Montag, 15. Oktober 2018

Albschäferwoche: Tradition trifft Welterbe

     

Während der Kulturerbe- und Albschäferwoche im Brenz- und Lonetal geht es in zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen um die „Heimatklänge vor 40.000 Jahren?“ und um die Schäfertradition im Brenz- und Lonetal.

Unter dem Titel „Heimatklänge vor 40.000 Jahren?“ haben der Schwäbische Albverein, das Haus der Volkskunst und weitere Partner eine Veranstaltungsreihe organisiert, die am 17. Oktober 2018 in Balingen mit dem großen europäischen Dudelsackfestival beginnt und am 27. Oktober 2018 mit dem Schäfertraditionsabend in Heidenheim endet. Herausragende Musikgruppen aus ganz Europa sind zu Gast. Sie haben zum Teil historische Knochenflöten dabei und begegnen am Ursprung der Musik, im UNESCO-Welterbegebiet „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“, den 40.000 Jahre alten Flöten aus Vogelknochen und Mammutelfenbein. In der Heidenheimer Brenzregion ist der Schäfertraditionsabend in eine Aktionswoche, die Albschäferwoche, eingebunden, in der Schäfertradition, Hirtenmusik und Volkstanz im Mittelpunkt stehen.

Einen passenderen Ort als den Schafhof Wiedenmann in Nattheim hätte es für das Treffen des Organisationsteam der Albschäferwoche nicht geben können. Manfred Stingel, Vorsitzender des Kulturrats Schwäbischer Albverein, Wolfgang Pösselt vom Schwäbischen Albverein und Monika Suckut, Tourismusbeauftragte beim Landratsamt Heidenheim, besprachen diese Woche die letzten Details des umfangreichen Programms der Veranstaltungsreihe, das, so Wolfgang Pösselt, „alle Sinne anspricht“. Manfred Stingel ist Vorsitzender des Kulturrats des Schwäbischen Albvereins und betreibt das Haus der Volkskunst in Balingen. Volkstanz, Volksmusik sowie internationaler Austausch gehören zu seinen Steckenpferden. Alle drei Jahre kommen die besten Traditionsmusikgruppen aus ganz Europa im Haus der Volkskunst zum bekannten europäischen Dudelsackfestival zusammen, welches in diesem Jahr im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 „Sharing Heritage“ von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wird. Das diesjährige Motto „Heimatklänge vor 40.000 Jahren?“ hat nun einen besonderen Hintergrund: Im Juli 2017 wurden sechs Höhlen im Ach- und im Lonetal als UNESCO-Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ anerkannt. Aufgrund der Funde von Flötenfragmenten aus Vogelknochen und Mammutelfenbein wird das Gebiet auch als Ursprung der Musik betrachtet. Noch heute werden in anderen Ländern Knochenflöten zum Musizieren verwendet. „Ich habe die Verbindungen gesucht und die eingeladenen Gruppen gebeten, historische Knochenflöten aus ihrem Land mitzubringen“, so Manfred Stingel, der eine ganze Reihe von Konzerten in Balingen, Blaubeuren und Ulm in der Woche vom 17. bis 22. Oktober organisiert hat. „Wir gehen der Frage nach, wie sich Knochenflöten anhören und wie sich das Spielen darauf entwickelt hat.“

Einige der Gruppen verlängern ihren Aufenthalt und werden sich in der zweiten Veranstaltungswoche auf den Weg ins Brenz- und Lonetal machen. „Wir haben die Musikgruppen aus der Ukraine, aus Georgien und Rumänien in den Archäopark Vogelherd eingeladen und freuen uns, dass die Heidenheimer Volksbank den Kulturteil der Albschäferwoche finanziell unterstützt“, so Monika Suckut. Die Gäste gehen an der Welterbestätte gemeinsam mit der Musikpädagogin Gabriele Dalferth auf Spurensuche nach den Wurzeln der Musik, nach den „Heimatklängen vor 40.000 Jahren“ und können in der Vogelherdhöhle musizieren. Sie tauschen sich aber auch mit der jüngeren Generation aus und werden das Kulturerbe der Volks- und Hirtenmusik Schülern des Heidenheimer Hellenstein-Gymnasiums vermitteln.

Die Veranstaltung „Europäische Heimatklänge am Ursprung der Musik“ am 27. Oktober ist nur eine von zahlreichen Aktionen der in die Veranstaltungsreihe „Heimatklänge vor 40.000 Jahren“ eingebundenen Albschäferwoche. „Viele der Schäfer sind im Programm der Albschäferwoche eingebunden. Das ehrt uns und macht auf uns aufmerksam“, so Jungschäferin Kerstin Riek zu den vielfältigen Veranstaltungen der Aktionswoche. Diese startet bereits am Samstag, 20. Oktober, mit Wanderungen auf dem Albschäferweg zum Kirchweihessen. Auf der Gerstetter Alb geht es ins Hungerbrunnental und zur Schäferei Banzhaf, bevor man in den traditionellen Gasthäusern den Hammelbraten mit Heidenheimer Knöpfle genießen kann. Am Tag darauf geht es mit einem Alb-Guide über die einzigartige Wacholderheide rund um Giengen und zum Schafhof der Familie Stegmayer.

Am Dienstag, 23. Oktober, wird auf dem „Höhlengang“, einem Rundwanderweg am Albschäferweg, zur Vogelherdhöhle gewandert. Dort erwartet die Wandergruppe ein ganz besonderes Aktionsprogramm zur Eiszeitmusik und Wanderführer Wolfgang Pösselt hat sein Hirtenhorn dabei, das er natürlich auch erklingen lässt.

Kulinarisch kann man sich im Hirschbachkeller im Kloster Herbrechtingen die ganze Woche über mit edlem Ostalb-Lamm-Menü verwöhnen lassen. In zwei Kochkursen, die jeweils von den Schäfern vor Ort begleitet werden, lernt man selbst, wie Lamm- und Hammelfleisch traditionell oder kreativ zubereitet wird. Am Dienstagabend, 23. Oktober, gibt es Traditionelles bei der Familie Joos in Fleinheim: Die geübten Landfrauen werden das Fleisch traditionell zubereiten und als Beilage das Heidenheimer Knöpfle servieren. Am darauffolgenden Tag geht es zum Löwen nach Zang. Mit Seniorchef Frank Widmann genießt die Teilnehmer zum Abschluss des Abends das selbst und kreativ zubereitete Menü vom Ostalb Lamm. Am Freitag, 26. Oktober, wird ein regionaler Bufettabend im Gasthof Kreuz in Steinheim geboten, untermalt von schwäbischen Heimatklängen der Gruppe Wacholderklang unter Leitung von Manfred Stingel. Am Samstag, 27. Oktober, findet bereits zum vierten Mal der Schäfertraditionsabend in Heidenheim statt, mit dem unter anderem das besondere Kulturerbe des Volkstanzes und der europäischen Hirtenmusik in Erinnerung gerufen werden soll. Ab 19 Uhr präsentieren die Sontheimer Volkstänzer und Schäfermusikanten den Heidenheimer Schäferreigen, das Ensemble Urmuli aus Georgien und das Orchester Rhapsodie aus der Ukraine sowie die Gruppe Kinderpalast bieten abwechslungsreiche Unterhaltung.

Nach dem Abend der Schäfertradition bieten die NABU-Alb-Guides Östliche Alb am Sonntag, 28. Oktober, noch eine spannende Wanderung: Eine Tour rund um den Moldenberg in Schnaitheim und durch die Täsch, die Wacholderheide, auf der zuletzt während des Heidenheimer Schäferlaufs das Leistungshüten stattfand. Auf einer zweiten Tour durchstreift man das Steinheimer Becken, das nicht nur wegen des Meteorkraters, sondern auch aufgrund seiner weitläufigen und landschaftlich wertvollen Heideflächen bekannt ist.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Programmpunkten der Albschäferwoche gibt es im Internet unter www.albschaeferweg.de und in einer ausführlichen Broschüre, die beim Landratsamt unter Tel. 07321 321 2593 angefordert werden kann sowie in den Touristinformationen ausliegt. Das Programm des Dudelsackfestivals gibt es unter www.hausdervolkskunst.de.

v. l.: Wolfgang Pösselt (Schwäbischer Albverein), Monika Suckut (Tourismusbeauftragte im Landratsamt Heidenheim), Kerstin Wiedenmann-Riek (Württemberger Lammkönigin), Manfred Stingel (Vorsitzender des Kulturrats des Schwäbischen Albvereins)