Montag, 5. August 2019

Pflegeberatung: Hilfspakete für den Alltag

Seit mehr als acht Jahren ist der Pflegestützpunkt des Landkreises Heidenheim eine erste Anlaufstelle für pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige, an der neutral, umfassend und kostenlos über das Thema Pflege beraten wird.
Am Pflegestützpunkt des Landkreises Heidenheim treffen Ratsuchende seit einigen Monaten auf eine neue Mitarbeiterin: Eleonore Flickinger berät und informiert seit März im Team mit der langjährigen Pflegestützpunkt-Fachkraft Christel Krell Betroffene und Angehörige rund um die komplexen Themen Pflege und Pflegebedürftigkeit. Für die 55-Jährige keine neue Materie: Die gelernte Pflegekraft mit einer Qualifizierung als Pflegedienstleiterin und einer Weiterbildung zur Pflegeberaterin hat über 30 Jahre lang in stationären Einrichtungen beziehungsweise bei ambulanten Dienstleistern gearbeitet. Zur Seite steht sie Christel Krell, die den Pflegestützpunkt im Landratsamt Heidenheim mit aufgebaut hat. Die ebenfalls 55-jährige Diplom-Sozialpädagogin und qualifizierte Pflegeberaterin hat bereits jede Menge Erfahrung in der Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen. „Die meisten Menschen wollen so lange wie möglich Zuhause leben, wir helfen dabei, dass diesem Wunsch bestmöglich nachgekommen werden kann“, erklärt Christel Krell. Schwerpunkt der Beratungen sei dementsprechend die Organisation der häuslichen Versorgung und Betreuung, ergänzt Eleonore Flickinger. Im Mittelpunkt stehen hierbei natürlich die Betroffenen, im Blick haben die Stützpunkt-Mitarbeiterinnen aber auch die Angehörigen. „Unser Ziel ist es auch, einen Weg aus Überlastungssituationen zu finden und das richtige Hilfepaket für den Alltag zu schnüren“, betont Christel Krell. Dazu gehört beispielsweise, einen Durchblick im „Dschungel der Pflegeversicherung“ zu verschaffen, bei der Suche nach ambulanten Pflegediensten oder Entlastungsangeboten wie zum Beispiel Essen auf Rädern, Tagespflege, Nachbarschafts- oder Haushaltshilfe zu unterstützen oder aber Tipps für die altersgerechte Umgestaltung einer Wohnung oder eines Hauses zu geben. Speziell zu letzterem Thema werde im Landratsamt in Kooperation mit dem Kreisseniorenrat eine Wohnberatung angeboten. „Oftmals haben die Ratsuchenden noch gar keine direkte Frage, sondern fühlen sich einfach überlastet – wir erklären dann, welche Möglichkeiten der Entlastung es überhaupt gibt, wie diese umgesetzt werden können und übernehmen dabei die Lotsenfunktion“, so Eleonore Flickinger. Eine Herausforderung sei es häufig, die individuellen Wünsche der Betroffenen mit Entlastungsleistungen für Angehörige in Einklang zu bringen. „Wir sehen es auch als eine unserer Aufgaben, die Betroffenen zu motivieren, Hilfe anzunehmen“, so Christel Krell.
Die Unterstützung des Pflegestützpunktes, der Beratung im Landratsamt Heidenheim beziehungsweise bei Sprechstunden in Giengen und Niederstotzingen, telefonisch oder bei Hausbesuchen anbietet, wird sehr gut angenommen – in den vergangenen acht Jahren sind die Zahlen kontinuierlich angestiegen. Aktuell finden monatlich rund 200 Gespräche statt. „Momentan spüren wir zudem die beginnende Ferienzeit: Die insgesamt schon relativ knappen Kurzzeitpflegeplätze werden verstärkt nachgefragt“, berichtet Christel Krell.
Zumeist wird das Beratungsangebot des Stützpunktes von Angehörigen angenommen, die ein pflegebedürftiges Familienmitglied im Senioren-Alter haben. Situationen, in denen häufig möglichst schnell Hilfe gebraucht wird. „Oft kommen die Angehörigen, wenn’s brennt, uns ist es aber auch wichtig präventiv zu informieren“, betont Christel Krell. Deshalb bietet der Pflegestützpunkt neben der persönlichen Beratung regelmäßig Infoveranstaltungen. In diesem Jahr veranstaltet er im September und Oktober erneut eine mehrteilige kostenfreie Vortragsreihe zum Thema „Zuhause leben – Zuhause pflegen“ – eine Reihe, die in den vergangenen Jahren schon mit sehr guter Resonanz veranstaltet wurde. Dabei werden immer die Themen aufgegriffen, die in der täglichen Beratungsarbeit aktuell am meisten beschäftigen: Derzeit sind das Leistungen der Pflegeversicherung, Demenz, Hilfe zur Pflege, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, Erben und Vererben sowie Schwerbehindertenausweis. „Uns geht es darum, zu informieren, wie man vorsorgen kann und natürlich, wo man sich im Fall der Fälle hinwenden kann“, erklärt Christel Krell. Deshalb bieten die Stützpunkt-Mitarbeiterinnen auch gerne ganzjährig Infoveranstaltungen etwa bei Vereinen oder Verbänden an, ergänzt Eleonore Flickinger. „Es ist uns wichtig die Menschen zu motivieren, sich mit dem Thema Pflegebedürftigkeit zu beschäftigen und manche Themen selbst in die Hand zu nehmen und vorab zu organisieren.“

Info: Die Mitarbeiterinnen des Pflegestützpunktes im Landkreis Heidenheim sind telefonisch unter 07321/321-2424 oder 07321/321-2473 zu den Sprechzeiten zu erreichen. Diese sind Montag bis Freitag von 8.30 bis 11.30 Uhr, montags zusätzlich von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 14 bis 17.30 Uhr. Zusätzlich jeden 2. Donnerstag in der Außenstelle im Rathaus Giengen, Marktstraße 11, von 9 bis 11.30 Uhr; der nächste Termin in Giengen findet am 15. August 2019 statt. Immer am ersten Mittwoch im Monat findet zudem ein Sprechtag in Niederstotzingen, ebenfalls von 9 bis 11.30 Uhr statt; der nächste Termin ist am 7. August 2019. Um Anmeldung wird gebeten. Neben den regulären Öffnungszeiten des Pflegestützpunktes können auch Termine außerhalb der Sprechzeiten vereinbart werden. Die nächste Vortragsreihe des Pflegestützpunktes zum Thema „Zuhause leben – Zuhause pflegen“ startet am 24. September 2019: Holger Uhlig, Leiter des CompetenceCenters Pflege der AOK, referiert über die Leistungen der Pflegeversicherung. Am 26. September 2019 vermittelt Alexandra Werkmann, Projekt Demenz in Ulm, grundlegendes Wissen über Demenz und geht unter anderem der Frage nach, wie ein wertschätzender Umgang mit demenzkranken Menschen gelingen kann. Was passiert, wenn das Geld nicht ausreicht: Über die ambulanten und stationären Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch berichtet am 1. Oktober 2019 Nadine Maier, Teamleiterin Hilfe zur Pflege. Am 8. Oktober 2019 referiert Stefan Kauffmann, Geschäftsführer Betreuungsverein Heidenheim alles über Vorsorgevollmachten, Betreuung und Patientenverfügung. Am 9. Oktober 2019 folgt ein Vortrag zum Thema Erben und Vererben mit Rechtsanwalt Jörg Rapp, Fachanwalt für Steuerrecht Testamentsvollstrecker und Nachlasspfleger. Den Abschluss der Vortragsreihe machen am 17. Oktober 2019 Sabine Fürst-Berger, Leiterin des Geschäftsbereichs Schwerbehindertenrecht, und Beatrix Lippold, Sachbearbeiterin im Schwerbehindertenrecht, zum Thema „Alles rund um den Schwerbehindertenausweis“. Die Veranstaltungen sind kostenfrei und beginnen jeweils um 18 Uhr im Landratsamt Heidenheim (B 004/005), Felsenstraße 36, 89518 Heidenheim. Die einzelnen Vorträge können als Weiterbildungsveranstaltungen beispielsweise für Ehrenamtliche in der Nachbarschaftshilfe anerkannt werden, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.


Team des Pflegestützpunktes im Landkreis Heidenheim: Christel Krell (links) und Eleonore Flickinger. Foto: Landratsamt Heidenheim