Mittwoch, 9. April 2014

Zukunft der Feuerwehr im Blick - Anreizsysteme notwendig

Bilanz zur Tagung von Aktiven und Kommunalpolitikern

Die Zukunft des Feuerwehrwesens im Landkreis Heidenheim war Thema einer Tagung von Vertretern der Feuerwehren und der Kommunalpolitik am vergangenen Wochenende in Heidenheim. Ergebnis des Treffens waren zahlreiche Anregungen, wie den Feuerwehren bei der Gewinnung von Ehrenamtlichen auf allen Ebenen unter die Arme gegriffen werden kann.

Der Einladung von Landrat Thomas Reinhardt folgten rund 40 Vertreter der Städte und Gemeinden sowie der Feuerwehren aus dem Landkreis in die Feuerwache Heidenheim. Diese Woche zogen Landrat Thomas Reinhardt, Dezernent Georg Feth, Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Uli Steeger und Kreisbrandmeister Rainer Spahr Bilanz. „Die Feuerwehren fordern mehr Unterstützung - personell und finanziell“, fasst Steeger deren Anliegen zusammen. Hintergrund ist der drohende Nachwuchsmangel. „Es wird Abteilungen geben, die in zehn Jahren handlungsunfähig sind oder die es dann vielleicht gar nicht mehr geben wird“, macht Spahr deutlich. Dem müsse schon jetzt entgegengewirkt werden, denn die Ausbildung in der Feuerwehr dauert mehrere Jahre - „bis jemand dann tatsächlich Verantwortung übernehmen kann oder bestimmte Funktionen ausübt, vergehen schnell mehr als fünf Jahre“. Rund 50 aktive Feuerwehrleute scheiden laut Spahr durchschnittlich jedes Jahr aus Alters- oder familiären Gründen beziehungsweise aufgrund eines Umzugs aus den Feuerwehren im Landkreis Heidenheim aus - eben jene Zahl an Nachwuchskräften müsse jährlich hinzugewonnen werden. Eine Aufgabe, die nicht originär den Feuerwehren obliegt, wie Feth betont. „Die Städte und Gemeinden sind Träger der Feuerwehren - ihre Aufgabe ist es, die Leistungsfähigkeit der Wehren sicherzustellen“, verweist der Dezernent auf das Feuerwehrgesetz. Natürlich bringen sich die Feuerwehrler dabei intensiv ein - wie es auch jetzt schon gehandhabt werde. „Der Kreisfeuerwehrverband ist bereits sehr aktiv, was die Gewinnung von Ehrenamtlichen betrifft - nicht nur bei den Jugendlichen. Es wurde beispielsweise schon ein Netzwerk für Frauen in der Feuerwehr gegründet, eine ganz wichtige Zielgruppe, die maßgeblich mit über die Zukunft des Feuerwehrwesens entscheiden wird“, so Landrat Reinhardt. Dennoch brennt es in den Feuerwehren - weiterer Nachwuchs wird dringend gesucht. „Wir wollen keine Berufsfeuerwehr und wir wollen keine Zusammenlegungen. So, wie es jetzt ist, sind wir am leistungsfähigsten. Aber wir brauchen Hilfe“, betont Steeger. Möglichkeiten, wie eben jene Hilfe geleistet werden kann, gebe es, bilanzieren die Vertreter der Feuerwehr und des Landkreises angesichts der jüngsten Tagung.

Auf bundes- und landespolitischer Ebene müssten Anreizsysteme geschaffen werden, um die ehrenamtliche Tätigkeit in der Feuerwehr mehr wertzuschätzen, statt die Feuerwehrleute durch Besteuerung ihrer Einsatzentschädigung noch zusätzlich zu belasten. Hier sollen über die Abgeordneten Initiativen eingebracht werden.

Konkreter wird es auf kommunalpolitischer Ebene: „Die Städte und Gemeinden können auf vielfältige Weise unterstützen, das reicht von gezielten Werbeaktionen in den Mitteilungsblättern mit der Zielgruppe potentiell Aktiver bis zu kleinen, anerkennenden Geschenken zur Wertschätzung der Mitglieder der Jugendfeuerwehren und Feuerwehrmänner und -frauen - und sei es als Anfang eine Zehnerkarte fürs Hallen- oder Freibad“, so Feth, der daran erinnert, „dass es hier schließlich um eine Organisationseinheit der Stadt oder Gemeinde geht“. Ein weiterer Denkansatz zur Entlastung der Wehren sei beispielsweise auch das kritische Hinterfragen, ob alle derzeitigen Dienstleistungen der Feuerwehren auch von ihnen erbracht werden müssen oder ob beispielsweise durch Beauftragung von Spezialfirmen Ölspuren beseitigt werden könnten; genauso wäre überlegenswert, eine gesicherte Kinderbetreuung durch die Gemeinden und Städte für Feuerwehrfrauen während der Einsätze zu organisieren. In den Gerätehäusern müssten zudem die baulichen Voraussetzungen - etwa Jugendräume oder getrennte Umkleideräume - geschaffen werden, damit sich alle Aktiven wohlfühlen, so Steeger. Ein weiterer wichtiger Punkt, in welchem die Kommunalpolitiker unterstützen könnten, sei, auf allen Ebenen für feuerwehrfreundliche Regelungen bei den Arbeitgebern im Landkreis zu werben, ergänzt Spahr.

Doch auch die Feuerwehren selbst wollen noch stärker für die Nachwuchsgewinnung aktiv werden. Ideen sind hierbei etwa Kooperationen mit Vereinen oder allgemeinbildenden Schulen. Auch die Kleinsten sollen schon - direkt im Kindergarten - für die Feuerwehr begeistert werden. Zudem müsse noch mehr Wert auf eine flexible Feuerwehrausbildung gelegt werden, so Spahr.

„Es gibt viele Ideen und Denkansätze, nun geht es darum, diese in die Tat umzusetzen“, so Landrat Reinhardt, der sich für einen detaillierten Aktionsplan ausspricht. Eine große Chance im Landkreis Heidenheim bestehe darin, dass man sich schnell verständigen und Aktionen gemeinsam anpacken könne, sind sich die Vertreter des Landkreises und der Feuerwehren einig. Dieser „Heimvorteil“ müsse nun für die Nachwuchsgewinnung gezielt genutzt werden.