Montag, 12. Mai 2014

Brenzbahn-Förderer in Fahrt

Interessengemeinschaft Brenzbahn gegründet - Landrat Thomas Reinhardt als Vorsitzender gewählt

In einer konstituierenden Sitzung wurde am 12. Mai die Interessengemeinschaft (IG) Brenzbahn in Langenau gegründet. Ziel aller Mitglieder - Landkreise, Städte und Gemeinden entlang der Brenzbahn, die Industrie- und Handelskammer Ulm und Ostwürttemberg, die Handwerkskammer Ulm sowie die Regionalverbände Ostwürttemberg und Donau-Iller - ist es, die Zukunftsfähigkeit der Brenzbahn sicherzustellen. Insbesondere der zweigleisige Ausbau soll zügig Fahrt aufnehmen.

Einstimmig wurde im Verlauf der Sitzung der Vorstand der Interessengemeinschaft gewählt: Den Vorsitz nimmt Landrat Thomas Reinhardt (Landkreis Heidenheim) ein, ihm zur Seite stehen als Stellvertreter Landrat Thorsten Freudenberger (Landkreis Neu-Ulm), Otto Sälzle (Hauptgeschäftsführer IHK Ulm), Oberbürgermeister Thilo Rentschler (Stadt Aalen) und Hermann Schmid (Geschäftsführer Verwaltungsverband Langenau). Ebenfalls einstimmig wurde beschlossen, die Geschäftstelle der IG bis Ende 2015 beim Regionalverband Ostwürttemberg anzusiedeln, die Geschäftsführung übernimmt der stellvertretende Verbandsdirektor Dirk Seidemann.

Wie Reinhardt den Mitgliedern der IG berichtete, sei nach dem Brenzbahngipfel im Februar, der gleichsam die politische Auftaktveranstaltung zur Weiterentwicklung der Brenzbahn bildete, die damals unterzeichnete Sontheimer Erklärung mit dem gemeinsamen Ziel eines Ausbaus der Brenzbahn an die Verkehrsminister der Länder Baden-Württemberg und Bayern sowie des Bundes und an die Deutsche Bahn versandt worden. Im Namen von Bundesminister Alexander Dobrindt teilte der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann in einem Antwortschreiben mit, dass die Aufnahme der Maßnahme - Ausbau und Elektrifizierung der Strecke Ulm-Aalen - in den Bundesverkehrswegeplan „einer detaillierten Prüfung“ unterzogen werde, die bis ins Jahr 2015 andauern werde. Gleichzeitig teilte Ferlemann mit, dass nur Aus- und Neubaumaßnahmen bewertet würden, wenn Schienenpersonenfernverkehr oder Schienengüterverkehr betroffen sei - für den Schienenpersonennahverkehr seien die Länder verantwortlich. Daher müsse immer zunächst die Relevanz eines Projektes geprüft werden.
Wie Konzernbevollmächtigter Eckart Fricke, Deutsche Bahn, mitteilte, bestehe aus Sicht der Eisenbahninfratruktur „kein Anlass, die Brenzbahn qualitativ und/oder kapazitiv auszubauen“. „Anders sieht es aus, wenn mehr Züge gefahren werden sollten oder die Reisezeit signifikant zu verkürzen wäre“, zitierte Reinhardt aus dem Schreiben Frickes und betonte, dass eben dies Ziel der Interessengemeinschaft sei. Hinzu komme, wie Fricke in seinem Schreiben bestätigt habe, die Rolle der Brenzbahn im Gesamtstreckennetz, die sich spätestens mit der Inbetriebnahme der Strecke Berlin-Nürnberg ändern werde. Dann verlaufe der schnellste Weg von Friedrichshafen nach Berlin über Ulm und Aalen. Wie Fricke auch deutlich machte, werde die Deutsche Bahn die Sontheimer Erklärung gerne unterstützen.
Eine Antwort auf die Parlamentarische Initiative der SPD-Landtagsabgeordneten Martin Rivoir, Andreas Stoch und Klaus Maier liege ebenfalls vor, so Landrat Reinhardt. Darin wurde angekündigt, dass die Landesregierung die Region bei der Weiterentwicklung des Brenzbahn-Konzeptes unterstützen werde. Derzeit könnten aber noch keine Aussagen zum Verkehrsangebot, zur Höhe der Investitionen und zum Realisierungszeitraum gemacht werden, so Verkehrsminister Winfried Hermann in dem Schreiben.
„Es gibt noch einige offene Fragen gerade was die Zuständigkeit in Sachen Finanzierung betrifft“, so Reinhardt, der sich zur Klärung dieser Punkte zusammen mit weiteren Vertretern der Interessengemeinschaft baldmöglichst auf den Weg nach Stuttgart und später auch nach Berlin machen will. Erste Terminabsprachen und -anfragen gebe es bereits. Gerade von Seiten des Landes werde man dabei „nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern mehr Verbindlichkeit einfordern“. Im Gegenzug werde die IG bei den Gesprächen nicht nur „mit warmen Worten“ argumentieren, sondern mit der Bereitschaft zur Vorfinanzierung von Kosten. „Denn klar ist, dass wir nicht vorwärts kommen werden, ohne selbst Geld in die Hand zu nehmen“, machte der neu gewählte IG-Vorsitzende deutlich, dass eine Vorfinanzierung der Planungskosten notwendig sein werde.
Die Kosten für den teilweisen zweigleisigen Ausbau zwischen Langenau und Rammingen sowie zwischen Sontheim und Bergenweiler - insgesamt eine Strecke von 7,1 Kilometern - lägen laut der Studie zum Zukunftsprojekt „Regio-S-Bahn Donau-Iller“ bei rund 24 Millionen Euro - „eine für ein solches Schienenverkehrinfrastrukturprojekt überschaubare Größe“, so Reinhardt. Zumal die Studie auch belege, dass auf der Brenzbahn bereits mit diesem teilweisen zweigleisigen Ausbau die infrastrukturellen Voraussetzungen für wesentliche Verbesserungen geschaffen werden können. Der bisher zweistündige Interregio-Express (IRE) könnte mit zusätzlichen Halten stündlich verkehren. Der Regionalexpress (RE) könnte trotz systematischer Bedienung aller Stationen und zusätzlichen Halten beschleunigt werden. Ausbau und Angebotsverbesserungen wären bei einer prognostizierten Nachfragesteigerung von bis zu 40 Prozent mit einem sehr hohen volkswirtschaftlichen Nutzen verbunden. Die Ausgangsbasis kann sich dabei schon jetzt sehen lassen: 8800 Fahrgäste pro Werktag seien 2012 auf der Strecke Aalen-Ulm ermittelt worden, so Dirk Seidemann.
„Die Zeit ist mehr als reif, dass wir den Ausbau der Brenzbahn vorantreiben“, so Landrat Reinhardt, der hierbei auch die aktuelle günstige wirtschaftliche Lage im Land und die große Geschlossenheit und Entschlossenheit aller IG-Mitglieder im Blick hat. „Alle sind zu 100 Prozent dabei und es besteht auch die Bereitschaft, sich finanziell zu beteiligen“, betont Reinhardt. Zwar brauche man einen langen Atem, aber er sei zuversichtlich, dass der Ausbau der Brenzbahn verwirklicht werden könne.
 
 

Während der konstituierenden Sitzung der Interessengemeinschaft Brenzbahn wurden Thilo Rentschler (Oberbürgermeister Stadt Aalen, von links), Landrat Thorsten Freudenberger (Landkreis Neu-Ulm), Landrat Thomas Reinhardt (Landkreis Heidenheim, Vorsitzender der IG), Hermann Schmid (Geschäftsführer Verwaltungsverband Langenau) und Otto Sälzle (nicht auf dem Bild) in den Vorstand gewählt.