Mittwoch, 15. April 2015

Biber-Schäden: Landrat fordert Hilfe für Landwirte

Finanzieller Ausgleich aufgrund zunehmender Kosten und Verluste notwendig

Im Landkreis Heidenheim leben nach Schätzungen der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt mindestens 150 Biber – etwa doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Das spüren vor allem die Landwirte, die mit Ertragseinbußen oder zunehmend auch anderen Kosten, wie bei Maschinenbruch, zu kämpfen haben. In einem Schreiben an den baden-württembergischen Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde, fordert Landrat Thomas Reinhardt nun die Einrichtung eines Fonds, aus dem die für landwirtschaftliche Betriebe teilweise existentiellen Schäden beglichen werden sollen.
„Ich sehe Ihr Ministerium als oberste Naturschutzbehörde in der Pflicht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um eine erträgliche Koexistenz von Biber und Landwirtschaft zu ermöglichen“, so Landrat Reinhardt in dem Schreiben. Wie er betont, sei es natürlich ein Grund zur Freude, wenn eine geschützte Tierart wieder zurückkehre und sich vermehre. Doch gerade durch die zunehmende Population besiedeln die Biber nicht nur ihre angestammten Lebensräume entlang von Gewässern, sondern sind auch in der Kanalisation, in Kläranlagen oder Regenüberlaufbecken, Anlagen der öffentlichen Wasserversorgung oder in den Entwässerungsgräben landwirtschaftlicher Grundstücke zu finden. Die unkontrollierte Besiedelung nicht angestammter, sondern vom Menschen angelegter Sekundär-Lebensräume führe oft zur Überflutung größerer Acker- oder Wiesenflächen wie im Raum Dischingen. „Kurzfristig fehlt den Bewirtschaftern dieser Flächen ein Teil der Ernte, mittelfristig infolge der Extensivierung Düngefläche und langfristig droht ein Wertverlust“, so der Landrat. Er macht in dem Schreiben deutlich, dass die bisher angebotenen Instrumente wie z. B. der Vertragsnaturschutz nicht immer verhindern können, dass die durch den Biber verursachten Nutzungsbeschränkungen von den Eigentümern und Bewirtschaftern als enteignungsgleiche Eingriffe aufgefasst werden.

Die mit der Grabetätigkeit des Bibers einhergehende Unterhöhlung landwirtschaftlich genutzter Grundstücke, Dämme oder Straßen hat zudem zur Folge, dass es insbesondere bei landwirtschaftlichen Fahrzeugen immer wieder zu Maschinenbruch kommt, wenn zum Beispiel Schlepper oder Ladewagen, Feldhäcksler oder Mähdrescher in Biberbauten einbrechen. „Glücklicherweise kam bei solchen Vorkommnissen in unserer Region bislang noch kein Mensch zu Schaden“, so Reinhardt, der in dem Schreiben auf die finanziellen Folgen für die Landwirte hinweist: „Die Kosten für Reparaturen oder Ersatzbeschaffungen liegen häufig im fünfstelligen Eurobereich und sind von den betroffenen Landwirten - anders als in Bayern - selbst zu tragen.“

Selbst wenn in Baden-Württemberg keine Biber ausgesetzt wurden und daher das in Bayern angewandte Verursacherprinzip nicht greife, plädiert Reinhardt für die Einrichtung eines Ausgleichsfonds für Landwirte und fordert Minister Bonde dazu auf, sich hierfür einzusetzen.
Eine weitere Option könnte laut dem Landrat sein, öffentliche Mittel zum Ausgleich von höheren oder existentiellen Schäden bereit zu stellen. „Dabei denke ich gleichermaßen an Steuergelder wie an Mittel aus der Stiftung Naturschutzfonds oder Gelder aus Lotterieeinnahmen“, schlägt Reinhardt weiter vor. Wenn vom Gesetz Artenschutz gefordert werde, dürfe dies nicht zu Lasten einzelner Bürger gehen, sondern dafür sollte auch Geld in die Hand genommen werden.

Wichtig sei es zudem, den betroffenen Bürgern und Landwirten zu vermitteln, dass das Land sich der Problematik der Biberansiedelung und der Verantwortung vor Ort bewusst ist. Das Bibermanagement des Landes sollte hier mehr Sensibilität und Wertschätzung zeigen. Anders als bisher im Regierungspräsidium Stuttgart praktiziert, sollten auch Maßnahmen zur Begrenzung und Reduzierung von Biberschäden ergriffen werden, erklärt Reinhardt, der darauf verweist, dass bei flächendeckender Verbreitung des Bibers bei der Europäischen Union Ausnahmeregelungen zur Bestandsregulierung, u.a. das Wegfangen von Bibern, erreicht werden können. Gleichzeitig bittet Reinhardt den Minister, sich für eine solche Ausnahmeregelung einzusetzen.