Mittwoch, 13. Juni 2018

Pfisterer-Azubis stellen geflüchteten Berufsschülern ihren Ausbildungsberuf vor

     

Im Rahmen eines ehrenamtlichen Projektes haben sich die Auszubildenden der Firma Pfisterer in Gussenstadt etwas einfallen lassen: Gleich zwei Vormittage haben sie sich Zeit genommen, um geflüchteten Schülern aus der Technischen Schule Heidenheim Heid Tech ihren Ausbildungsberuf Zerspanungsmechaniker nahezubringen.
So hießen Anfang April vier Azubis der Firma Pfisterer 13 Schüler, die aktuell das Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse an der Heid Tech absolvieren, sowie die Jugendberufshelferin Barbara Weyland-Lammer, den Integrationsbeauftragten des Landkreises Stefan Linke und den Bildungskoordinator Frank Neubert am Firmenstandort willkommen.
Nach einer kurzen Sicherheitsunterweisung wurde die Gruppe getrennt: Die eine Hälfte wurde mit Sicherheitsschuhen ausgestattet und machte sich, geführt von zwei Auszubildenden, auf den Weg zur Erkundung des Betriebes. Dabei erhielten die Besucher Einblick in die unterschiedlichen Arbeitsfelder des Pfisterer Standorts Gussenstadt, von der Produktion über die Qualitätskontrolle bis hin zu Verpackung und Versand. Interessant waren auch die Arbeitsplätze der Auszubildenden, wo trotz hochentwickelter Maschinen noch mit handwerklichem Geschick gearbeitet werden muss. Dadurch können die Auszubildenden verstehen, was die Maschinen alles leisten und dadurch den Mitarbeitern abgenommen wird.
Parallel dazu wurde die andere Gruppe von den restlichen Azubis durch eine Präsentation über den historischen Werdegang des weltweit in der Energieübertragung und Energieverteilung tätigen Unternehmens informiert. Daraufhin erfolgte ein Vortrag zum Ausbildungsberuf Zerspanungsmechaniker und Informationen aus erster Hand zu Themen wie Gleitzeit, Azubi-Gehalt, Zwischenprüfungen, Ausflüge für Azubis und den Betriebssport bei Pfisterer.
Die Azubis hatten für die Geflüchteten auch einen Tipp, wie man die Chancen auf einen der begehrten Ausbildungsplätze erhöhen kann: „Die meisten Azubis haben vorher ein kurzes Praktikum hier gemacht. Dadurch lernt der Betrieb einen kennen und man merkt selbst, ob der Beruf etwas für einen ist“, erklärt Mustafa Celik, Zerspanungsmechaniker im dritten Lehrjahr. Im Anschluss tauschten die beiden Gruppen die Rollen, bevor beschlossen wurde, wer an einem Kurzpraktikum teilnimmt.
Am nächsten Tag nahmen sich die Auszubildenden noch einmal Zeit, um die Geflüchteten in einem dreistündigen Kurzpraktikum in die praktische Tätigkeit einzuweisen. So wurde unter Anleitung aus einem Stück Metall durch Messen, Bohren, Feilen, Fräsen und Sägen ein Flaschenöffner mit Einkaufschip, auf dem zum Abschluss die Namen der Geflüchteten und der Firma eingraviert wurden. „Die Jungs waren wirklich stolz auf ihre individuelle Andenken, die sie in so kurzer Zeit gefertigt haben und konnten es kaum abwarten, den Flaschenöffner auszuprobieren“, so Frank Neubert. Begeistert waren die Geflüchteten vor allem von der Betreuung der Azubis und zwei zeigten sofort Interesse an einem längeren Praktikum. Die Zusammenarbeit mit dem Bildungskoordinator Frank Neubert und den Flüchtlingen machte den Azubis Spaß, denn auch für sie war es eine interessante neue Erfahrung. So sind die Auszubildenden der Firma Pfisterer auch im nächsten Jahr wieder bereit, solch ein Projekt zusammen mit dem Landratsamt Heidenheim durchzuführen.
Bildungskoordinator Frank Neubert und Integrationsbeauftragter Stefan Linke, die das Projekt gemeinsam mit den Azubis koordiniert hatten, sehen darin Modellcharakter. „Es hat uns besonders gefreut, dass die Initiative von den Auszubildenden der Firma Pfisterer ausging“, erinnert sich Linke. „Die Tage haben die Flüchtlinge bei ihrer Berufsorientierung vorangebracht und es hat sich gezeigt, dass Azubis einfach einen besseren Draht zu den jungen Geflüchteten haben als Firmenchefs oder Abteilungsleiter.“


Vier Auszubildende der Firma Pfisterer haben Geflüchteten ihren Ausbildungsberuf vorgestellt.