Dienstag, 23. Juni 2015

Hochwassergefahrenkarten für den Landkreis Heidenheim fertiggestellt

Zukünftig kann sich jeder Bürger selbst über die Hochwassergefahr in seiner Gemeinde und auf seinem Grundstück informieren. Die Karten für den Landkreis Heidenheim sind fertig und werden nun veröffentlicht.
Hochwassergefahrenkarten stellen die von Oberflächengewässern ausgehende Überflutungsgefahr für unterschiedliche Hochwasserszenarien dar. Der sogenannte Kartentyp 1 stellt die Überflutungstiefen für ein 100-jährliches Hochwasser dar, der Typ 2 die Flächenausbreitungen des Wassers bei einem 10-, 50- und 100-jährlichen Hochwasser sowie bei einem Extremhochwasser. Die Karten umfassen die Brenz, Lone, Hürbe, Egau, Wedel sowie einige Abflüsse von Hochwasserrückhaltebecken. Kleinere Gewässer konnten nicht berücksichtigt werden. Alle Gemeinden bis auf Nattheim und Gerstetten sind von den Karten betroffen, Niederstotzingen nur im Stadtteil Lontal. Nicht dargestellt werden kann in den Karten die kurzfristige und schwer vorhersagbare Überflutungsgefahr durch örtliche Starkregenereignisse.
Die Karten sind eine Konsequenz der „Europäischen Hochwasserrisiko-managementrichtlinie“, die die Europäische Kommission 2007 verabschiedet hat. Sie wurden vom Land Baden-Württemberg in Auftrag gegeben und von den Regierungspräsidien in Zusammenarbeit mit fachkundigen Ingenieurbüros umgesetzt. In den jahrelangen Prozess waren auch die Kommunen mit ihren Kenntnissen vor Ort eingebunden.
Anhand der Karten können Bürger nun ihr eigenes Risiko abschätzen und Vorsorgemaßnahmen treffen. So können Sachschäden durch aufgelaufene Heizöltanks, Stromausfälle oder beschädigte Häuser vermindert werden. Allerdings gehen damit auch gesetzlich festgelegte Einschränkungen einher: beispielsweise gilt in den sogenannten HQ100-Bereichen seit dem 01.01.2014 Bauverbot. Damit soll ein weiterer Verlust von Rückhalteraum sowie eine Steigerung potentieller Hochwasserschäden verhindert werden. In der Gesamtschau absolut verständlich, im Einzelfall für die Bauherren und Gemeinden oft schwer zu akzeptieren. Unter bestimmten Bedingungen gibt es jedoch die Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung, die im Landkreis schon einige Male Anwendung gefunden hat.
„Im Vergleich zu anderen Landkreisen kommen wir noch gut weg“, sagt Dr. Katrin Ilg vom Fachbereich Bau und Umweltschutz am Landratsamt Heidenheim, „zum einen „schluckt“ der Karst einen Großteil des Niederschlages und zum anderen hat man schon in den 60er- und 70er-Jahren durch den Bau der Hochwasserrückhaltebecken einen vergleichsweise guten Schutzgrad erreicht. Andere Landkreise hinken da deutlich hinterher“. Trotzdem gilt es auch für den Landkreis Heidenheim und seine Kommunen, noch einige Hausaufgaben zu machen. Zu nennen sind hier eine umfassende Information und Beratung der betroffenen Bevölkerung oder die Aufstellung von Alarm- und Einsatzplänen, um für den Ernstfall gewappnet zu sein.
Einzusehen sind die Karten in der jeweiligen Gemeinde, auf dem Landratsamt oder digital unter www.hochwasserbw.de über die „Interaktive Gefahrenkarte“.