Freitag, 1. August 2014

Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik

Ab 2015 wird die Agrarförderung neu geregelt.

Leider stehen auf nationaler Ebene immer noch nicht alle Vorgaben fest, obwohl die Neuausrichtung bereits für 2014 vorgesehen war und um ein Jahr verschoben werden musste. Derzeit stehen bei der Flächenprämie insbesondere noch die nationalen Durchführungsbestimmungen aus. Mit weiteren konkreten Regelungen ist frühestens nach der Sommerpause ab Oktober zu rechnen.
Auf Basis der bislang bekannten Vorgaben wird darauf hingewiesen, was bereits jetzt bei der Anbauplanung für 2015 zu berücksichtigen ist.
Das Wichtigste dabei ist, dass die Direktzahlungen (bisher einheitliche Betriebsprämie) in folgende Prämien aufgeteilt werden:

      • § Basisprämie
      • § Ökologisierungsprämie
      • § Umverteilungsprämie (Zuschläge für die ersten Hektare)
      • § Junglandwirteprämie

Die Summe aus Basisprämie und Ökologisierungsprämie wird in 2015 voraussichtlich bei 256 €/ha liegen, hinzu kommen die Umverteilungsprämie für die ersten Hektare und ggf. die Junglandwirteprämie. Dieser Betrag wird sich durch die nationale Prämienanpassung in mehreren Schritten bis 2019 erhöhen.
Im Folgenden soll ausschließlich auf die Ökologisierungsprämie eingegangen werden. Sie sieht das sogenannte Greening vor, das aus den Elementen

      • § Anbaudiversifizierung
      • § Erhalt von Dauergrünland
      • § Ökologische Vorrangfläche

besteht. Ökologisch wirtschaftende Betriebe erfüllen die Elemente Anbaudiversifizierung und Ökologische Vorrangflächen bereits durch ihre Wirtschaftsweise.
Die Anbaudiversifizierung sieht ab 2015 vor, dass Betriebe mit mehr als 10 ha Ackerfläche 2 Kulturen, ab 30 ha Ackerfläche 3 Kulturen anbauen müssen. Im Landkreis Heidenheim erfüllen etwa 1 % der Antragsteller die Verpflichtung der Anbaudiversifizierung bisher nicht.
Der Erhalt von Dauergrünland ist in Baden-Württemberg durch das Grünlandumwandlungsverbot im LLG bereits jetzt verpflichtend.
Bei den ökologischen Vorrangflächen ist vorgesehen, dass Betriebe mit mehr als 15 ha Ackerfläche zunächst 5 Prozent der Ackerfläche als ökologische Vorrangfläche (öVF) bewirtschaften müssen. 37 % der Antragsteller im Landkreis fallen in die Verpflichtungskriterien für die Anlage von öVF. Zu diesen gehören eine Reihe von Elementen wie Landschaftselemente, Pufferstreifen, Terrassen, Kurzumtriebsplantagen, Streifen beihilfefähiger Flächen entlang von Waldrändern oder Brachen. Gerade bei diesen vorgenannten öVF-Elementen sind entscheidende Details noch nicht geklärt, diese sollen in der nationalen Durchführungsverordnung beschlossen werden.
öVF können auch durch den Anbau von N-fixierenden Pflanzen oder durch den Anbau von Zwischenfrüchten nach Ernte der Hauptkultur erbracht werden. Sie werden allerdings gewichtet.
Der Anbau von N-fixierenden Pflanzen wird mit dem Faktor 0,7 gewichtet. Dies bedeutet, dass in 2015 7,15 Prozent der Ackerfläche mit N-fixierenden Pflanzen bestellt werden muss, um die Greeningvorgabe von 5 Prozent zur erfüllen.
Beim Zwischenfruchtanbau beträgt der Faktor 0,3. Wenn die öVF allein mit Zwischenfrüchten erbracht werden sollen, müssen 16,67 Prozent der Ackerfläche mit Zwischenfrüchten bestellt werden.
Was ist beim Anbau von N-fixierenden Pflanzen zu beachten?
Gegenwärtig ist noch unklar, ob alle N-fixierenden Pflanzen für das Greening zugelassen werden. Derzeit wird diskutiert, ob nur grobkörnige Leguminosen (Ackerbohnen, Erbsen, Soja etc) zugelassen werden sollen oder auch feinsämige (Klee, Luzerne). Pflanzenschutz und eine Startdüngung nach guter fachlicher Praxis ist möglich. Bereits das EU-Recht sieht vor, dass praxisübliche Mischungen von Leguminosen mit anderen Arten (z.B. Kleegras) nicht als ökologische Vorrangflächen gelten. Nach der Leguminosenernte ist eine Winterkultur oder eine Winterzwischenfrucht vorgeschrieben.
Was ist bei Zwischenfrüchten zu beachten?
Beim Zwischenfruchtanbau muss eine Mischung von zwei botanischen Arten ausgesät werden. Derzeit wird festgelegt, welche Arten und Mischungen in Deutschland für öVF zugelassen werden. Der späteste Aussaattermin ist der 1. Oktober. Es dürfen nach Ernte der Vorkultur keine chemischen Pflanzenschutzmittel, keine mineralische Stickstoffdünger und kein Klärschlamm ausgebracht werden.
Wichtig: Die Greeningvorgaben gelten für das Antragsjahr 2015. Der Zwischenfruchtanbau 2014 ist davon nicht betroffen.
Bereits jetzt bei der Anbauplanung für das kommende Jahr sollten Sie darauf achten, dass Sie für 2015 genügend Flächen gemäß den Greeningvorgaben zur Verfügung haben. Für den Großteil der betroffenen Betriebe wird es die richtige Strategie sein,

      • § bei den öVF auf flächige Maßnahmen wie N-fixierende Pflanzen oder Zwischenfruchtanbau zu setzen und diese, wenn die betrieblichen Gegebenheiten stimmen, mit Pufferstreifen (Ackerrandstreifen oder Gewässerrandstreifen) zu kombinieren,
      • § die den 30%igen Anteil der Ökologisierungsprämie an der Flächenprämie nicht zu gefährden, mit den öVF eher etwas vorzuhalten (insbesondere wegen Flächenabweichungen),
      • § wegen der noch bestehenden Unsicherheiten bei den Landschaftselementen diese nicht oder nur teilweise einzubeziehen.

Die LEL Schwäbisch Gmünd erstellt derzeit einen Greening-Rechner. Durch die Eingabe der beihilfefähigen Ackerfläche und der Fruchtfolge werden Fruchtartendiversifizierung und öVF berechnet. Über entsprechende Auswahlmenüs können die möglichen öVF-Elemente variabel kombiniert werden. Sobald die nationalen Details für öVF geklärt sind und die Testphase abgeschlossen ist, steht der Greening-Rechner im Infodienst kostenfrei zur Verfügung.
Am 18. Juli wurde der Maßnahmen- und Entwicklungsplan Ländlicher Raum (MEPL) mit den Programmen der Zweiten Säule, insbesondere FAKT, AZL und APF, der Kommission zur Genehmigung vorgelegt. Sobald weitere Informationen (z.B. Honorierung der FAKT-Maßnahmen, Greening) zur Verfügung stehen, informiert das Landratsamt Heidenheim erneut auf seiner Homepage. Bitte beachten Sie auch die Veröffentlichungen in der Fachpresse (Artikelserie des MLR).
 
 
Quelle: Landwirtschaftsamt LRA Schwäbisch Hall, verändert und ergänzt