Freitag, 1. Dezember 2017

Smart statt süchtig

Gesundheitskonferenz: Organisatoren planen neue Angebote zum Thema Medienkompetenz

Die digitale Zukunft hat längst begonnen, digitale Medien wie Smartphone & Co. sind aus dem Leben vieler Menschen kaum noch wegzudenken. Doch wie sollen Kinder auf das Leben 4.0 vorbereitet werden? Und wie können Senioren unterstützt werden, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden?

Diese Fragen rund um das Thema digitale Kompetenz stehen im Mittelpunkt der bereits angelaufenen 4. Heidenheimer Gesundheitskonferenz, die gleich mehrere Projekte nach sich ziehen soll. Insbesondere präventiver Art, denn der digitale Fortschritt hat auch eine dunkle Kehrseite: Mobbing, Sucht nach Handy- und Computerspielen und Chatsucht sind nur einige Beispiele für mögliche Auswirkungen, die in allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen auftreten und nicht unter den Tisch gekehrt werden dürfen, so Landrat Thomas Reinhardt. Zu oft mangele es an der digitalen Kompetenz – dennoch seien Smartphone oder Tablet längst zu ständigen Begleitern für Erwachsene ebenso wie für Kinder geworden. „Sind wir damit alle smart? Oder vielleicht nicht eher schon lange süchtig?“, so dementsprechend die provokante Frage, mit der Reinhardt die Gesundheitskonferenz einläutete.

Anregungen für neue Hilfsangebote und -projekte sammelte das Organisationsteam in einer Aktionswoche, in welcher gleichzeitig jede Menge Infos für die über 100 Besucher – Fachkräfte ebenso wie interessierte Eltern und Jugendliche – geboten wurden. Als Referenten waren Experten aus der Praxis geladen worden, die über die Chancen aber auch die Risiken neuer Medien berichteten. So ging etwa Thomas Rathgeb von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg auf die Medienwelten von Kinder und Jugendlichen ein. Er plädierte ausdrücklich dafür, die Medienkompetenz von Kindern so früh wie möglich zu fördern. Gefragt seien hierbei besonders die Eltern, die natürlich auch eine Vorbildfunktion einnehmen. Eberhard Freitag, Diplom-Pädagoge der „return Fachstelle Mediensucht“ aus Hannover, nahm ebenfalls die Eltern – aber auch Lehrkräfte – in die Pflicht: Diese müssten beim Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen klare Grenzen setzen, so Freitag, der eindringlich vor den Gefahren einer Suchtentwicklung durch das Überangebot an modernen Medien warnte.
Während bei den Kindern und Jugendlichen der Medienkonsum eher etwas gedrosselt beziehungsweise besser gesteuert werden sollte, geht es bei den Senioren darum, im digitalen Zeitalter nicht abgehängt zu werden. Wie den älteren Menschen die Angst vor dem Digitalen genommen werden kann, schilderte Daniel Rose, Sozialarbeiter des Projektes Computence aus Hannover. Er berichtete von einem von Spenden getragenen Internet-Café für ältere Menschen, in dem auch Schulungen angeboten werden.
Nicht minder spannend waren in der Aktionswoche die anschließenden Diskussionsrunden, zu welchen lokale Vertreter aus verschiedensten Bereichen – von der Polizei über die Politik bis zu den Schulen und dem Kreisseniorenrat – eingeladen worden waren. Denn auf dem Podium ging es dann ums Eingemachte: Nämlich welche Projekte es im Kreis Heidenheim gibt und vor allem, welche Projekte noch gebraucht werden.

Die bei den drei Veranstaltungen gesammelten Ideen und Informationen haben die Organisatoren der Gesundheitskonferenz, Oliver Tornseifer (Arzt im Gesundheitsamt des Landkreises) und der kommunale Suchtbeauftragte des Kreises Peter Barth, bereits in Projektpläne einfließen lassen. So soll das Thema Medienkompetenz für Eltern intensiv angegangen werden – hierfür steht Barth bereits in Kontakt zu den ersten Schulleitungen von Grundschulen im Landkreis Heidenheim. Weitere Schulen und Kindertageseinrichtungen sollen folgen. Koordiniert werden die Angebote und Termine über einen Arbeitskreis, dem auch Vertreter des für parallel stattfindende Präventionsprojekte zuständigen Polizeipräsidiums Ulm angehören. „Wir werden bereits bestehende Angebote so besser aufeinander abstimmen und gleichzeitig Lücken in der Prävention schließen. Wir wollen flächendeckend im gesamten Kreis aktiv werden, so dass wir möglichst viele Eltern erreichen“, so Barth, der ein erstes Treffen zum Thema „Medienkompetenz für Eltern“ im Januar plant. Wie er ergänzt, sollen zudem gemeinsam mit Psychotherapeuten, der Suchtberatungsstelle der Diakonie und der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Klinikum Heidenheim regionale Therapie- und Beratungsangebote speziell für den Bereich Mediensucht geschaffen und in das bereits bestehende kommunale Suchthilfenetzwerk eingebunden werden.

Auch für die Senioren im Kreis haben die Organisatoren der Gesundheitskonferenz schon Pläne: So soll im kommenden Jahr ein Internetcafé für ältere Menschen eingerichtet werden, das als Treffpunkt ebenso wie als Lernwerkstatt in Sachen Mediennutzung dienen soll. „Dabei geht es um ein kostenloses Hilfsangebot für Senioren zu ganz unterschiedlichen Themen von der Nutzung eines Smartphones bis hin zur Einrichtung eines Computers“, so Tornseifer, der erklärt: „Wir wollen so ein Café fest etablieren, dazu brauchen wir bestenfalls einen sozialen Träger und ehrenamtliche auch jüngere Helfer, die sich hier generationenübergreifend engagieren.“ Die Realisierung des Projekts und die Vernetzung mit bestehenden ähnlichen Angeboten wie es sie beispielsweise in Gerstetten schon gibt, wird ab Januar in enger Zusammenarbeit mit dem Kreisseniorenrat und weiteren Partnern angegangen.