Donnerstag, 15. August 2019

Jobwahl hautnah     

Zum zweiten Mal bieten der Stabsbereich Migration und Ehrenamt im Landratsamt Heidenheim und die Kontaktstelle Frau und Beruf Heidenheim ab September eine Veranstaltungsreihe zur Orientierung in der Arbeitswelt für Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung.  

„Für die Frauen mit Flucht- oder Migrationshintergrund ist der Schritt in die Arbeitswelt gleichzeitig ein wichtiger Schritt, um in der Gesellschaft Fuß zu fassen und somit letztlich auch in die Selbstständigkeit“, so Verena Weiler, Teamleiterin Integration und Ehrenamt im Stabsbereich Migration und Ehrenamt. Mit einer im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Kontaktstelle Frau und Beruf Heidenheim speziell für den Landkreis konzipierten Veranstaltungsreihe für Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung soll eben dieser Weg in den Beruf aufgezeigt und unterstützt werden. Dieses Jahr findet die Reihe zum zweiten Mal statt.
Verena Weiler und ihr Kollege Frank Neubert, Bildungskoordinator für Neuzugewanderte des Landkreises Heidenheim, bringen in das Projekt ihre Erfahrungen in der Integrationsarbeit ein, die Mitarbeiterinnen der Kontaktstelle Frau und Beruf Heidenheim ihr Knowhow in der Beratungsarbeit und die Kontakte zu Arbeitgebern. Eine Kombination, die gut ankommt, wie der erste Durchlauf im vergangenen Jahr gezeigt hat. Fast 30 Frauen haben verschiedene Berufe ganz praktisch erlebt: vor Ort und im Gespräch mit Auszubildenden und Ausbildern. Auch in diesem Jahr werden die Besuche am Arbeitsplatz im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe stehen. Gastronomie, Altenpflege, Gebäudereinigung – die Berufe sind mit Bedacht ausgewählt. „Wir haben Berufe genommen, in denen es einen realistischen Bedarf im Landkreis gibt, und auch sprachliche Aspekte mit einbezogen“, so Kontaktstellen-Leiterin Annette Rosenkranz. Viele Frauen hätten schon einfache und auch gute Sprachkenntnisse, aber noch kein fortgeschrittenes Niveau – die Arbeitsplatzbesuche seien dann zugleich Motivation, hier weiter zu lernen.
Um den Teilnehmerinnen möglichst praxisnahe Einblicke in die Berufe zu bieten, bekommen sie in einem Unternehmen oder einer Einrichtung Infos aus erster Hand – eben auch von Frauen, die diesen Job bereits machen. Ergänzend gibt es dieses Mal einen Termin zum Thema „Arbeiten über eine Zeitarbeitsfirma“. Zum Start der Reihe findet am 18. September eine Infoveranstaltung statt, in der die einzelnen Vorort-Termine und Inhalte vorgestellt werden.
„Für uns ist es wichtig, Wege aufzuzeigen“, betont Kontaktstellen-Mitarbeiterin Susanne Walter. Zum einen in die Arbeitswelt direkt, aber bei Bedarf auch in die weitere Beratung bei der Kontaktstelle oder beispielsweise in das Mentorinnen-Programm für Frauen mit Migrationshintergrund. „In diesem Programm haben die Frauen eine Mentorin als direkte Ansprechpartnerin, von der sie gezielt und ganz individuell unterstützt werden“, erklärt Karin Niederführ, die das Mentorinnenprogramm bei der Kontaktstelle betreut.
Dass der Weg in den Beruf für viele Frauen alles andere als einfach ist, wissen die Projektkoordinatoren allesamt. Eine Herausforderung ist dabei – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – die Kinderbetreuung, die oftmals in der Flexibilität einschränkt. „Hier suchen wir gemeinsam mit den Frauen nach Lösungen“, erklärt Annette Rosenkranz. Ab und an gehöre dazu auch, Vertrauen zu schaffen, denn für manche Frauen aus anderen Ländern sei es völlig ungewohnt die Kinder schon früh in die Betreuung außerhalb der Familie zu geben. „Zudem reden wir mit Arbeitgebern. Gerade wo es einen Bedarf gibt, gibt es oft auch die Bereitschaft Müttern bei der Arbeitszeitgestaltung entgegen zu kommen“, so die Kontaktstellenleiterin. Sie bittet die Arbeitgeber zugleich um „ein paar Vorschusslorbeeren“ für die Frauen: „Die Frauen, die wir erleben, wollen arbeiten, aber den Arbeitgebern muss klar sein, dass sie nicht immer sofort die perfekt Deutsch sprechende Mitarbeiterin bekommen.“
Zur Förderung der Sprache ebenso wie zum Austausch wird für die Teilnehmerinnen der Veranstaltungsreihe ein Gesprächscafé angeboten. Ein Format, das die Kontaktstelle gemeinsam mit Integrationsmanagern in den Kommunen auch außerhalb der Veranstaltungsreihe anbietet und das sich bereits bewährt hat. „Die Frauen motivieren ihr eigenes Netzwerk, unsere Angebote zu nutzen – viel läuft hier über Mund-zu-Mund-Propaganda und wir freuen uns über das uns entgegengebrachte Vertrauen“, ergänzt Anette Rosenkranz.
Ebenfalls neuer Bestandteil der Veranstaltungsreihe für Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung ist das Angebot gemeinsamer Messebesuche, etwa zur nächsten Ausbildungsmesse in Heidenheim. „Jede Frau hat durch die Teilnahme an einem oder mehreren Angeboten die Möglichkeit, etwas für sich mitzunehmen, Einblicke und natürlich Erfahrungen aber auch jede Menge Infos zu Jobs und den Wegen, die in den Job führen“, so Verena Weiler.

Info: Die Kontaktstelle Frau und Beruf Heidenheim – vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau gefördert und mit Mitteln der Landkreises Heidenheim finanziert – arbeitet gemeinsam mit dem Team Integration im Stabsbereich Migration und Ehrenamt auch daran, Frauen Praktika zu vermitteln. Arbeitgeber, die Praktikumsplätze anbieten, können sich bei der Kontaktstelle Frau und Beruf, Tel. 07321/321-2558 oder Mail an frau-und-beruf@landkreis-heidenheim.de, melden.
Weitere Infos zur im September startenden Veranstaltungsreihe für Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung gibt es beim Stabsbereich Migration und Ehrenamt, Telefon 07321/60967-0, ehrenamt@landkreis-heidenheim.de, sowie bei der Kontaktstelle Frau und Beruf Heidenheim. Eine genaue Terminübersicht gibt es hier.

Karin Niederführ (von links), Annette Rosenkranz, Susanne Walter (alle Kontaktstelle Frau und Beruf Heidenheim) und Verena Weiler (Stabsbereich Migration und Ehrenamt) bieten Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung Orientierung in der Arbeitswelt. Foto: Landratsamt Heidenheim