Dienstag, 8. Juli 2014

Fälle der Q-Fieber-Erkrankungen rückläufig

Der Gipfel der Ausbruchswelle des Q-Fiebers scheint derzeit überschritten. Am Wochenende begaben sich noch etwa 20 Patienten mit Symptomen des Q-Fiebers in ärztliche Behandlung. Weitere Maßnahmen und Schritte werden von den zuständigen Behörden in enger Abstimmung mit der Gemeinde Steinheim am Albuch zur Eindämmung der Infektion ergriffen.

Vor einer Woche gingen beim Landratsamt die ersten Meldungen ein, dass es zu einem gehäuften Auftreten von Lungenentzündungen im Landkreis kommt. Dieser Befund wurde sowohl vom Klinikum Heidenheim als auch der Kreisärzteschaft bestätigt. Zwischenzeitlich befanden sich 17 Personen in stationärer Behandlung, zwei davon wurden intensivmedizinisch betreut. Die zunächst aufgrund der auftretenden Symptome gestellte Differenzialdiagnose Q-Fieber, eine akute Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Coxiella burnetii ausgelöst wird, bestätigte sich im Laufe des vergangenen Donnerstags. Durch entsprechende veterinärmedizinische Untersuchungen von Proben, die noch am selben Tag genommen wurden, konnte auch der Ausbruchsort festgestellt werden. Dass der unter Tieren häufiger vorkommende Erreger in diesem Fall auch auf Menschen übertragen wurde, hängt mit den besonderen Umständen zusammen: die Schafe haben kurz zuvor gelammt und durch das trockene Wetter konnte sich der Erreger, welcher mit dem Fruchtwasser und der Nachgeburt ausgeschieden wird, im Stroh halten und wurde als Staub über die Luft eingeatmet.

Die Zahl der Neuerkrankungen ist seit dem Wochenende stark rückläufig, seitens des Landratsamtes wird nach wie vor von 70 - 80 erkrankten Personen ausgegangen. Wichtig ist, dass insbesondere im Hinblick auf den Verzehr von Lebensmitteln, die von den Schafen stammen, Entwarnung gegeben werden kann. Diese sind völlig unbedenklich, erklärt Frau Dr. Franziska Ströhle für die Lebensmittelüberwachung des Fachbereichs Veterinärwesen und Verbraucherschutz. „Allen Bürgern, die sich dahingehend bei uns erkundigt haben, konnten wir erklären, dass eine Einschränkung im Verzehr überhaupt nicht erforderlich ist.“

Auf eigene Veranlassung des Eigentümers wurde am Samstag die betroffene Herde gegen Q-Fieber geimpft. Eine generelle Impfpflicht besteht dabei nicht, vielmehr erfolgt diese nur in bestimmten Einzelfällen. Seitens der zuständigen Behörden wurden zudem weitere Maßnahmen ergriffen, um eine Ausdehnung des Q-Fiebers zu verhindern und alle Betroffenen bestmöglich zu schützen. So darf auf dem Hof bis zur völligen Beendigung der Infektion das Ablammen ausschließlich im Stall stattfinden, wo der durch die Ausscheidungen der Tiere infektiöse Mist und das Einstreu gesondert entsorgt werden können. Teile des Stalles und insbesondere die Ablammbuchten werden zudem mit speziellen Reinigungs- und Desinfektionsmittel behandelt, das Personal trägt ausschließlich betriebseigene Schutzkleidung. Dieser Maßnahmenkatalog beruht auch auf Empfehlungen der Fachministerien und wurde in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Steinheim erstellt, um zu gewährleisten, dass die insbesondere nach dem Lammen hochinfektiösen Tiere sich nicht im Freien aufhalten.

Für den Betreiber des Hofes war die Erkrankung der Tiere nicht zu erkennen, da diese bei Schafen harmlos verläuft und diese keine Symptome zeigen. Nach Ausstehen der Infektion sind die Tiere dann immun. Die nun vorgenommene Impfung stellt sicher, dass innerhalb kurzer Zeit die Tiere nicht mehr ansteckend sind. Zwar gilt aus vorsorglichen Gründen eine Beschränkung hinsichtlich des Zutritts auf den Hof, durch die erfolgte Impfung kann aber wohl eine Ausbreitung verhindert werden. Personen mit einem erhöhten Risiko, das heißt mit Einschränkungen des Immunsystems, insbesondere Patienten mit künstlichem Herzklappenersatz und Schwangere, sollten jedoch möglichst auch die unmittelbare Umgebung des Hofes meiden, empfehlen die zuständigen Stellen.

Das Nachlassen der Erkrankungswelle lässt sich durch die sogenannte Inkubationszeit erklären, erläutert Christoph Bauer, Fachbereichleiter des Gesundheitsamtes. Mediziner verstehen hierunter die Zeitdauer von der Aufnahme eines Krankheitserregers bis zum Auftreten der ersten Krankheitssymptome. Beim Q-Fieber beträgt die Inkubationszeit in der Regel zwei bis drei Wochen und stimmt damit mit dem Besuch des Mondscheinmarktes am 13. Juni überein. „Bei Menschen die sich möglicherweise auf dem Markt infiziert haben, müsste die Erkrankung in aller Regel inzwischen ausgebrochen sein, so dass jetzt vor diesem Hintergrund nur noch mit sporadischen Erkrankungen zu rechnen ist“, erklärt Christoph Bauer. Begleitet werden die Maßnahmen auch durch regelmäßige stichprobenartige Untersuchungen anderer Bestände, um sicherzustellen, dass keine weitere Ausbreitung erfolgt.