Freitag, 4. Dezember 2015

Unternehmensnachfolge erfolgreich gestalten

Unternehmerforum gut besucht

Über 80 interessierte Unternehmerinnen und Unternehmer informierten sich, wie die Nachfolge im Betrieb erfolgreich gestaltet werden kann. Gast war eine der führenden deutschen Nachfolgexpertinnen Prof. Dr. Birgit Felden. Sie warnte davor, das Thema auf die lange Bank zu schieben. Eingeladen zum vierten Unternehmerforum hatten der Landkreis Heidenheim, die Kreissparkasse Heidenheim und die IHK Ostwürttemberg.

Landrat Thomas Reinhardt und Vorstandsvorsitzender Dieter Steck machten zu Beginn der Veranstaltung deutlich, dass die erfolgreiche Nachfolgeregelung in den Betrieben im Landkreis sehr wichtig ist. „Damit werden nicht zuletzt auch Arbeitsplätze in der Region und eine gesunde Wirtschaftsstruktur gesichert.“ Sie machten deutlich, dass IHK, Kreissparkasse und die Wirtschaftsförderung des Landkreises bei dem Thema eng zusammenarbeiten und die Betriebe mit vielfältigen Instrumenten unterstützen.

Prof. Dr. Birgit Felden, Mitglied im Aufsichtsrat der TMS Unternehmensberatung AG und Leiterin des Studiengangs Unternehmensgründung und -nachfolge und seit 2008 Gründungsdirektorin des Forschungsinstituts für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen der HWR Berlin gab den Unternehmern aus ihrer langjährigen Praxis Tipps und beleuchtet die verschiedenen Problemstellungen in Sachen Unternehmensnachfolge. Je nachdem ob es Nachfolger in der Familie gibt oder externe gesucht werden müssen, sind die Herausforderungen unterschiedlich. So machte sie beispielsweise deutlich, dass eine Übernahme nur durch qualifizierte Familienmitglieder erfolgen sollte, dass der Akzeptanz des Nachfolgers in der Belegschaft zentrale Bedeutung zukommt und dass familieninterne Rollenverteilung und Berufsalltag zwingend voneinander zu trennen sind.

Während bei familieninternen Nachfolgen häufig auch emotionale Herausforderungen in Form von Konflikten in der Familie bestehen, geht es bei der externen Nachfolgersuche eher darum, das Unternehmen gezielt für den Verkauf vorzubereiten. Dr. Birgit Felden machte deutlich, dass in jedem Fall eine gründliche Vorbereitung notwendig ist. „Unternehmensnachfolge ist ein strategisch wichtiges Projekt, dessen Dauer und Bedeutung häufig unterschätzt werden.“ Die Nachfolgexpertin arbeitete als Erfolgsfaktoren heraus, dass Nachfolger Handlungsfreiheit bekommen müssen, dass die Aufgabenverteilung klar sein muss und die Mitarbeiter wissen müssen, wer was entscheidet. Unternehmensnachfolge gelingt nach ihren Erfahrungen dann besonders gut, wenn die Beteiligten regelmäßig miteinander sprechen und der Nachfolger Bewährtes erhält und Veränderungen behutsam vornimmt. Insgesamt wurde deutlich, dass eine Unternehmensnachfolge ein komplexes Thema mit betriebswirtschaftlichen, juristischen und steuerlichen Facetten ist. Hierbei ist es gut, wenn man auf erfahrene Partner zurückgreifen kann.

Solche Partner sind die Kreissparkasse Heidenheim, die Wirtschaftsförderung des Landkreises Heidenheim und die IHK Ostwürttemberg. Markus Schmid, Leiter des IHK-Geschäftsfeld Existenzgründung und Unternehmensförderung gab einen Einblick in den Service der IHK. Neben praxisnahen Informationen ist es vor allem die vertrauliche und individuelle Beratung welche die IHK anbietet. Schmid macht auch deutlich, dass die IHK auch bei der Suche nach einem Nachfolger hilft. In der IHK-Datenbank sind aktuell 80 potenzielle Nachfolger registriert. Außerdem vermittelt die IHK auch Kontakte zu Coaches, welche die Betriebe begleiten. Markus Schmid stellte auch das Notfallhandbuch der IHK vor und warnte die Betriebe, hier auf Regelungen zu verzichten.

Ein wichtiger Baustein einer erfolgreichen Nachfolge ist ein solides Finanzierungskonzept. Landkreis-Wirtschaftsförderer Michael Setzen zeigte am Beispiel des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR) Fördermöglichkeiten für Unternehmensnachfolger auf. Michael Setzen verwies auf attraktive Zuschüsse im ELR von bis zu 200 TEUR und bot Hilfestellung beim Ausfüllen der Antragsformulare an. Jochen Wahl, Leiter des FirmenkundenCenter der Kreissparkasse Heidenheim, betreut mit seinem Team die Betriebe und unterstützt nicht nur bei der Finanzierung. Mit der Startfinanzierung 80 der L-Bank oder dem ERP-Programm der KfW stehen attraktive Förderprogramme zur Verfügung. Die Kreissparkasse bietet mit einem bundesweiten Nachfolgeportal auch Unterstützung bei der Suche nach einem Nachfolger an. Jochen Wahl: „Damit erhöhen sich die Chancen einen qualifizierten Nachfolger zu finden deutlich.“

Das Ziel des Unternehmerforums, den Unternehmern einen Impuls für die Regelung der Nachfolge zu geben, wurde offensichtlich erreicht. Bereits am Tag nach der Veranstaltung gab es Anfragen und Beratungswünsche.

Bildunterschrift: v.l.n.r.: Michael Setzen (Wirtschaftsförderer LK HDH), Markus Schmid (Geschäftsfeldleiter Unternehmensförderung IHK Ostwürttemberg), Dieter Steck (Vorstandsvorsitzender KSK), Prof. Dr. Birgit Felden, Thomas Reinhardt (Landrat), Thomas Schöpplein (Mitglied des Vorstands KSK), Jochen Wahl (Leiter FirmenkundenCenter KSK)