Dienstag, 11. Dezember 2018

Bio-Akteure legen los

Bio-Musterregion Heidenheim plus: Beirat und Lenkungsgruppe legen die ersten Projekte fest.

Mit Johanna Böll als neu eingesetzter Regionalmanagerin kann die Bio-Musterregion Heidenheim plus nun intensiv in die Projektarbeit einsteigen. Welche Projektideen aus dem beim Land eingereichten Bewerbungskonzept zuerst angegangen werden sollen, wurde bei der jüngsten Beirats- und Lenkungsgruppesitzung geklärt. Einig waren sich die Teilnehmer – allesamt Akteure der Bio-Musterregion –, dass die künftigen Projekte die gesamte Wertschöpfungskette von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zur Vermarktung und schließlich zum Konsumenten umfassen sollen.
Besonders intensiv einsteigen wollen die Akteure aber zunächst in die Förderung der Vermarktung von bioregionalen Lebensmitteln: Mehr Aufmerksamkeit für bioregionale Erzeugung soll etwa bei Öko-Aktionstagen erzielt werden. „Angedacht ist eine Bündelung von Aktionen einzelner Erzeuger oder auch anderer Akteure in der gesamten Musterregion beispielsweise in verschiedenen Mitmachtagen, die dann gezielt beworben werden“, erklärt Regionalmanagerin Johanna Böll. Ideen hat sie auch für einzelne Verbraucher-Veranstaltungen, von der Schnippelparty bis zur Hof-zu-Hof-Radtour. Mehr Interesse für Bio soll zudem in der Außer-Haus-Verpflegung in Kindertagesstätten und Schulen geweckt werden, geplant sind hierfür Bio-kann-jeder-Workshops mit Theorieteil und Kochaction für diejenigen, die bei der Verpflegung in den Einrichtungen involviert sind. Im Blick haben die Bio-Akteure zudem die Kunden. In diesem Zuge ist es ein weiteres Ziel, Erzeuger und Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels an einen Tisch zu bringen. „In unserer Region gibt es bereits eine Vielzahl an großartigen Hofläden und Naturkostläden. In der Bio-Musterregion wollen wir nun ergänzend dazu Möglichkeiten schaffen, wie wir bioregionale Produkte noch mehr Menschen zugänglich machen“, so Johanna Böll, die in weiterer Hinsicht ebenfalls als Mittlerin auftritt. „Ich möchte auch direkt bei den Erzeugern und Verarbeitern Angebot und Nachfrage besser sichtbar machen. Dies soll zunächst durch die Erfassung der Bedarfe und über die daraus mögliche direkte Vermittlung erfolgen.“ Welche Vorteile eine solche Vernetzung haben kann, hat ein Beispiel in den vergangenen Monaten bereits gezeigt: Die Brauerei Hald wird zwischenzeitlich vom Kornkreis mit bio-regionaler Braugerste beliefert.
Als Angebot für die Erzeuger plant die Regionalmanagerin zudem Infoveranstaltungen, etwa zur Umstellungsförderung, sowie die Einrichtung eines Stammtisches für Landwirte, an dem bei Interesse natürlich auch Landwirte mit konventionellem Betrieb teilnehmen können. Ein weiteres nun priorisiertes Projekt betrifft die Verarbeitung, konkret die regionale ökologische Schlachterei und Metzgerei. Die Möglichkeiten hierfür sollen gemeinsam von Landwirten und Veterinäramt ausgelotet werden, auch hierbei ist die Regionalmanagerin als Koordinatorin tätig.
„Der Plan für die nächsten Monate steht nun“, freut sich Johanna Böll, die zur Umsetzung der einzelnen Projekte die Akteure aus der gesamten Bio-Musterregion an einen Tisch laden wird. Akteure, von denen sie viele seit ihrem Amtsantritt Anfang November auch schon persönlich kennengelernt hat. „Es ist beeindruckend zu sehen, wie viele Bio-Akteure es in der Region bereits gibt und wie viele daran mitarbeiten, die bereits gut entwickelten Strukturen im ökologischen Landbau und in der Verarbeitung weiter zu stärken“, resümiert die Regionalmanagerin ihre Erfahrungen im ersten Monat. „In unserer Bio-Musterregion wollen wir nun alle noch enger vernetzen und die Akteure gleichzeitig bei Projekten und in der öffentlichen Wahrnehmung unterstützen“, so Landrat Thomas Reinhardt, der die Sitzungsteilnehmer im Landratsamt begrüßte. Wie er betonte, sollen gerade die Projekte für Verbraucher nebenbei auch zu einer höheren Wertschätzung von Lebensmitteln führen. „Wir müssen wegkommen von der Wegwerfkultur. Mehr Wertschätzung unserer Lebensmittel bedeutet gleichzeitig mehr Anerkennung für diejenigen, die die Lebensmittel erzeugen: unsere Landwirte.“

Info: Zur Bio-Musterregion Heidenheim plus gehören der Landkreis Heidenheim mit seinen elf Städten und Gemeinden sowie die fünf angrenzenden Kommunen Bartholomä, Heubach, Essingen, Oberkochen und Neresheim im Ostalbkreis. Die Zahl der Bio-Betriebe ist besonders im Kreis Heidenheim in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen: Die ökologisch bewirtschaftete Fläche macht inzwischen mit ca. 3.088 ha etwa elf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus, rund zehn Prozent (59 Betriebe) der insgesamt fast 600 landwirtschaftlichen Betriebe im Kreis arbeiten nach den Prinzipien des Ökolandbaus. In den fünf angrenzenden Städten und Gemeinden im Ostalbkreis gibt es weitere vier ökologisch wirtschaftende Betriebe, die insgesamt etwa 220 ha bewirtschaften. Im Beirat sowie in der Lenkungsgruppe der Bio-Musterregion sind Bio-Akteure aus der gesamten Wertschöpfungskette sowie Vertreter des Landkreises Heidenheim und der Kommunen im Ostalbkreis vertreten. Ansprechpartnerin im Landratsamt Heidenheim ist Johanna Böll, Regionalmanagerin Bio-Musterregion Heidenheim plus, Tel. 07321 321-1358, J.Boell@Landkreis-Heidenheim.de.

Die Teilnehmer der Lenkungsgruppe- und Beiratssitzung der Bio-Musterregion Heidenheim plus zusammen mit Landrat Thomas Reinhardt (von links unten nach rechts oben) und Bio-Musterregion-Regionalmanagerin Johanna Böll: Georg Feth, Rainer Bihlmaier, Thomas Kuhn, Philipp von Woellwarth Lauterburg, Wolfgang Wenzel, Christoph Hald, Helena Fähnle, Claus Uwe Fähnle, Frank Schied, Udo Awiszus, Hans-Peter Mack, Martina Mack, Rainer Gansloser, Wolfgang Mäck, Pascal Hecht, Christian Ziegler und Mandy Pflanz.