Freitag, 14. November 2014

Kein heimisches Holz ohne Holzernte

Interessenkonflikte zu Beginn der Einschlagssaison vorprogrammiert

Im Winterhalbjahr erfolgt in den Wäldern des Landkreises Heidenheim der Großteil des Holzeinschlags. Gesperrte Waldbereiche und verschmutzte Wege sind die Folge. Oft äußern Waldbesucher gegenüber den Forstleuten Unverständnis und Kritik aufgrund der Vorgänge im Wald. Dr. Hans Untheim, Fachbereichsleiter Wald und Naturschutz im Landratsamt Heidenheim, antwortet auf die häufigsten Fragen.

Warum wird überhaupt Holz geerntet?
Dr. Hans Untheim: Der Holzeinschlag dient der Waldpflege oder der Verjüngung. Durch die Entnahme einzelner Bäume werden die verbleibenden Bäume gefördert. Der Wald wird dadurch stabiler. In älteren Waldbereichen werden die erntereifen Bäume entnommen, bevor sie an Wert verlieren. Damit wird Raum für eine neue Waldgeneration geschaffen. Nach einem Holzeinschlag ruht die Holzernte in diesem Waldbereich für einige Jahre. Holz ist ein wichtiger, nachwachsender und klimaneutraler Rohstoff, der als Baumaterial und Energieträger dient. Die Produktion von heimischem Holz ist nachhaltig und ermöglicht einen Transport zum Verbraucher auf kurzen Wegen. Andere Rohstoffe oder Holzimporte beispielsweise aus Tropenwäldern werden dadurch ersetzt. Nicht zuletzt ist die Holzernte für öffentliche und private Waldbesitzer eine Einnahmequelle. Bei einem Landwirt würde auch niemand infrage stellen, dass ein reifes Getreidefeld beerntet wird.

Entstehen durch die Holzernte Schäden an Boden und Waldbestand?
Dr. Hans Untheim: Die Holzernte erfolgt pfleglich und fachgerecht durch gut ausgebildete Forstwirtinnen und Forstwirte. Die körperlich schwere Arbeit wird durch Holzernte- und Rückemaschinen unterstützt. Die Maschinen fahren nur auf Waldwegen und sogenannten Rückegassen. Es findet also keine flächige Befahrung und Verdichtung der Waldböden statt. Etwaige Schäden an den Wegen werden nach Abschluss der Holzerntearbeiten und der Holzabfuhr beseitigt. Diese sind – zumal wenn längere Frostperioden infolge der Klimaerwärmung ausbleiben – nicht zu verhindern und sollten als Kompromiss für einen gesunden und vor allem auch nachhaltig genutzten Wald verstanden werden.

Werden die Wälder ausgebeutet?
Dr. Hans Untheim: Selbstverständlich nicht! Die Nachhaltigkeit ist seit vielen Generationen das grundlegende Prinzip der Forstwirtschaft. Nachhaltigkeit der Holzernte bedeutet, dass höchstens so viel Holz im Wald eingeschlagen wird wie im gleichen Zeitraum nachwächst. Die Ergebnisse regelmäßiger Inventuren wie der jüngst vorgestellten dritten Bundeswaldinventur belegen sogar, dass die Holzvorräte in den Wäldern Baden-Württembergs in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen haben. Es wurde also weniger Holz genutzt als nachwächst. Heutzutage wird die Nachhaltigkeit auf alle Waldfunktionen angewendet: Ökologie, Ökonomie und Soziales (z. B. Erholungsvorsorge, Umweltbildung). Dies ist auch gesetzlich im Landeswaldgesetz so festgeschrieben.

Warum wird der Wald gesperrt?
Dr. Hans Untheim: Der Holzeinschlag ist eine extrem gefährliche Arbeit. Die Unfallverhütungsvorschriften schreiben die Sperrung des Hiebortes vor. Betritt man unbefugt Waldflächen, in denen Holz eingeschlagen wird, so begibt man sich in Lebensgefahr. An dieser Stelle daher ein ausdrücklicher Appell an alle Waldbesucherinnen und Waldbesuchern: Bitte beachten Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit die Absperrungen!

Schadet die Holzernte den ökologischen Aufgaben des Waldes?
Dr. Hans Untheim: Nein. Die Holzernte dient der Pflege und Verjüngung des Waldes. Ziel sind gesunde, stabile Wälder, die alle, also auch ökologische Funktionen erfüllen. Es gibt darüber hinaus in den Wäldern des Landkreises Heidenheim große Flächen, die ökologische Aufgaben in besonders hohem Maß erfüllen, z. B. Bann- und Schonwälder, Natura 2000-Gebiete, Naturschutzgebiete, Alt- und Totholzflächen. In diesen Wäldern orientiert sich die Holzernte am Schutzzweck oder findet, wie in den Bannwäldern, nicht statt.

Wie wird die Menge des Holzeinschlags festgelegt?
Dr. Hans Untheim: Die Forstwirtschaft in Baden-Württemberg arbeitet planmäßig. In den Wäldern von Land und Kommunen (öffentlicher Waldbesitz) wie auch im Großprivatwald wird alle zehn Jahre die sogenannte Forsteinrichtung durchgeführt. Hierbei wird die Waldbewirtschaftung des abgelaufenen Jahrzehnts biologisch und ökonomisch beurteilt. Der Ist-Zustand des Waldes wird erfasst (z. B. Baumart, Alter, Vorrat, Zuwachs). Dann wird eine Planung aller Maßnahmen für das kommende Jahrzehnt erstellt (z. B. Holzeinschlagsmenge, Pflanzungen und Pflegemaßnahmen). Alle Maßnahmen im Wald finden wohlüberlegt und auf wissenschaftlicher Basis statt. Aufgrund des gesamtgesellschaftlichen Nutzens verpflichtet sogar das Landeswaldgesetz Waldbesitzer zu dieser Art der planmäßigen, pfleglichen und nachhaltigen Waldbewirtschaftung.


Die körperlich schwere Arbeit wird durch Holzernte- und Rückemaschinen unterstützt. Etwaige Schäden an den Wegen werden nach Abschluss der Holzerntearbeiten und der Holzabfuhr beseitigt (Foto: ForstBW).


Achtung Lebensgefahr: Auch ohne Posten sollten Waldbesucherinnen und Waldbesucher zu ihrer eigenen Sicherheit die Sperrung eines Waldweges aufgrund von Holzerntearbeiten unbedingt beachten (Foto: ForstBW).