Dienstag, 18. November 2014

Integration auf gutem Weg

Neuer türkischer Generalkonsul Ahmet Akinti zwei Monate nach Amtsantritt auf Besuch in Heidenheim

Viel Zeit für die Anliegen seiner Landsleute, aber auch für Fragen von interessierten Deutschen nahm sich der neue türkische Generalkonsul Ahmet Akinti bei seinem Antrittsbesuch, zu dem ihn der deutsch-türkische Club eingeladen hatte.

Zunächst stellte er sich am Freitagnachmittag bei Oberbürgermeister Bernhard Ilg, dann bei Landrat Thomas Reinhardt vor, anschließend kam Ahmet Akinti ins Gewerkschaftshaus, wo er sich gute zwei Stunden Zeit nahm, um auf die Fragen der Mitglieder des deutsch-türkischen Clubs einzugehen. „Die türkische Gemeinde in Heidenheim ist gut integriert, aber wir wünschen uns, dass sich die Situation weiter verbessert“, sagte Akinti, der wohl deutsch versteht und auch leidlich spricht, aber zwecks besserer Verständigung eine Dolmetscherin dabei hatte. Der aktive deutsch-türkische Club nehme eine sehr wichtige Rolle ein, um den Kontakt zwischen Deutschen und Türken herzustellen, so der Generalkonsul. Als herausragende Themen, auch in den Gesprächen mit Ilg und Reinhardt, bezeichnete Akinti die Bildung, die Grundlage dafür sei, in der deutschen Gesellschaft Fuß zu fassen, und seinen Wunsch nach mehr ehrenamtlichem Engagement von türkischen Mitbürgern. Ludger Bradenbrink schilderte, wie der deutsch-türkische Club aus Kontakten entstanden sei, die zuvor bei den Gewerkschaften einerseits und den Kirchen andererseits angebahnt wurden. Dadurch seien auch bei den deutschen Mitgliedern des Clubs verschiedene gesellschaftliche Strömungen zusammengekommen, die zuvor wenig Kontakt zueinander hatten. „Das verändert auch uns“, so der katholische Theologe.
Nuray Siraz, Migrationsberaterin bei der Handwerkskammer Ulm, berichtete, dass sie immer noch große Hemmnisse bei potenziellen Arbeitgebern feststelle, wenn es darum geht, Jugendliche mit Migrationshintergrund einzustellen. „Es darf keinerlei Unterschiede geben zwischen Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund“, sagte Konsul Akinti zu diesem Thema. Er berichtete, dass sich sein Konsulat für die Jugendförderung einsetze, in dem man mit dem Kultusministerium und der Agentur für Arbeit zusammenarbeite. Er wies auch auf die Bemühungen des Integrationsministeriums hin, ein anonymes Bewerbungsverfahren zu etablieren, bei dem die Herkunft der Bewerber keine Rolle mehr spiele. „Das wird ausdrücklich von uns unterstützt“, so Akinti. Der Generalkonsul betonte in diesem Zusammenhang, dass die seit 50 Jahren in Deutschland lebenden Türken mit ihrer Arbeitskraft erheblich zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft beigetragen hätten. Umgekehrt gebe es heute mehr als 300 000 Arbeitsplätze in Deutschland, die von türkischen Arbeitgebern geschaffen wurden. Ein anderes Problem aus dem Bereich der Wirtschaft sprach Dolmetscher Mehmet Toykan an: Türkische Diplome werden in Deutschland oft nicht anerkannt. Als spezielles Beispiel nannte er in der Türkei ausgebildete Herrenfriseure, deren Berufsbild es in Deutschland nicht gebe. In dieser Sache versprach Akinti, sich kundig zu machen. Ahmet Akinti beschrieb auf Wunsch die Tätigkeiten seines Konsulats, das für den Schutz der Rechte türkischer Staatsbürger in Deutschland zuständig sei. Neben der Hilfe für Türken in schwierigen Lebenslagen seien die Zusammenarbeit mit den Vereinen, die Förderung der türkischen Sprache und der Religionsausübung sowie die Pflege der Beziehungen zu deutschen Behörden wichtige Aufgaben des Konsulats.
Özcan Kalkat, der ebenfalls zu den Sprechern des deutsch-türkischen Clubs gehört, sagte, er setze große Hoffnung in die türkischstämmigen Lehrer, von denen einige anwesend waren. „In zehn Jahren sind wir vollständig integriert“, so seine Hoffnung. Murat Alan, Studienrat am Buigen-Gymnasium in Herbrechtingen, stimmte dem zu: „Wir sind auf einem guten Weg“, war seine Meinung.

Info Ahmet Akinti hat sein Amt als türkischer Generalkonsul in Stuttgart am 15. September angetreten. Der Politikwissenschaftler ist 1973 in Ankara geboren. Seine Diplomatenkarriere hat ihn bisher u. a. nach Frankfurt, Bagdad, Moskau und Kasan (russische Republik Tatarstan) geführt.

Quelle: Heidenheimer Zeitung, Silja Kummer

Antrittsbesuch in Heidenheim:
Landrat Thomas Reinhardt mit dem türkischen Generalkonsul Ahmet Akinti.