Dienstag, 28. April 2015

Waldschutzsituation im Landkreis Heidenheim angespannt

     

Durch den Sturm „Niklas“ fielen Anfang April 16.000 Festmeter Sturmholz im Landkreis Heidenheim an. Jetzt droht laut dem Landratsamt Heidenheim, Fachbereich Wald und Naturschutz, eine Borkenkäfervermehrung aufgrund der milden Witterung und guter Brutbedingungen.

Der Sturm beschädigte insbesondere Nadelholzbestände. Der Schwerpunkt der Schäden liegt mit 12.000 Festmetern im Staatswald. Es überwiegen so genannte Einzel- und Nesterwürfe. Der Bruchanteil beträgt zirka 20 Prozent. Das heißt, dass der Großteil der Bäume geworfen worden ist und somit noch Wurzelkontakt besitzt. Der Sturmholzanfall zu dieser Jahreszeit bietet ideale Entwicklungsbedingungen für den Borkenkäfer. Deshalb ist bei allen Waldbesitzern für die kommende Saison erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Das Sturmholz muss so schnell wie möglich aufgearbeitet werden. Für den Käfer bruttaugliches Sturmholz sollte bis Mitte Juni aus dem Wald abtransportiert sein, um eine Massenvermehrung zu verhindern.

Mit dem Hauptschwärmflug des für Fichten besonders gefährlichen Borkenkäfers namens Buchdrucker ist bei den derzeitigen Witterungsbedingungen schon Anfang Mai zu rechnen. Das bedeutet, dass vom Sturm betroffene Waldbestände und insbesondere das angefallene Sturmholz ab sofort intensiv überwacht werden müssen. Vor einem Befall stehender, gesunder Fichten werden zunächst die Sturmhölzer, die wie Fangbäume wirken, vom Buchdrucker befallen. Um eine Massenvermehrung des Buchdruckers zu verhindern, sollte die Aufarbeitung des Sturmholzes zügig erfolgen. Nachdem die Sägeindustrie aktuell sehr gut mit Rundholz versorgt ist, kann nicht damit gerechnet werden, dass das Holz schnell aus dem Wald abtransportiert wird.

Um die Entwicklung und den Ausflug der ersten Generation des Buchdruckers möglichst zu verhindern, wird im Privatwald folgendes empfohlen:
1. Lagerorte so wählen, dass erforderlichenfalls eine Vorausflugspritzung erfolgen kann. Kleinmengen unterschiedlicher Waldbesitzer sollten konzentriert gelagert werden (mindestens zehn Festmeter).
2. Die Möglichkeit nutzen, Lagerorte außerhalb des Waldes und möglichst fern von gefährdeten Fichten-Beständen zu wählen.
3. Kleinmengen gegebenenfalls händisch so weit entrinden, dass sich keine Borkenkäferbrut entwickeln kann.
4. Gipfel ebenfalls aufarbeiten, entasten, streifen und kleinsägen, um eine Brut zu verhindern.
5. Die Aushaltung des Holzes muss vor der Aufarbeitung mit dem zuständigen Forstrevierleiter abgestimmt werden. Ansonsten besteht das Risiko, dass die Sortimente nicht verkauft werden können.
6. Kleinstmengen sollten als Brennholz für den Eigengebrauch genutzt werden.

Im Jahresverlauf müssen gefährdete Fichtenbestände weiter auf Stehendbefall kontrolliert werden. Hinweise für Borkenkäferbefall sind braunes Bohrmehl am Stamm, Rindenabfall, Spechteinschläge und Verfärbungen der Krone. Je nach Witterung müssen die Kontrollen in wöchentlichem oder (bei nasskalter Witterung) in zweiwöchigem Abstand erfolgen. Neuer Stehendbefall muss unverzüglich aufgearbeitet werden. Borkenkäfer machen vor Waldbesitzgrenzen nicht Halt, daher sollten sich Waldbesitzer gegenseitig informieren, wenn Befallsherde auf benachbarten Grundstücken festgestellt werden.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die örtlich zuständige Revierleitung oder an das Landratsamt Heidenheim, Fachbereich Wald und Naturschutz, Tel.: 07321-321-1371.