Mittwoch, 19. September 2018

Große Befallgefahr durch Borkenkäfer

Landratsamt Heidenheim fordert Waldbesitzer zu engmaschigen Kontrollen auf

Die hohen Durchschnittstemperaturen der vergangenen Monate und die bereits aus dem Vorjahr vorhandene hohe Borkenkäferpopulation haben wie befürchtet zu einem vermehrten Stehendbefall durch die rindenbrütenden Borkenkäfer „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“ in Fichtenbeständen geführt.

Im Frühjahr und Sommer führten die deutlich zu hohen Temperaturen zu einem im Vergleich zu den Vorjahren früheren Schwärmflug der Borkenkäfer. Inzwischen hat sich bereits die dritte Generation ausgebildet – zu befürchten ist, dass sich in diesem Jahr sogar vier Generationen ausbilden könnten. Die anhaltenden ungünstigen Witterungsbedingungen mit weiterhin hochsommerlichen Temperaturen bieten ideale Entwicklungsbedingungen für die Borkenkäfer und können zu beträchtlichen Schäden in Fichtenbeständen führen.

Auch im Landkreis Heidenheim steigen die Befallszahlen laut der unteren Forstbehörde aktuell weiter deutlich an. Um schwerere Schäden zu verhindern, müssen die befallenen Fichten möglichst umgehend eingeschlagen und aus dem Wald verbracht werden, bevor die sich entwickelnden Käfer wieder ausfliegen und neuerdings Fichten befallen können.

Nach den Bestimmungen des Wald- und Pflanzenschutzgesetzes besteht zur Abwehr von Schäden und zur Verhinderung der Ausbreitung von Schädlingen eine Verpflichtung der Waldbesitzer, entsprechende Maßnahmen im eigenen Wald zu veranlassen. In der jetzigen Situation sollte weiterhin ein wöchentliches Monitoring der gefährdeten Bestände und gegebenenfalls der Einschlag von Käferholz umgehend erfolgen, teilt die untere Forstbehörde mit.

Kennzeichen des Käferbefalls sind:

- braunes Bohrmehl am Stammfuß, auf der Rinde, an Spinnweben und der Bodenvegetation,
- Harzfluß und Harztröpfchen, insbesondere am Kronenansatz,
- sich rot verfärbende Kronen und Nadelverlust,
- Abplatzen der Rinde, beginnend meist unterhalb der Krone bei oftmals noch grüner Krone.

Bei der Kontrolle sollten zunächst Bereiche mit diesjährigen und vorjährigen Befallsherden überprüft werden wie auch südexponierte Lagen mit schlechterer Wasserversorgung oder Bereiche, in denen es Sturmschäden gab.

Nachdem aktuell ein deutliches Überangebot an Fichtenstammholz am Markt nicht nur in Baden-Württemberg zu verzeichnen ist, kann eine rechtzeitige Abfuhr vor Ausflug der sich im Holz entwickelnden nächsten Käfergeneration trotz guter konjunktureller Rahmenbedingungen vermutlich nicht immer gewährleistet werden.
Daher wird von Seiten der unteren Forstbehörde dringend empfohlen ausschließlich Bäume aufzuarbeiten und zum Holzverkauf bereitzustellen, bei denen die Borkenkäfer noch nicht ausgeflogen sind. Durch dieses Vorgehen werden die Abfuhr- und Vermarktungskapazitäten sinnvoll konzentriert. Bäume, bei denen bereits der Käfer ausgeflogen ist – sichtbar durch abfallende Rinde – sollten erst wieder nach Abbau des momentanen Holzüberangebotes geerntet werden. Dies ist auch ökologisch sinnvoll, da bereits vorhandene Feinde der Borkenkäfer (andere Insekten, Pilze) ihre Entwicklung noch abschließen können.

Des Weiteren wird empfohlen:

- Stämme entrinden, sofern noch Larven im Holz sind und der Käfer noch nicht entwickelt ist,
- Gipfelmaterial hacken,
- Käferholz aus dem Wald fahren und möglichst weit entfernt vom Wald lagern,
- als letztes Mittel, wenn andere Maßnahmen nicht möglich sind, die Vor-Ausflug-Spritzung der Käferholz-Polter mit hierfür zugelassenen Mitteln unter Beachtung der Ausbringungsvorschriften (Gewässerschutz!).

Fragen beantworten die Revierleitungen oder die Mitarbeitenden der unteren Forstbehörde beim Landratsamt Heidenheim, Tel. 07321/321-1390.