Freitag, 28. Juni 2019

Startschuss für die Borkenkäfersaison 2019 ist gefallen

     

Die ersten Borkenkäfer sind dieses Jahr bereits geflogen und die ersten frisch befallenen Borkenkäferfichten sind im Wald zu finden. Die sonnigen und warmen Ostertage und auch die kurze warme Phase in der Woche vor Pfingsten haben gezeigt: Der Borkenkäfer ist da und zwar in großen Mengen. Die bereits aus dem Vorjahr vorhandene große Borkenkäferpopulation hat den Winter in großer Menge überlebt. Dies zeigen auch die landkreisweiten und landesweiten Erhebungen der Forstlichen Versuchsanstalt in Freiburg.
Durch das forstliche Fachpersonal im Landkreis und aus einigen Privatwäldern wird bereits der erste frische Borkenkäferbefall gemeldet. Gemeldet werden vor allem die rindenbrütenden Borkenkäfer „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“. Die nun bevorstehenden warmen Sommermonate und die damit für die Borkenkäfer idealen Witterungsbedingungen erfordern von Waldbesitzern höchste Aufmerksamkeit und regelmäßige Kontrolle ihrer Fichtenbestände auf frischen Borkenkäferbefall. Um schwere Schäden zu verhindern, müssen die befallenen Fichten möglichst umgehend eingeschlagen und aus dem Wald verbracht werden, bevor die sich entwickelnden Käfer wieder ausfliegen und weitere Fichten befallen.
Nach den Bestimmungen des Wald- und Pflanzenschutzgesetzes besteht zur Abwehr von Schäden und zur Verhinderung der Ausbreitung von Schädlingen eine Verpflichtung der Waldbesitzer, entsprechende Maßnahmen im eigenen Wald zu veranlassen. In der nun startenden Borkenkäfer-Saison sollte ein wöchentliches Monitoring der gefährdeten Bestände und gegebenenfalls der Einschlag von frischem Käferholz umgehend erfolgen.

Kennzeichen des Käferbefalls sind:

− braunes Bohrmehl am Stammfuß, auf der Rinde, an Spinnweben und der Bodenvegetation,
− Harzfluß und Harztröpfchen, insbesondere am Kronenansatz,
− sich rot verfärbende Kronen und Nadelverlust,
− Abplatzen der Rinde, beginnend meist unterhalb der Krone bei oftmals noch grüner Krone.

Bei der Kontrolle sollten zunächst Bereiche mit vorjährigen Befallsherden überprüft werden wie auch südexponierte Lagen mit schlechterer Wasserversorgung oder Bereiche, in denen es Sturmschäden gab.
Je nach Entwicklungsstadium bleiben zwei bis sechs Wochen Zeit bis zum erneuten Ausflug einer Käfergeneration und weiterem Stehendbefall. Waldbesitzer werden daher gebeten, befallene Bäume umgehend einzuschlagen und aufzuarbeiten. Danach ist es wichtig, dass die Bäume schnell abtransportiert werden oder entrindet werden. Falls dies nicht möglich ist, müssen die befallenen Stämme mindestens 500m entfernt von gefährdeten Fichtenbeständen gelagert werden. Bruttaugliche Gipfel sollten klein gesägt oder gehackt werden, damit sie rasch austrocknen und damit keinen neuen Brutraum für Borkenkäfer bieten.
Vermarktung und Aushaltung des Holzes sollte vor der Aufarbeitung mit der örtlich zuständigen Forstrevierleitung abgestimmt werden. Nachdem aktuell ein sehr deutliches Überangebot an Fichtenstammholz am Markt nicht nur in Baden-Württemberg zu verzeichnen ist, kann eine rechtzeitige Abfuhr vor Ausflug der sich im Holz entwickelnden nächsten Käfergeneration vermutlich nicht immer gewährleistet werden. Daher wird vonseiten der unteren Forstbehörde und der kommunalen Holzverkaufsstelle am Landratsamt dringendst empfohlen, ausschließlich Bäume aufzuarbeiten und zum Holzverkauf bereitzustellen, bei denen die Borkenkäfer noch nicht ausgeflogen sind. Durch dieses Vorgehen werden die Abfuhr und Vermarktungskapazitäten sinnvoll konzentriert. Bäume, bei denen der Käfer bereits ausgeflogen ist – beispielsweise sichtbar durch abfallende Rinde – sollten erst wieder nach Abbau des momentanen Holzüberangebotes geerntet werden. Dies ist auch ökologisch sinnvoll, da bereits vorhandene Feinde der Borkenkäfer (andere Insekten, Pilze) ihre Entwicklung noch abschließen können.
Als letztes Mittel, wenn alle andere Maßnahmen nicht mehr greifen, ist die Vor-Ausflug-Spritzung der Käferholz-Polter mit hierfür zugelassenen Pflanzenschutz-Mitteln unter Beachtung der Ausbringungsvorschriften möglich.

Fragen zum Borkenkäfermanagement beantworten die Revierleitungen oder die Mitarbeitenden der unteren Forstbehörde beim Landratsamt Heidenheim unter Tel. 07321/321-1371.