Freitag, 18. Juli 2014

Q-Fieber: Befragung der Patienten läuft

Risikopatienten können sich kostenlos untersuchen lassen

Seit einer Woche (11.7.) sind nach aktuellem Stand keine Q-Fieber-Fälle mehr bei Menschen im Landkreis Heidenheim aufgetreten. Wie Christoph Bauer, Fachbereichsleiter Gesundheit im Landratsamt Heidenheim, mitteilt, werden derzeit die Betroffenen zum Verlauf der Krankheit und zu den Umständen der Ansteckung befragt.
Der aktuelle Ausbruch, ausgehend vom Mondscheinmarkt am 13. Juni, scheint beendet zu sein. Insgesamt gab es nach jüngsten Nachmeldungen der niedergelassenen Ärzte und des Klinikums in den vergangenen Wochen 186 an Q-Fieber erkrankte Personen im Landkreis. Bauer bittet die Betroffenen, die derzeit telefonisch interviewt werden, um Mithilfe: „Für uns ist es wichtig, den Ausbruch detailliert aufzuarbeiten und dabei auch zu klären, wo sich Patienten angesteckt haben.“ Als Ausbruchsort ist der Mondscheinmarkt auf einem Steinheimer Schafhof lokalisiert worden, jedoch gebe es auch einige wenige Betroffene, die nicht vor Ort waren. „Das werden wir im Zuge der Befragung näher beleuchten“, erklärt der Fachbereichsleiter, der sich für die aufgeschlossene Mitarbeit der bislang rund 100 Befragten bedankt. Wie Bauer zudem mitteilt, bietet das Landesgesundheitsamt eine kostenlose Untersuchung auch für nicht erkrankte Personen, die besonders gefährdet sind, das heißt Schwangere, Herzklappenpatienten und Patienten mit einer Immunschwäche, an. Die Blutprobe wird beim Gynäkologen oder Hausarzt abgenommen.
Anfragen zum Q-Fieber gehen beim Gesundheitsamt nur noch selten ein. Jedoch gebe es teils noch immer Bedenken bezüglich des Verzehrs von Lammfleich. Das Ostalb Lamm könne gegessen werden, betont deshalb Dr. Gerhard Reinarz, Fachbereichsleiter Veterinärwesen und Verbraucherschutz im Landratsamt Heidenheim. Generell sollte aber jegliche Art von tierischen Lebensmitteln natürlich ausreichend erhitzt sein, sind sich Bauer und Reinarz einig.
Sowohl die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes als auch die Amtstierärzte im Landratsamt beobachten unterdessen weiterhin aufmerksam die Lage im Landkreis Heidenheim.

Hintergrund: Mitte Juni gingen beim Landratsamt Heidenheim die ersten Meldungen ein, dass es zu einem gehäuften Auftreten von Lungenentzündungen im Landkreis kommt. Die aufgrund der auftretenden Symptome gestellte Differenzialdiagnose Q-Fieber, eine akute Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Coxiella burnetii ausgelöst wird, bestätigte sich innerhalb von wenigen Tagen. Durch entsprechende veterinärmedizinische Untersuchungen von Proben, die noch am selben Tag genommen wurden, konnte auch der Ausbruchsort festgestellt werden. Dass der unter Tieren häufiger vorkommende Erreger in diesem Fall auch auf Menschen übertragen wurde, hängt mit den besonderen Umständen zusammen: die Schafe haben kurz zuvor gelammt und durch das trockene Wetter konnte sich der Erreger, welcher mit dem Fruchtwasser und der Nachgeburt ausgeschieden wird, im Stroh halten und wurde als Staub über die Luft eingeatmet. Auf eigene Veranlassung des Eigentümers wurde die betroffene Herde gegen Q-Fieber geimpft. Seitens der zuständigen Behörden wurden zudem weitere Maßnahmen ergriffen, um eine Ausdehnung des Q-Fiebers zu verhindern und alle Betroffenen bestmöglich zu schützen. So darf auf dem Hof bis zur völligen Beendigung der Infektion das Ablammen ausschließlich im Stall stattfinden, wo der durch die Ausscheidungen der Tiere infektiöse Mist und das Einstreu gesondert entsorgt werden können. Teile des Stalles und insbesondere die Ablammbuchten werden zudem mit speziellen Reinigungs- und Desinfektionsmittel behandelt, das Personal trägt ausschließlich betriebseigene Schutzkleidung. Dieser Maßnahmenkatalog beruht auch auf Empfehlungen der Fachministerien und wurde in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Steinheim erstellt, um zu gewährleisten, dass die insbesondere nach dem Lammen hochinfektiösen Tiere sich nicht im Freien aufhalten.