Donnerstag, 4. September 2014

Raser im Fokus

Landratsamt setzt bei Tempokontrollen auf den Erziehungseffekt

Wenn’s im Landkreis Heidenheim blitzt, steckt häufig das Landratsamt dahinter. Denn der Fachbereich Sicherheit und Ordnung ist mit sechs stationären und einem mobilen Geschwindigkeitsmessgerät auf der Fläche präsent, um die Sicherheit auf den Straßen zu fördern.

24 Stunden am Tag - sieben Tage die Woche: Bei der Tempokontrolle gibt es keinen Feierabend. Mit den stationären Anlagen, wovon zwei drehbar sind, sollen so rund um die Uhr die Schnellfahrer in Nattheim, Steinweiler, Bolheim, Söhnstetten und Königsbronn zur Einhaltung der innerorts geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen angehalten werden. Mit der mobilen Anlage sind die Außendienstmitarbeiter des Fachbereichs zusätzlich außerorts - zu besonderen Anlässen wie dem Schulanfang auch innerorts - unterwegs. In festen Wochenplänen wird abgestimmt, wo wann geblitzt wird - insgesamt sind 95 verschiedene Standorte an dem 330 Kilometer langen Straßennetz des Landkreises möglich; an 71 Einsatztagen wurde im Jahr 2014 bereits 245 Stunden lang mobil gemessen. Für die Einsatzplanung stehen auch die Unfallstatistiken der Polizei - samt entsprechendem Kartenmaterial - zur Verfügung, erklärt Frank Zimmermann vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung. „Damit werden unsere Messstandorte abgeglichen - an Unfallschwerpunkten wird von uns bevorzugt gemessen“, erklärt Zimmermann und Fachbereichsleiterin Maria Pelger betont: „Überhöhte Geschwindigkeit ist die dritthäufigste Ursache für Verkehrsunfälle und war im vergangenen Jahr mit Blick auf die tödlichen Verkehrsunfälle sogar die Hauptursache in Baden-Württemberg. Wir haben die Aufgabe, für verstärkte Sicherheit auf den Kreisstraßen zu sorgen.“ Die Bußgelder sollen dabei einen Besinnungs- und Erziehungseffekt haben, erklärt die Fachbereichsleiterin. „Bei den Tempokontrollen geht es nicht um Einnahmensteigerung, wie dem Landratsamt oft vorgeworfen wird, sondern um Prävention. Jeder, der zu schnell fährt und geblitzt wird, schaut künftig sicherlich etwas genauer auf die Tachonadel“, so Landrat Thomas Reinhardt.
Allein im ersten Halbjahr 2014 sind in der Bußgeldstelle des Landratsamtes Heidenheim 5430 Geschwindigkeitsüberschreitungen erfasst worden - in rund 95 Prozent der Fälle wurden Verwarnungen ausgesprochen, das heißt es waren Beträge zwischen fünf und 55 Euro fällig, weil die Fahrer bis zu 20 km/h zu schnell unterwegs waren. Bußgeldbescheide, das heißt es waren mehr als 60 Euro fällig oder die Verwarnung wurde nicht angenommen, wurden 297-mal erlassen. Und in 31 Fällen wurde im ersten Halbjahr sogar ein Fahrverbot aufgrund deutlich überhöhter Geschwindigkeit (31 km/h innerorts, 41 km/h außerorts zu schnell) ausgesprochen. Wobei es gerade in den Fällen mit höheren Strafen weniger Diskussionen gebe als bei niedrigen Summen. „Viele diskutieren wegen 15 Euro und sprechen von Abzocke, weil überhaupt gemessen wird“, so Zimmermann, der gleichzeitig betont: „Die Fahrer müssen sich doch nur an die Geschwindigkeitsgrenzen halten, dann haben sie auch nichts zu befürchten.“ Auch Maria Pelger kann über die Abzocke-Diskussion nur den Kopf schütteln, schließlich stünden den Verwarnungs- und Bußgeldern, die beim Landratsamt ankommen, erhebliche Kosten für das Personal, die Wartung und die Auswertung der Daten gegenüber: „Insgesamt halten sich Einnahmen und Ausgaben fast die Waage.“ Auch eine Ausweitung der Messungen würde nicht zu einer Gewinnmaximierung führen, „schließlich hätten wir dann auch ein Mehr an Kosten“.

Info: Weitere Informationen zur Bußgeldstelle im Landratsamt Heidenheim sowie zu den Themen Verwarnung und Bußgeld gibt es hier.

Eine Mitarbeiterin des Landratsamtes wertet die Bilder der Geschwindigkeitsmessungen am PC aus.