Dienstag, 24. April 2018

Moderne Konzepte im Waldnaturschutz

     

Das Landratsamt Heidenheim stellte die aktuellen Waldnaturschutz-Konzepte im Staatswald des Landesbetriebs ForstBW bei der Arbeitstagung der Naturschutzwarte des Schwäbischen Albvereins vor.
„Waldnaturschutz ist in den vergangenen Jahren komplizierter geworden“, berichteten Forstdirektor Dr. Hans Untheim, Fachbereichsleiter Wald und Naturschutz im Landratsamt Heidenheim, und Hans-Jörg Jakob, ehemaliger Forstrevierleiter im Forstrevier Mergelstetten, anlässlich der jährlichen Arbeitstagung der Naturschutzwarte des Schwäbischen Albvereins. Die Tagung fand am vergangenen Samstag (21. April) im Osterholz nahe der Autobahnauffahrt Nattheim statt.
Im Staatswald werden neben den bereits in den 80er Jahren ausgewiesenen großflächigen Bann- und Schonwäldern (gesetzliche Waldschutzgebiete) seit neuestem auch ein bis drei Hektar große Waldrefugien und kleinflächige Habitatbaum-Gruppen (Baumgruppen mit teils besonderen Strukturen wie zum Beispiel Spechthöhlen und Horsten) stillgelegt, das heißt nicht mehr bewirtschaftet und sich selbst überlassen. Waldrefugien und Habitatbaumgruppen sind Bestandteile des Alt- und Totholzkonzepts von ForstBW. Dieses Konzept dient vor allem dem Schutz von höhlenbrütenden Vogelarten, Fledermäusen und Insekten. Waldflächen in der Zerfallsphase bieten für viele seltene Arten einen wichtigen Lebensraum. „Die Summe aller stillgelegten Flächen im Staatswald im Landkreis Heidenheim beträgt derzeit ca. 1.000 ha. Knapp acht Prozent des Staatswaldes im Kreis sind also stillgelegt. Landesweit liegt das Ziel bei zehn Prozent Stilllegung im Staatswald“, so Untheim.

Seit 2016 verfolgt ForstBW im Staatswald zusätzlich ein Gesamtkonzept Waldnaturschutz mit einem landesweiten Zehn-Punkte-Programm. Im Landkreis Heidenheim stehen derzeit die Ziele „Lichtbaumarten“ und „Hülben“ im Vordergrund. Eine wichtige Lichtbaumart ist die Eiche. Sie droht in den großen Buchenwäldern der Ostalb, die als Dauerwald bewirtschaftet werden, „ausgedunkelt“ zu werden. Die Naturschutzwarte besichtigten daher einen Eichen-Jungbestand, der nach den Stürmen Vivian und Wiebke 1990 begründet wurde, und einen Eichen-Altbestand mit mächtigen Baumindividuen – ein Beispiel für die künftige Entwicklung der Eiche.
Hülben sind Wald-Stillgewässer, die in Dolinen und ehemaligen Bohnerzgruben entstanden sind. Sie müssen regelmäßig ausgebaggert werden, um sie vor der Verlandung zu bewahren. Im Landkreis Heidenheim gibt es ca. 400 Hülben im Wald, wie die sogenannte Waldbiotop-Kartierung ergeben hat. Sehr seltene Tier- und Pflanzenarten wie zum Beispiel die Libelle namens Speerazurjungfer oder die Pflanzen Fieberklee, Froschbiss und Krebsschere leben im Umfeld dieser Gewässer.

Hintergrund-Information
Details zur Gesamtkonzeption Waldnaturschutz von ForstBW finden sich unter http://www.fva-bw.de/forschung/index2.html