Dienstag, 9. Januar 2018

Weiterentwicklung Weltkultursprung

Finanzierungsvereinbarung und Vertragsgrundlage unterzeichnet / Geschäftsstellenbesetzung auf den Weg gebracht

Die Dachmarke Weltkultursprung rüstet sich für die aus der Anerkennung der eiszeitlichen Fundhöhlen im Ach- und Lonetal als UNESCO-Welterbe erwachsenen Aufgaben und Anforderungen. Dazu unterzeichneten die Landräte Heiner Scheffold (Alb-Donau-Kreis), ab 1. Januar 2018 Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Weltkultursprung und Thomas Reinhardt (Heidenheim) sowie Oberbürgermeister Gunter Czisch (Stadt Ulm) heute (9. Januar 2018) im Landratsamt des Alb-Donau-Kreises in Ulm eine Finanzierungsvereinbarung mit Blick auf die einzurichtende Geschäftsstelle und eine weiterentwickelte vertragliche Grundlage für die Arbeitsgemeinschaft Weltkultursprung insgesamt.

Beide Landräte und der Ulmer Oberbürgermeister betonten, dass damit ein gutes Fundament für die weitere gemeinsame Zusammenarbeit im Weltkultursprung und in der Welterberegion gelegt sei.

Die Stelle einer Geschäftsführerin oder eines Geschäftsführers wird noch im Januar ausgeschrieben, nachdem die Gremien der beiden Landkreise und der Stadt Ulm die Einrichtung einer solchen Geschäftsstelle Ende 2017 beschlossen hatten. Der Sitz der Geschäftsstelle wird im Landratsamt des Alb-Donau-Kreises in Ulm sein.

Die Kosten von jährlich 120.000 Euro tragen, nach der unterzeichneten Finanzierungsvereinbarung, zu 50 Prozent der Alb-Donau-Kreis und zu jeweils 25 Prozent der Landkreis Heidenheim und die Stadt Ulm.

Die Geschäftsstelle wird sich um die laufende Koordination zwischen den Akteuren, die Abstimmung mit den Behörden, dem Archäologischen Landesmuseum und der Universität Tübingen kümmern und ist zentrale Anlaufstelle für Gemeinden und die interessierte Öffentlichkeit.

Sie wirkt an der Förderung und Unterstützung von Maßnahmen mit, die aus dem Managementplan des UNESCO-Welterbeantrags für die sechs Fundhöhlen resultieren. Touristische Aktivitäten zwischen Ach- und Lonetal und innerhalb der Täler müssen vernetzt werden. Außerdem sollen über die Geschäftsstelle wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen und weitere bewusstseinsbildende Maßnahmen für die Bevölkerung organisiert werden.

Des Weiteren geht es um die Erarbeitung konkreter Marketingmaßnahmen, Öffentlichkeitsarbeit, die Zusammenarbeit mit überregionalen touristischen Verbänden und örtlichen Tourismusvertretungen. Dabei erfolgt in der Arbeit der Geschäftsstelle eine enge Zusammenarbeit mit dem Kuratorium und dem Steuerungskreis der Arbeitsgemeinschaft Weltkultursprung.

Arbeitsgemeinschaft auf weiterentwickelter vertraglicher Grundlage

Dazu wurde von den drei Partnern ebenfalls am 9. Januar eine neue vertragliche Grundlage unterzeichnet. Danach hat die Arbeitsgemeinschaft zwei Gremien: den Steuerungskreis und das Kuratorium.

Im Steuerungskreis vertreten sind die drei Vertragspartner (Alb-Donau-Kreis, Landkreis Heidenheim, Stadt Ulm), die sieben Städte und Gemeinden der Welterbe-Region (Asselfingen, Blaubeuren, Herbrechtingen, Niederstotzingen, Öllingen, Rammingen, Schelklingen) – sowie die Präsentationsorte (Archäologisches Landesmuseum, Archäopark Vogelherd Niederstotzingen, Museum Ulm, Urgeschichtliches Museum Blaubeuren), das Regierungspräsidium Tübingen und das Landesamt für Denkmalpflege. Jeweils ein Vertreter der drei Vertragspartner ist für die Dauer von 2 Jahren Sprecher des Steuerungskreises, beginnend ab 1.1.2018 mit dem Alb-Donau-Kreis.

Das Kuratorium umfasst darüber hinaus alle haupt- und ehrenamtlichen Akteure, die mit diesem herausragenden Thema beschäftigt sind und berät aufgrund seiner Fachlichkeit den Steuerungskreis in seiner Tätigkeit. Auch die Landtagsabgeordneten aus den beteiligten Gebietskörperschaften gehören dem Kuratorium an. Der Vorsitzende ist der Tübinger Regierungspräsident.

UNESCO-Welterbe seit 2017 – einmalige Orte, einmalige Funde

Die sechs Fundhöhlen der Eiszeitkunst im Achtal und Lonetal (Alb-Donau-Kreis / Landkreis Heidenheim) wurden am 9. Juli 2017 auf der 41. UNESCO-Welterbe-Komiteesitzung in Krakau als „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ zum Welterbe der Menschheit erklärt worden.

Die Anerkennung als Welterbe-Stätte betrifft die Höhlen Hohle Fels (Schelklingen / Alb-Donau-Kreis), Geißenklösterle und Sirgenstein (Blaubeuren / Alb-Donau-Kreis) – alle im Achtal gelegen – sowie die im Lonetal gelegenen Höhlen Bockstein (Rammingen / Alb-Donau-Kreis), Hohlenstein (Asselfingen / Alb-Donau-Kreis) und Vogelherd (Niederstotzingen / Landkreis Heidenheim).

Sie sind als Welterbe-Stätte nun den Pyramiden von Gizeh, der Großen Mauer in China, der Inka-Bergfestung Machu Picchu in Peru oder in Deutschland dem Speyerer Dom sowie den Altstädten von Lübeck und Regensburg gleichgestellt.

Die ersten Darstellungen von Menschen, Tieren und Mischwesen in diesen Höhlen sind Beleg für die Entstehung des modernen menschlichen Geistes, der sich in Kunst, Symbolen, Musik, Ritualen und Glaubensvorstellungen ausdrückte.

Herausragende Funde – in der Region ausgestellt

Zu den bekanntesten Funden, die in Museen in der Region besichtigt werden können, gehören der Löwenmensch aus dem Hohlenstein (Museum Ulm), die „Venus aus dem Hohle Fels“ (Urgeschichtliches Museum Blaubeuren), das Mammut aus dem Vogelherd (Archäopark Vogelherd Niederstotzingen), der Wasservogel aus dem Hohle Fels (Urgeschichtliches Museum Blaubeuren).
Diese Skulpturen aus Mammutelfenbein haben ein Alter von rund 40.000 Jahren und eine Größe von vier bis sechs Zentimetern (der Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel hat eine Höhe von 31 Zentimetern).

Die ältesten Musikinstrumente, Flöten aus Vogelknochen oder Mammutelfenbein, sind im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren zu sehen, beispielsweise die Elfenbeinflöte aus dem Geißenklösterle.


Im Bild (im Haus des Landkreises in Ulm), v.l.n.r.: Landrat Thomas Reinhardt (Landkreis Heidenheim), Landrat Heiner Scheffold (Alb-Donau-Kreis), Oberbürgermeister Gunter Czisch (Stadt Ulm) bei der Unterzeichnung einer Finanzierungsvereinbarung für die neu einzurichtende Geschäftsstelle und des Vertrags für die Weiterentwicklung der Arbeitsgemeinschaft Weltkultursprung (9. Januar 2018).