Donnerstag, 22. Januar 2015

Ochsenberg: Lösungssuche im Dialog

Asylbewerber-Unterkunft: Bürgerversammlung geplant – Austausch zwischen Landkreis, Gemeinde und Bürgervertretung

Die Landkreisverwaltung arbeitet in enger Abstimmung mit der Gemeinde Königsbronn an einer Konzeption für die mögliche Anmietung des evangelischen Freizeitheims Ochsenberg. Nachdem zwischenzeitlich ein Angebot des evangelischen Kirchenbezirks für das Heim vorliegt, trafen sich Vertreter des Landkreises, der Gemeinde und der Ochsenberger Bürger zu einem ersten Austausch. „Wir wollen den Dialog, um so zu einer gemeinsamen Lösung zu finden“, so Landrat Thomas Reinhardt. So solle vor einer noch geplanten Bürgerversammlung auch kein Mietvertrag unterzeichnet werden.
Das Freizeitheim in Ochsenberg bietet laut den Mitgliedern der Task Force Asyl im Landratsamt Heidenheim nahezu optimale Bedingungen für die Unterbringung von Flüchtlingen. Dementsprechend kam der Landkreisverwaltung das Angebot des evangelischen Kirchenbezirks, das Freizeitheim für fünf Jahre anzumieten, sehr gelegen. „Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Unterkünften“, erklärte Landrat Reinhardt die prekäre Situation, in der sich der Landkreis angesichts steigender Flüchtlingszahlen befindet. Rund 40 bis 50 Personen würden dem Kreis derzeit monatlich zugewiesen – Tendenz steigend. Dementsprechend würden weitere Unterkünfte für die hilfesuchenden Frauen, Männer und Kinder dringend gebraucht, so der Landrat, der bei dieser „humanitären Verpflichtung“ um Mithilfe bei den Städten und Gemeinden im Landkreis wirbt. In Königsbronn gebe es derzeit keine Alternativen zum evangelischen Freizeitheim Ochsenberg. Von Seiten des Landratsamtes seien auch andere Gebäude, darunter Klosterhof 4 und 5 im Eigentum des Landes, auf Eignung geprüft worden. Das Gebäude Klosterhof 4 und 5 würde jedoch einen schlechten baulichen Zustand aufweisen und die Raumaufteilung sei kaum für eine Wohnnutzung geeignet. Zudem stünde das Gebäude unter Denkmalschutz.
Auch der Königsbronner Bürgermeister Michael Stütz stellt sich der Verpflichtung zur Unterbringung von Flüchtlingen. „In vielen anderen Gemeinden im Landkreis Heidenheim gibt es bereits Gemeinschaftsunterkünfte. Natürlich müssen auch wir diese Aufgabe gemeinsam mit dem Landkreis annehmen“, erklärte der Bürgermeister. Wie Stütz betonte, habe er natürlich Verständnis für die Sorgen der Ochsenberger. Deren Sorgen wurden bei dem Treffen im Landratsamt von sechs Vertretern deutlich dargestellt. Insbesondere fürchtet die Bürgervertretung um die intakte dörfliche Gemeinschaft, zu der auch ein hohes Maß an Sicherheitsgefühl gehöre. Zudem bestehen Bedenken wegen der Anzahl von Flüchtlingen – angedacht wäre eine Unterbringung von 55 Frauen, Männern und Kindern frühestens ab Herbst 2015 – in Relation zur Einwohnerzahl von Ochsenberg (rund 630, davon laut Birgit Binder etwa 400 Erwachsene). „Unser primäres Ziel ist es, das Freizeitheim zu erhalten, wir wollen keine Massenunterbringung von Asylbewerbern in Ochsenberg“, so Birgit Binder, Sprecherin der Bürgervertretung Ochsenberg.
„Wir nehmen Ihre Sorgen sehr ernst“, erklärte Landrat Reinhardt. Derzeit werde ein Ochsenberg-spezifisches Konzept für eine mögliche Unterbringung von Flüchtlingen erarbeitet, das unter anderem die Betreuung vor Ort, ehrenamtliche Unterstützung und die ÖPNV-Anbindung umfassen wird. Eingebunden werden sollen in diese konzeptionelle Arbeit auch die Gemeinde Königsbronn und die Bürgervertretung Ochsenberg, sagt Landrat Reinhardt, der erklärt:. „Der Dialog wird fortgesetzt, wir wollen gemeinsam nach einer Lösung suchen, um diese Aufgabe zu stemmen.“ Birgit Binder erklärte, dass für die Bürgervertretung der nächste Schritt die Bürgerversammlung wäre. Der Landrat sicherte zu, dass vor einer Bürgerversammlung – ein Termin steht hierfür noch nicht fest – kein Mietvertrag unterschrieben werde. Bürgermeister Stütz rief alle Beteiligten dazu auf, sich einzubringen: „Ich bin davon überzeugt, dass wir alle gemeinsam, in einem Ochsenberger Modell, einen Weg finden werden.“