Freitag, 12. September 2014

Sicher auf dem Schulweg

Schulbeginn: Tipps für mehr Sicherheit im Straßenverkehr

Der Schulweg ist für viele Kinder der erste Weg, den sie allein im Straßenverkehr zurücklegen. Doch aller Anfang ist schwer, deshalb sind Kinder besonders gefährdet. Deshalb sind alle anderen Verkehrsteilnehmer aufgefordert, Vorsicht walten zu lassen. Gleichzeitig sollte der Alleingang mit den Kindern geübt werden. Ein Beispiel dafür ist das Schulbus-Sicherheitstraining.
Wie verhält man sich an der Bushaltestelle, wie im Bus selbst und welche Auswirkung hat eine Vollbremsung bei relativ geringer Geschwindigkeit? Fragen, die allesamt im Zuge des Schulbustrainings anschaulich beantwortet werden. Eine ganz praktische - und kostenlose - Übung für die Schülerinnen und Schüler im Landkreis. Die Organisation erfolgt über die Schulen, die die Termine mit den Verkehrsunternehmen abstimmen. Das Training wird bereits seit 2001 vom Landkreis Heidenheim als Träger des Heidenheimer Tarifverbunds (htv) und den im htv zusammengeschlossenen Busunternehmen angeboten. Allein im vergangenen Schuljahr 2013/2014 haben 1800 Kinder - zumeist ab der 4. Klasse - im „Klassenzimmer Omnibus“ trainiert. Erklärtes Ziel dieser Aktion ist es, die Sicherheit für die Kinder als jüngste Teilnehmer im Straßenverkehr zu erhöhen.

Wenn es um die Sicherheit auf dem Schulweg geht, sind die Kleinen gefordert - und noch mehr die Großen. „Besonders die mehr als 1000 Erstklässler im Landkreis Heidenheim sind noch unerfahren im Straßenverkehr. Doch alle Verkehrsteilnehmer können zu mehr Sicherheit beitragen, indem sie besonders aufmerksam sind und gleichzeitig eine Vorbildfunktion auf und an der Straße einnehmen“, betont Landrat Thomas Reinhardt.
Gemeinsam mit der Polizei hat das Landratsamt Heidenheim Tipps für mehr Sicherheit zusammengestellt, die auch von den Eltern direkt umgesetzt werden können:

Weg zur Schule: In der Schule oder im Rathaus ihrer Heimatgemeinde erhalten Eltern einen Schulwegplan mit empfohlenen Schulwegen. Darin werden Problemstellen und Möglichkeiten zur Umgehung von Gefahren aufgezeigt. Gerade wenn es morgens noch dämmerig ist, sollten die Kinder helle und reflektierende Kleidung und Ausrüstung tragen, damit Autofahrer und andere Fahrzeugführer sie besser erkennen können.

Schulwegtraining: Um die Schulanfänger auf den Schulweg vorzubereiten, sollten die Eltern den ganzen Weg und besonders die markanten Stellen wie Ampeln, Kreuzungen oder Zebrastreifen mit den Kindern abgehen und ggf. an den ersten Tagen noch hinterher gehen. Dabei gilt: Nicht der kürzeste, sondern der sicherste Schulweg ist der beste. Eine weitere Möglichkeit ist, dass verschiedene Eltern die Kinder abwechselnd begleiten.

Überqueren der Straße: Eltern sollten das Überqueren der Straße mit ihren Kindern üben und zeigen, dass manchmal längere Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen bis ganz sicher ist, dass kein Auto kommt oder bis die Fußgängerampel grün ist. Auch am Zebrastreifen oder an der Ampel ist es wichtig, dass das Kind aufmerksam nach links, nach rechts und wieder nach links schaut. Am Zebrastreifen sollte das Kind eine Hand ausstrecken, damit die Autofahrer es besser erkennen können.

Verhalten an Bushaltestellen: Wenn der Bus heranfährt, müssen die Kinder besonders aufmerksam sein - drängeln, schubsen und raufen ist tabu. Sehr wichtig ist auch, dass die Kinder einen Abstand zum Fahrbahnrand einhalten. Im Bus sollen sich die Kinder möglichst schnell hinsetzen. Nach dem Aussteigen soll die Fahrbahn erst dann überquert werden, wenn der Bus die Haltestelle wieder verlassen hat. Wichtig: Nie vor dem noch stehenden Bus über die Straße gehen! Auch Autofahrer müssen an Bushaltestellen besonders vorsichtig sein, wenn dort Kinder warten beziehungsweise ein- oder aussteigen. Hier schreibt die Straßenverkehrsordnung langsames und bremsbereites Fahren vor. Beim Annähern des Busses an die Haltestelle mit Warnblinklicht darf nicht überholt werden. Wenn der Bus mit Warnblinklicht an der Haltestelle steht, darf maximal mit Schrittgeschwindigkeit (in beiden Fahrtrichtungen) vorbeigefahren werden.

Verhalten vor der Schule: Besonders gefährlich sind Fangen spielen auf dem Gehweg beziehungsweise neben der Fahrbahn. Auch Fahrer von Autos und anderen Fahrzeugen sind hier gefordert und müssen gut aufpassen. Nach Ansicht der Verkehrsexperten der Heidenheimer Polizei sind auch erlaubte 30 km/h zu schnell, wenn die Fahrsituation plötzlich eine schnelle Reaktion erfordert. Ein besonderer Hinweis gilt den Fahrern der „Elterntaxis“: Sie dürfen nicht auf Geh- oder Radwegen parken, Halteverbote sind einzuhalten! Gerade die Eltern sollten bedenken, dass sie beim „wilden“ Parken oder Halten vor der Schule die Sicht der Autofahrer auf die Kinder und die Sicht der Kinder auf die fahrenden Autos in gefährlicher Weise einschränken.

Fahrten im Auto: Kinder sollten immer zur Gehwegseite hin ein- und aussteigen und müssen bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, wenn sie kleiner als 150 cm sind, immer in einem dem Alter entsprechenden Kindersitz mitfahren. In besonderem Maße wird die Gefahr für Kinder als Mitfahrer von den Eltern unterschätzt: Bei einem Aufprall mit Tempo 50 „wiegt“ jeder Insasse kurzzeitig das 30-fache seines Körpergewichts. Ein ca. 30 kg schweres Kind wird ungesichert zum „Geschoss“ von bis zu 900 kg! Ohne Kindersitz entspricht ein Aufprall mit 50 km/h einem Sturz aus dem 3. Stock auf Beton, ohne Kindersitz kann ein Aufprall mit 15 km/h für Kinder bereits tödlich sein, ohne Kindersitz haben Kinder ein siebenfach höheres Risiko tödlicher oder schwerster Unfallverletzungen.

Fahrten mit dem Rad: Kindern fehlt mindestens bis zu einem Alter von acht Jahren das notwendige Gefahrenbewusstsein, weshalb sie vorher nie ohne Begleitung eines Erziehungsberechtigten mit dem Fahrrad im Straßenverkehr unterwegs sein sollten. Ein Kind sollte erst nach dem erfolgreichen Ablegen der Radfahrausbildung mit einem verkehrssicher ausgestatteten Rad zur Schule fahren. Zudem wird dringend empfohlen, einen Fahrradhelm aufzusetzen.

Die Polizei und das Landratsamt Heidenheim setzen zur Sicherheit der Schulanfänger auch auf eine verstärkte Geschwindigkeitsüberwachung im Schulwegbereich. Schwerpunkte der Polizei werden außerdem die Überwachung der Gurtanlege- und Kindersicherungspflicht sowie des Verhaltens von Fahrern gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulbussen, an Bushaltestellen sowie an Fußgängerfurten und Fußgängerüberwegen sein. Besonders im Blick hat die Polizei zudem Verstöße gegen Park- oder Haltverbote insbesondere durch „Elterntaxis“ und die Nutzung von Mobiltelefonen während des Fahrens im engen Umfeld von Schulen, Kindergärten oder geschützten Überwegen sowie das Schülerverhalten auf den Schul- und Radwegen.

Info: Hinweise für den Schulweg gibt es auch im Internet unter www.gib-acht-im-verkehr.de und auf der Homepage der Unfallforschung der Versicherer www.udv.de.