Mittwoch, 31. August 2016

Tausende Vermessungspunkte im Landkreis neu bestimmt

Landratsamt Heidenheim schließt Vorbereitung für Koordinatenumstellung ab

In ganz Deutschland, ja sogar fast in ganz Europa wird das Liegenschaftskataster auf ein neues Koordinatensystem umgestellt. Für den Landkreis Heidenheim haben die Vermessungsexperten beim Landratsamt dafür nun die Voraussetzungen geschaffen.
So wie mit dem Euro eine einheitliche europäische Währung eingeführt wurde, wird nun mit dem neuen Koordinatensystem ein einheitlicher europäischer Raumbezug geschaffen. Bisher gab es in den Ländern aus historischen Gründen eine Vielzahl unterschiedlicher Bezugssysteme. Sie genügen aber nicht mehr den modernen Anforderungen von grenzübergreifenden Datennutzungen im zusammenwachsenden Europa.
Das bisherige Gauß-Krüger-Koordinatensystem wird deshalb vom ETRS89/UTM-Koordinatensystem abgelöst. Dabei steht ETRS89/UTM für Europäisches Terrestrisches Referenzsystem 1989 in der Universalen Transversalen Mercatorprojektion. „Beschlossen wurde die Einführung des ETRS89/UTM-Koordinatensystems von der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Vermessungsverwaltungen“, so Simon Betz, Leiter des Fachbereichs Vermessung und Flurneuordnung beim Landratsamt Heidenheim. „Die Entscheidung steht im Einklang mit einer EU-Richtlinie, die ebenfalls eine Führung der Geodaten in dem neuen Bezugssystem fordert.“
Die eigentliche Überführung aller Koordinaten des Liegenschaftskatasters in Baden-Württemberg in das neue Koordinatensystem wird im Jahr 2017 zentral durch das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung in Stuttgart durchgeführt.
Damit die Umstellung auf das neue amtliche Koordinatensystem im nächsten Jahr in Angriff genommen werden kann, musste das Landratsamt Heidenheim umfangreiche Vorarbeiten durchführen. Von den rund 13.000 übergeordneten Vermessungspunkten, die im Kreisgebiet vorliegen, wurden fast 4.000 Punkte mit Hilfe von SAPOS (Satellitenpositionierungsdienst der deutschen Landesvermessung) im Koordinatensystem ETRS89/UTM neu bestimmt. Diese sind wiederum die Ausgangspunkte für die im nächsten Jahr folgende rechnerische Festlegung aller weiteren Vermessungs- und Grenzpunkte in das neue Koordinatensystem. Die Vermessungsarbeiten wurden dabei nach und nach in allen 35 Gemarkungen des Landkreises durchgeführt. „Nun konnten auch in Giengen, als letzter Gemarkung, die notwendigen Vermessungsarbeiten abgeschlossen werden“, erklärt Uwe Laib, der zuständige Projektleiter im Fachbereich Vermessung und Flurneuordnung. „Der Landkreis Heidenheim hat damit als erster Landkreis in Baden-Württemberg die vorbereitenden Vermessungsarbeiten abgeschlossen und ist bereit für die Koordinatentransformation im nächsten Jahr.“
Der Vorteil des neuen, europaweit einheitlichen Koordinatensystems kommt vor allem bei der Bearbeitung von grenzübergreifenden Projekten zum Tragen, da in diesem Fall die bisher notwendigen Umrechnungen zwischen verschiedenen Koordinatensystemen entfallen. Vereinfacht wird künftig auch die Positionsbestimmung unter Nutzung von SAPOS. Sie kann direkt und schnell im neuen Koordinatensystem ETRS89/UTM erfolgen, ohne dass zusätzliche Transformationen notwendig sind.

Vermessungsingenieur Uwe Laib vom Landratsamt Heidenheim bestimmt die Koordinaten