Mittwoch, 4. November 2015

Auszubildende auf Tuchfühlung mit Europa

Gleich an zwei Veranstaltungen wurde das Landratsamt Heidenheim zur großen EU-Bühne

Legislativity – Das Spiel zur EU-Gesetzgebung

Die Auszubildenden des Landratsamtes Heidenheim sind mit Hilfe des neu vom Europa Zentrum Baden-Württemberg entwickelten Brettspiels „Legislativity – Das Spiel zur EU-Gesetzgebung“ auf Tuchfühlung mit Brüssel gegangen. Sinn und Zweck lagen darin spielerisch zu erfahren, wie EU-Gesetze entstehen. Die Spielerinnen und Spieler haben die Aufgabe bekommen, eine sinnvolle Gesetzesidee durch die Straßen von Brüssel zu bringen, von Kommission zu Europäischem Parlament und Rat der EU zu gelangen und dort die erforderlichen Mehrheiten zu erhalten. Auch sollten sie nicht von den falschen Lobbyisten abgelenkt werden, um den Prozess nicht unnötig zu verzögern. Gewinnen konnte nur, wer ein fertiges Gesetz für die gesamte EU erarbeitet hatte. Spiel und Realität konnten während und auch nach dem Spiel mit dem Direktor des Europa Zentrums Baden-Württemberg, Florian Setzen, besprochen werden.


Landkreisübergreifender EU-Azubi-Gipfel im Landratsamt Heidenheim

Azubis simulieren Rechtssetzungsverfahren der EU

Eine Regelung für die Verteilung der Flüchtlinge auf die EU-Staaten schaffen – das war das Ziel von 61 Auszubildenden aus den Landkreisen Göppingen, Heidenheim, Ostalbkreis und Rems-Murr-Kreis. Im Rahmen des 4. landkreisübergreifenden EU-Azubi-Gipfels im Landratsamt Heidenheim schlüpften sie in die Rollen von Vertretern der EU-Kommission, des Rates der Europäischen Union, des Europäischen Parlaments und der Presse und simulierten mit Hilfe des Planspiels „Asyl- und Flüchtlingspolitik in Europa“ das Rechtssetzungsverfahrens in der EU.
Landrat Thomas Reinhardt begrüßte die Auszubildenden im Konferenzbereich des Landratsamtes, schilderte die Asylsituation im Landkreis Heidenheim und betonte die Bedeutung Europas für die Kommunalpolitik. Die monatliche Zuweisungsquote von bis zu 270 Asylbewerbern stellt den Landkreis Heidenheim vor eine große Herausforderung. „Wir sind im Krisenmodus unterwegs und stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagte Reinhardt. „Gleichzeitig sind wir solidarisch mit den in Not geratenen Menschen, aber wir brauchen auch Solidarität auf europäischer Ebene. Zu viele EU-Staaten lehnen sich entspannt zurück und schauen auf Deutschland.“ Deshalb sei es umso wichtiger, sehr schnell europäische Regelungen zu schaffen, die auch die Kommunen vor Ort entlasten.
Im Anschluss daran stand Dr. Inge Gräßle, Mitglied des Europäischen Parlaments, den Auszubildenden Rede und Antwort. Die Auszubildenden hatten sich gut darauf vorbereitet und bereits im Vorfeld zahlreiche Fragen überlegt. Unter anderem ging es um die Einstufung von sicheren Herkunftsländern, die Verteilung der Asylbewerber, mögliche Hilfen in den Krisenländern, das ehrenamtliche Engagement in der Bevölkerung sowie Integrations- und Arbeitsmöglichkeiten. Zudem appellierte die Europaabgeordnete an die Auszubildenden, sich trotz der momentanen Probleme für ein starkes Europa einzusetzen, mitzumachen und sich zu engagieren.
Durch das Planspiel wurden die Auszubildenden von Wolfgang Berger (Landeszentrale für politische Bildung) und Holger-Michael Arndt (CIVIC-Institut für internationale Bildung) sowie Vatan Ukaj (Juniorteam Europa) geführt. Die Auszubildenden sollten in dem Planspiel „Asyl- und Flüchtlingspolitik in Europa“ einen Vorschlag zur Verteilung der Flüchtlinge auf die EU-Staaten unterbreiten, der im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren zwischen Europäischem Parlament, Rat und Kommission verhandelt werden sollte. Eine Musterlösung, wie eine Verteilung der Flüchtlinge auf die 28 EU-Staaten aussehen könnte, konnte nicht gefunden werden.


Von links: Vatan Ukaj (Juniorteam Europa), Holger-Michael Arndt (CIVIC-Institut für internationale Bildung), Landrat Thomas Reinhardt, Dr. Inge Gräßle (MdEP) und in der Mitte Wolfgang Berger (Landeszentrale für politische Bildung).