Freitag, 28. August 2015

Landkreis plant neue Flüchtlingsunterkünfte

Zugangszahlen steigen weiter drastisch an

Die Landkreisverwaltung Heidenheim plant in den kommenden Wochen die Einrichtung weiterer Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber und Flüchtlinge im Landkreis. Neben kleineren Wohneinheiten in Heidenheim, Bolheim und Nattheim sollen auch zwei Behelfsunterkünfte in Nattheim und Gerstetten belegt werden.

„Der dramatische Anstieg der Zugangszahlen bringt uns an die Grenzen des Machbaren. Im August hatten wir bereits deutlich über 100 Neuzugänge, die Prognose für das restliche Jahr liegt bei durchschnittlich über 200 neuen Zuweisungen pro Monat“, so Landrat Thomas Reinhardt. Das Landratsamt als untere Aufnahmebehörde ist dazu verpflichtet, die zugewiesenen Personen unterzubringen und zu betreuen, bis über den Asylantrag entschieden wurde. „Einen Verhandlungsspielraum gibt es hierbei nicht, wir haben weder Einfluss auf die Zugangszahl noch auf den Familienstand oder die Nationalität der uns zugewiesenen Frauen, Männer und Kinder.“ Um die stetig steigende Anzahl an Flüchtlingen unterbringen zu können, hat der Landrat schon vor fast einem Jahr eine Taskforce Asyl eingerichtet, zu deren Hauptaufgabe die Suche nach neuen Unterkünften gehört. Fündig geworden sind die Landratsamt-Mitarbeiter nun in Heidenheim, Bolheim, Gerstetten und Nattheim.
In Heidenheim wird ab September ein Vier-Familien-Haus in der Oststadt belegt, wo rund 35 Personen untergebracht werden. Ab Mitte September wird zudem eine Wohnung eines Gebäudes in Herbrechtingen-Bolheim angemietet, in welchem elf Personen einziehen können.
In Nattheim werden die leerstehenden Flächen zusammenhängender Gebäude in der Dieselstraße angemietet, die zunächst als Behelfsunterkunft und nach einem späteren Umbau als Gemeinschaftsunterkunft genutzt werden sollen. Die Räume werden vorerst durch Trennwände unterteilt und mit Stockbetten und Spinden ausgerüstet, zudem werden Sanitär- und Küchencontainer aufgestellt. Bis zu 144 hilfebedürftige Personen werden hier voraussichtlich schrittweise ab Mitte September eine erste vorübergehende Unterkunft finden, eine Betreuungskraft des Landratsamtes wird ebenso wie eine Wohnheimverwaltung vor Ort sein. In Nattheim soll zudem ein Ein- bis Zwei-Familien-Haus voraussichtlich ab November mit rund 15 Personen belegt werden.
Ebenfalls als Behelfsunterkunft wird der leerstehende Teil einer Gewerbeeinheit in der Karlstraße in Gerstetten genutzt werden. Hierfür werden wie in Nattheim Trennwände eingezogen, die Räume werden mit Stockbetten und Spinden ausgerüstet und es werden Sanitär- und Küchencontainer aufgestellt. In diese Unterkunft sollen voraussichtlich ab Mitte Oktober schrittweise bis zu 110 Personen einziehen, auch hier wird eine Betreuungskraft des Landratsamtes sowie eine Wohnheimverwaltung vor Ort sein.
Mit diesen Unterkünften sowie den wenigen noch verfügbaren Plätzen in den weiteren vom Landratsamt Heidenheim angemieteten Gebäuden sei die Unterbringung der zugewiesenen Flüchtlinge voraussichtlich lediglich bis Mitte November sichergestellt, so Landrat Reinhardt, der zwischenzeitlich auch die Belegung von Turnhallen nicht mehr ausschließen kann. „Das war für uns bislang lediglich Plan B, aber wenn es so weiter geht und wir Monat für Monat mit über 200 Neuzugängen rechnen müssen, haben wir voraussichtlich mittelfristig keine andere Wahl.“
Probleme bereitet aber nicht nur die Unterkunftssuche selbst, sondern auch die Betreuung der hilfesuchenden Frauen, Männer und Kinder. Der Personalbedarf im Landratsamt wächst kontinuierlich an. „Die Belastung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Asylbereich ist enorm“, sagt Landrat Reinhardt und macht deutlich: „Viele hilfesuchenden Personen, die zu uns kommen, sind auf ganz individuelle Unterstützung angewiesen, das können wir allein nicht leisten.“ Hierbei sei das Landratsamt auf die ehrenamtlichen Helfer im Landkreis angewiesen. „Inzwischen wurden in allen Städten und Gemeinden mit Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis Heidenheim Helferkreise ins Leben gerufen – dafür bin ich nicht nur dankbar, sondern ich bin auch stolz darauf, dass Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft im Landkreis Heidenheim groß geschrieben werden“, so Reinhardt, der auch in Nattheim – wo es bislang noch keine Gemeinschaftsunterkunft gab –auf zahlreiche ehrenamtliche Helfer hofft.