Montag, 27. Februar 2017

Ein Experte im Amt geht

Der Fachbereichsleiter für Bau, Umwelt und Gewerbeaufsicht Rainer Hinkelmann tritt nach fast 43 Jahren im Landratsamt seinen Ruhestand an.      

Bau, Wasser, Abfall, Immissionsschutz – Rainer Hinkelmann ist in all diesen Themen Spezialist. Als der heutige Leiter des Fachbereichs Bau, Umwelt und Gewerbeaufsicht im Jahr 1974 im damaligen Baurechtsamt, Abteilung Wasserrecht, startete, war dies jedoch genau der Bereich, den er kaum freiwillig gewählt hätte: „Das hatte ich nicht einmal im Studium, davon hatte ich wirklich gar keine Ahnung.“ Das hat sich freilich schnell geändert. Heute – wenige Tage vor seinem Eintritt in den Ruhestand Anfang März – ist Hinkelmann überzeugt, dass es nicht besser hätte kommen können: „Das Ordnungsamt wäre mir zu trocken gewesen, das Sozialamt zu emotional – für mich hätte es keinen interessanteren Bereich als den meinigen geben können“, so der 65-Jährige.
Begonnen hat Hinkelmann seine Verwaltungskarriere mit der Ausbildung an der Fachhochschule in Kehl, in der praktischen Phase arbeitete er unter anderem im Verwaltungsaktuariat, wobei er rund 15 kleine Gemeinden ohne eigene Verwaltungsbeamte im Alb-Donau-Kreis in Verwaltungsangelegenheiten unterstützte. Nach bestandener Abschlussprüfung startete der gebürtige Ramminger am 15. Juli 1974 im Landratsamt Heidenheim, seiner Heimat Langenau blieb Hinkelmann aber weiterhin treu. „Anfangs dachte ich, diesen Job mache ich in Heidenheim maximal ein viertel Jahr, inzwischen sind 42-einhalb Jahre daraus geworden.“ Rund drei Jahre arbeitete Hinkelmann bereits im Landratsamt, allein in der Wasserrechtsabteilung, als er zum Leiter des neu gegründeten Umweltschutzamtes ernannt wurde. Ein Amt, das damals genau zwei Mitarbeiter, aber jede Menge Themen hatte: vom Planfeststellungsverfahren für die Autobahn bis zur Einrichtung der Kreismülldeponie in Nattheim. Und die Themen wurden im Laufe der Jahre nicht weniger, mehrfach wurde das Amt umbenannt, peu à peu kamen Bereiche wie Immissionsschutz, Bauwesen, Wasser- und Bodenschutz und zuletzt die Gewerbeaufsicht hinzu, bis daraus der heutige rund 30 Mitarbeiter starke Fachbereich Bau, Umwelt und Gewerbeaufsicht wurde.
Besonders der Natur- und der Klimaschutz hätten massiv an Bedeutung gewonnen. „Man muss sich nur mal überlegen: Als es um die Windräder bei Steinheim ging, hat Artenschutz noch gar keine Rolle gespielt.“ Heute sei das unvorstellbar. Gerade die Windkraftverfahren seien der derzeit wohl spannendste Bereich in diesem Aufgabengebiet – „Auch, weil bei so vielen Komponenten der Ausgang immer offen ist. Das ist spannend, aber sehr aufwändig – da braucht man super Leute.“
Die ständigen Veränderungen sind es, die die vergangenen Jahrzehnte für Hinkelmann zu einer extrem spannenden Zeit gemacht haben. „Mir hat immer die Breite des Aufgabenbereichs gut gefallen und die technische Komponente“, erzählt er begeistert. Für seinen Job spreche zudem, dass er nicht nur am Schreibtisch stattfinde, sondern man viel im Außendienst unterwegs sei und mit vielen Leuten zusammenkomme. Und hierbei sei ihm durchaus zugutegekommen, dass er die Themen oftmals von der anderen Seite kenne: Als langjähriger Kommunalpolitiker – inzwischen sitzt Hinkelmann seit 36 Jahren im Gemeinderat von Langenau – weiß er nämlich recht gut wie es ist, wenn man sich mal über Vorgaben ärgert. In seiner Heimatstadt Langenau engagiert sich Hinkelmann nicht nur politisch, sondern auch in sportlicher Hinsicht. Früher selbst auf dem Fußballplatz aktiv, als Spieler, Jugendleiter, Schiedsrichter und bis zu seinem 51. Lebensjahr bei den alten Herren, beschränkt sich sein aktiver Einsatz zwischenzeitlich auf das Anfeuern seiner beiden zwischenzeitlich erwachsenen Kinder beim Fußball oder Handball. Das Mehr an Zeit will Hinkelmann zudem nutzen, um wieder eine Jugendmannschaft beim Fußball zu übernehmen und beim Marketing der Handballer mitzuhelfen – und dass er weiterhin an Wochenenden ab und an als Busfahrer für die Fußball- und Handballkids einspringt, wird sich wohl auch nicht groß ändern.
Sport ist die eine, das Reisen die andere große Leidenschaft von Hinkelmann. Amerika, Afrika, Asien, Europa – Hinkelmann hat schon einiges gesehen. Und so kann man sich auch gut vorstellen, dass der Ruhestand des 65-Jährigen nicht unbedingt ruhig ablaufen wird. „Man ist da ja auch etwas fremdbestimmt“, erklärt er schmunzelnd und berichtet, dass er ebenfalls fest fürs Enkelkinder abholen eingespannt werden solle. Hinkelmann freut sich schon darauf: „Früher habe ich nie verstanden, warum Opa sein schön sein sollte. Heute schon, es ist schön, dass ich bald mehr Zeit für die Enkel habe.“