Dienstag, 30. August 2016

Hochwassergefahrenkarten: Jeder Bürger hat Zugriff

Seit 2015 kann sich jeder Bürger im Landkreis Heidenheim selbst über die Hochwassergefahr in seiner Gemeinde und auf seinem Grundstück informieren.

Vor gut einem Jahr hat das Land Baden-Württemberg die Hochwassergefahrenkarten für den Landkreis Heidenheim fertig gestellt. „Im Vergleich zu anderen Landkreisen ist Heidenheim nur wenig vom Hochwasser betroffen“, so Katrin Ilg, Ansprechpartnerin im Landratsamt Heidenheim. „Dies liegt zum einen am Karst, der einen Großteil der Niederschläge schnell versickern lässt, aber auch an den 16 Hochwasserrückhaltebecken, die seit den 50er Jahren bei uns gebaut wurden.“ Allerdings wird in den Karten nur die von Oberflächengewässern ausgehende Überflutungsgefahr dargestellt. Überschwemmungen durch Starkregen, die von Steilhängen oder durch Überlastung der Mischwasserkanalisation verursacht werden wie zuletzt in Steinheim oder Großkuchen, werden nicht abgebildet. Dazu bedarf es weitergehender und umfangreicher Untersuchungen, wie sie zurzeit in Steinheim geplant sind.
Die Hochwassergefahrenkarten umfassen Brenz, Lone, Hürbe, Egau, Wedel sowie einige Abflüsse von Hochwasserrückhaltebecken. Kleinere Gewässer konnten nicht berücksichtigt werden. Alle Gemeinden bis auf Nattheim und Gerstetten sind von den Karten betroffen, Niederstotzingen nur im Stadtteil Lontal. Der sogenannte Kartentyp 1 stellt die Überflutungstiefen für ein 100-jährliches Hochwasser dar, der Typ 2 die Ausbreitung des Wassers bei einem 10-, 50- und 100-jährlichen Hochwasser sowie bei einem Extremhochwasser. Mit der Berechnung der Überschwemmungsgebiete gehen gesetzliche Einschränkungen einher, z. B. gilt seit 2014 in den sog. HQ100-Gebieten Bauverbot.
Um die vom Hochwasser ausgehenden Risiken zu minimieren, steht dem Landkreis und den Kommunen ein ganzes Bündel an Maßnahmen zur Verfügung. „Aktuell planen wir in Kooperation mit dem Ostalbkreis einen Workshop zur Erstellung von Hochwasser-Alarm- und Einsatzplänen, um die Abläufe der verschiedenen Akteure im Notfall zu optimieren“, sagt Katrin Ilg. „Trotz aller kommunalen Maßnahmen ist aber auch jeder Bürger aufgerufen, Eigenvorsorge zu treffen.“
Einzusehen sind die Karten in der jeweiligen Gemeinde, im Landratsamt oder digital unter www.hochwasserbw.de über die „Interaktive HWGK“. Auf dieser Homepage kann sich jeder Bürger unter „Eigenvorsorge“ über die Möglichkeiten informieren, durch Hochwasser verursachte Schäden eigenverantwortlich so gering wie möglich zu halten.