ende des Jahres einen Förderzuschlag unter den Mitbewerbern des Schwabenbunds erhält? „Wenn wir unsere Hausaufgaben machen“, gibt Dr. Jana Schliewe zur Antwort. Aber auch wenn es nichts wird, für Mahr hat jetzt schon die Teilnahme am Wettbewerb einen guten Ertrag gebracht. „Alle Hochschulen im Schwabenbund sind dabei miteinander ins Gespräch gekommen.“ Und man hat bereits Kontakte geknüpft: zu den Hochschulen in Neu-Ulm und Kempten oder zur Uni Augsburg, die alle mit Aspekten des Gesundheitswesens in ihrem Lehrbetrieb zu tun haben. „Es bildet sich ein Netzwerk, man überprüft Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.“ Und damit erfüllt sich bereits, was auch Ziel des Wettbewerbes und des Schwabenbunds selbst ist: den Wissenstransfer zu stärken.

Zufrieden, ja sogar stolz
Auch Landrat Thomas Reinhardt ist zufrieden mit dem Weiterkommen im Wettbewerb Regio-Win. Schließlich sei es die Premiere des Schwabenbunds auf einer landesweiten Bühne gewesen. Der Schwabenbund habe sich nicht nur gut geschlagen, er habe sich dabei auch einen Namen geschaffen. Bei der Bekanntgabe der Preisträger in Stuttgart habe nicht jeder gewusst, wer für den Schwabenbund stehe. „Es war interessant, die Reaktionen zu sehen.“
Den Landkreis Heidenheim weiß Reinhardt im Schwabenbund gut aufgehoben. „Das Weiterkommen bei Regio-Win hat uns bestärkt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Reinhardt erinnert an die Analyse der Stärken und Schwächen der im Schwabenbund versammelten Gebietskörperschaften durch das Prognos-Institut. Dessen Aufforderung mehr für den Ausbau der Hochschulkapazität und der Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen zu tun und den Technologietransfer auszubauen, gebe den gleichlautenden Anstrengungen des Landkreises mehr Schub und Nachdruck. Nach Stuttgart, so die Hoffnung von Reinhardt, werde man bald auch in Berlin und Brüssel wissen, was der Schwabenbund ist. Der Schwabenbund wurde 2012 gegründet. In ihm haben sich Gebietskörperschaften und Einrichtungen aus Baden-Württemberg und Bayern zusammengetan, um sich gegen die benachbarten Metropolregionen zu behaupten. Dem Schwabenbund gehören die Landkreise Alb-Donau, Biberach, Günzburg, Heidenheim, Neu-Ulm, Oberallgäu, Unterallgäu und die Städte Biberach, Kempten, Memmingen und Ulm an. Weiterhin gehören dazu der regionale Planungsverband Allgäu, der Regionalverband Donau-Iller, die Handwerkskammern Schwaben und Ulm und die Allgäu Gesellschaft für Standort und Tourismus.

Quelle: Heidenheimer Zeitung, Autor: Günter Trittner