Montag, 6. Juni 2016


Landrat ehrt unverzichtbare Helfer

Mehr als 100 Gäste bei Fest für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe



Landrat ehrt unverzichtbare Helfer

     

Mehr als 100 ehrenamtlich Tätige in der Flüchtlingshilfe kamen am Samstag zu einem Fest fürs Ehrenamt im Landratsamt Heidenheim, das die Landkreisverwaltung als Dank und Anerkennung für die engagierten Helfer ausgerichtet hatte. Als Symbole für die Willkommenskultur im Kreis Heidenheim wurden bei dem Fest, das von Siggi Schwarz und Andre Carswell musikalisch begleitet wurde, mehrere Kunstwerke feierlich enthüllt.
Am Samstagnachmittag standen im Landratsamt Heidenheim die ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagierten Bürger aus dem Landkreis Heidenheim im Mittelpunkt. Insgesamt gebe es im Kreis eine beeindruckende Zahl von rund 1000 engagierten Helfern, die „völlig uneigennützig und unentgeltlich in all unseren Städten und Gemeinden mitarbeiten, um den geflohenen Menschen zu helfen, beim schweren Start in einem fremden Land zurecht zu kommen“, so Landrat Thomas Reinhardt. Für die Männer, Frauen und Kinder, die meist ohne Hab und Gut, ohne Sprachkenntnisse, in der Angst um zurückgebliebene Verwandte und Bekannte und oftmals geprägt durch traumatisierende Erlebnisse in ein fremdes Land kommen, eine unverzichtbare Unterstützung. Ebenso unverzichtbar aber auch für die Landkreisverwaltung, deren staatliche Aufgabe es sei, die Flüchtlinge aufzunehmen, unterzubringen und sozialpädagogisch zu betreuen, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen ist. „Eine Aufgabe, zu der wir verpflichtet sind – gesetzlich, aber ganz sicher auch aus mitmenschlicher Sicht“, so Reinhardt, der betonte: „Den Menschen, die zu uns kommen, die in ihrer Heimat um ihre Sicherheit oder sogar ihr Leben fürchten müssen und alles zurückgelassen haben, Schutz zu bieten, ist vor allem ein Akt der Humanität.“ Eine Aufgabe, der sich die Landkreisverwaltung mit zunehmend verstärkten Kräften stelle, bei der sie aber dennoch auf Mithilfe angewiesen sei: „Die Menschen benötigen zumeist mehr – ein Mehr an Unterstützung, ein Mehr an Hilfe, ein Mehr an persönlicher und individueller Betreuung und Begleitung. Das können wir schlichtweg nicht in dem Umfang leisten, in dem diese individuelle Unterstützung erforderlich ist“, so der Landrat, der den Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe von Herzen für ihr Engagement, ihre Zeit und ihren hohen persönlichen Einsatz auch mit einem Lebkuchenherz dankte.
Wie der Landrat hervorhob, sei dabei eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt sehr wichtig. Diese werde durch zahlreiche Projekte der Landkreisverwaltung gefördert, die bereits im Februar 2015 eine Koordinationsstelle Ehrenamt und Kommunikation eingerichtet, einen inzwischen in zweiter Auflage herausgegebenen Leitfaden für ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe entwickelt und eine Kooperationsvereinbarung mit der Diakonie und der AWO getroffen hat. Neben Ehrenamtsklausuren und einem Schulungsprogramm für die ehrenamtlichen Unterstützer wird es in Kürze eine Supervisions- und Fortbildungsreihe geben. Ab Sommer werden zudem ein Bildungskoordinator und ein Integrationsbeauftragter tätig sein. Die anwesenden Teilnehmer an der ersten Basisschulung, ebenfalls ein neues kostenloses Angebot des Landratsamtes für ehrenamtlich Tätige in der Flüchtlingshilfe, erhielten eine Bescheinigung von Landrat Reinhardt überreicht.
Nur gemeinsam könne nach besten Kräften auf ein Ziel hingearbeitet werden: „Wir können keinem der Menschen, die zu uns kommen, die schrecklichen Erinnerungen an das, was passiert ist, an die Flucht und an Verluste nehmen. Doch wir können gemeinsam dafür sorgen, dass sie sich bei uns willkommen und in Sicherheit fühlen und hier vielleicht sogar eine neue Heimat finden“, erklärte Reinhardt. Wie der Landrat betonte, leben die ehrenamtlich Engagierten im Kreis eine Willkommenskultur und seien ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement. Als Symbole der Willkommenskultur sowie als Anerkennung für die Arbeit der Ehrenamtlichen wurden dann auch mehrere Kunstwerke enthüllt: Ein Bild, das in einem gemeinsamen Projekt der Kunst AG der Pistorius-Schule und der Bibris-Schule entstand und auf dem bunte Hände aus Papier ausgeschnitten und auf schwarzen Karton aufgeklebt wurden. Drei Holzplatten mit Tonfiguren, die in der Ton AG der Arthur-Hartmann-Schule zum Thema Füreinander-Miteinander entstanden sind. Und ein gesägtes Kunstwerk aus Holz, das Thomas Baumann, ein Mitarbeiter im Landratsamt Heidenheim, geschaffen hat. Dargestellt ist eine Person, die von zwei Händen getragen wird. Im Landratsamt wurden anlässlich des Festes auch von den Flüchtlingen in Kursen der Zukunftsakademie gemachte Fotos gezeigt.
Anerkennung erhielten am Samstagnachmittag nicht nur die Ehrenamtlichen für ihr Engagement. Bewundernswerten Einsatz habe auch Abdulfattah Shekho aus Syrien, der seit Oktober 2015 in den Gemeinschaftsunterkünften in Königsbronn lebt, gezeigt. Mit seinem „tatkräftigen und selbstlosen Eingreifen“ habe er bei einem Brand Anfang des Jahres schlimmeres verhindert: „Abdulfattah Shekho hat auf deutliche und beispielhafte Weise gezeigt, was Zivilcourage bedeutet“, so Reinhardt, der Shekho persönlich für seinen Einsatz dankte.

Ministerialdirigentin Karin Scheiffele zeigte sich beeindruckt vom „vielfältigen ehrenamtlichen Engagement, das im Landkreis Heidenheim bereits eine lange Tradition hat“, und zollte „der Einsatzbereitschaft und Ausdauer des Ehrenamt“ großen Respekt. Bürgerschaftliches Engagement wirke solidaritätsstiftend, so die Ministerialdirigentin, die sich bei den engagierten Helfern ausdrücklich bedankte: „Sie wirken als gesellschaftlicher Kitt.“ Auch Landtagsabgeordneter Martin Grath hob die Bedeutung des Ehrenamts deutlich hervor: „Engagierte Bürger können mehr leisten, als der Staat je könnte.“ Veranstaltungen wie das Fest fürs Ehrenamt seien wichtig, um Anerkennung für das „enorme Pensum zwischenmenschlicher Leistung“, das die Ehrenamtlichen aufbringen, auch greifbar zu machen.
Von Brigitte Combosch, Netzwerksprecherin der Freundeskreise Asyl, und Gisela Moukam, die seit Jahrzehnten in der Flüchtlingshilfe und Integration tätig ist, wurde die Arbeit der engagierten Helfer vorgestellt: Brigitte Combosch ging dabei auch auf die Problemfelder der ehrenamtlichen Tätigkeit und das Spannungsfeld zwischen Haupt- und Ehrenamt ein. Dank der Geduld aller Beteiligten seien inzwischen alle Beteiligten um konstruktive Lösungen bemüht. Gisela Moukam ging auf die Gründe der Flüchtlinge, ihre Heimat zu verlassen, und das große Heimweh der Menschen ein. Viele würden hoffen, bald wieder in ihr Heimatland zurückkehren zu können.

Info:
Im April 2016 lebten 1632 Menschen an 33 Standorten in den Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises Heidenheim – mehr als vier Mal so viele wie Ende 2014, etwa sieben Mal so viele wie Ende 2013 und rund 16-mal so viele wie Ende 2010. Seit April ist die Zahl der Zuweisungen deutlich gesunken. Derzeit leben 1453 Menschen in den Gemeinschaftsunterkünften im Kreis. Seit Beginn der Flüchtlingskrise haben sich im Landkreis Heidenheim in allen Städten und Gemeinden Ehrenamtsgruppen zusammengeschlossen. Insgesamt engagieren sich rund 1000 Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe.