Freitag, 1. Juli 2016

Von Wildbienen bis zum Biber

Große Programmspanne bei der Naturschutzwartetagung

Die Naturschutzwarte im Landkreis Heidenheim haben sich auf Einladung der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt am Moldenberg in Heidenheim zu einer Fachtagung getroffen. Auch in diesem Jahr ist die Veranstaltung bei den ehrenamtlich tätigen Naturschutzwarten auf eine große Resonanz gestoßen.
Hauptthema der Tagung waren Wildbienen. Beim Rundgang auf dem Moldenberg, einem Gebiet besonderer Bedeutung für Wildbienen, gewährte der Diplom-Biologe Hans Schwenninger, Wildbienenbeauftragter des Regierungspräsidiums Stuttgart, erste Einblicke in die faszinierende Welt der Wildbienen. Er hob die große Bedeutung der Landschaftspflege auf den Heideflächen zur Unterstützung der Wildbienen hervor, wodurch Wildkräuter als Nahrungsgrundlage für viele Wildbienen gefördert werden.
Nach der Geländeexkursion veranschaulichte Hans Schwenninger in einem reich bebilderten Vortrag, dass neben der allseits bekannten Honigbiene in Baden-Württemberg fast 500 wild lebende Bienenarten heimisch sind, die sogenannten Wildbienen. Viele dieser Wildbienenarten sind im Bestand gefährdet und kommen nur noch in wenigen Lebensräumen vor. Der Referent erklärte, dass Felsmagerrasen oder Wacholderheiden im Landkreis Heidenheim letzte Refugien für hochgradig gefährdete bzw. vom Aussterben bedrohte Wildbienenarten wie
z.B. Glockenblumen-Felsenbiene, Ziest-Schlürfbiene, Pyrenäen-Blattschneiderbiene oder Grüne Schneckenhausbiene darstellen.
Jedoch wird immer deutlicher, dass nicht nur diese bereits gefährdeten, sondern auch bislang häufige Bienenarten in ihrer Zahl stark abnehmen. Moderne Insektenvernichtungsmittel, Krankheiten sowie der Verlust eines kontinuierlichen Nahrungsangebots, d. h. vor allem ausgedehnte Bestände ungestört abblühender heimischer Wildkräuter, gehören zu den Hauptursachen für den Rückgang. Zur Verbesserung der Entwicklungsbedingungen für Wildbienen wurden im Vortrag Maßnahmen aufgezeigt. Hierbei kommt vor allem der Aussaat gebietsheimischer Wildkräuter eine große Bedeutung zu. Diese Wildbienenweiden sollen die Nahrungsansprüche der ökologisch anspruchsvollen Wildbienenarten erfüllen, hiervon profitieren automatisch auch die Honigbienen.
Im Anschluss informierten die Mitarbeiter der Naturschutzverwaltung die ehrenamtlichen Naturschutzwarte über aktuelle Themen aus dem Bereich Naturschutz im Landkreis. Vorgestellt wurde von Jens-Olaf Weiher, Leiter der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Heidenheim, auch die aktuelle Bekämpfungsstrategie von Neophyten wie Japanknöterich und Riesenbärenklau. Er bat die Naturschutzwarte um Unterstützung bei der Ermittlung solcher Standorte.
Der Ausbau der Windenergie, die Pflege der Heidelandschaften, sowie das Bibermanagement waren weitere wichtige Themenschwerpunkte. Bereits zu Beginn der Tagung hatte Weiher zudem drei neue Mitarbeiterinnen vorgestellt, die im Laufe des vergangenen Jahres zum Naturschutz-Team des Landkreises hinzugekommen waren: Anna Pfahler als Naturschutzfachkraft und Julia Nagler als Natura-2000-Fachkraft im Landratsamt sowie Vanessa Krismann als stellvertretende Geschäftsführerin des Landschaftserhaltungsverbandes.
Ein reger Erfahrungsaustausch beendete die informative Fachtagung.


NSW Tagung 2016: Naturschutzwarte des Landkreises auf Wildbienenexkursion mit Hans Schwenninger (rechts), Wildbienenbeauftragter des Regierungspräsidiums Stuttgart.