Dienstag, 20. August 2019

Freizeit- und Tourismusentwicklung im Landkreis Heidenheim: Qualitätsprodukte und Profilbildung

     

In den vergangenen Jahren wurde im Landkreis Heidenheim eine ganze Reihe von neuen touristischen Angeboten geschaffen. Basis hierfür war ein von der Touristischen Arbeitsgemeinschaft des Landkreises Heidenheim unter Leitung der Tourismusbeauftragten Monika Suckut erarbeitetes und 2009 vom Kreistag beschlossenes Konzept zur Freizeit- und Tourismusentwicklung, in welchem nicht nur Schwerpunkte festgelegt, sondern auch Profilthemen ausgearbeitet worden waren.
„Nach einer gewissen Findungsphase war ein eigenes Entwicklungskonzept, das sich an den damals neu erarbeiteten Konzepten des Landes und unseres Dachverbands Schwäbische Alb Tourismus orientierte, für unsere zukünftige Arbeit wichtig. Damit wurde die Landkreisverwaltung nicht nur offiziell mit dem Management zur Freizeit- und Tourismusentwicklung beauftragt, sondern wir, also die Touristische Arbeitsgemeinschaft mit allen Kommunen und Leistungsträgern, konnten im Rahmen der festgelegten Ziele und Maßnahmen eine klare strategische Richtung verfolgen“, so Monika Suckut zur Ausgangslage vor zehn Jahren.
Seitdem hat sich viel getan. Entsprechend der beschlossenen Priorisierung wurden die Trendthemen Radfahren, Wandern sowie das den Landkreis prägende Thema Geologie, Archäologie und Geschichte insbesondere für spezielle Zielgruppen angegangen.

Ausgezeichnete Wege für Radler und Wanderer
Zu den neu entwickelten Angeboten rund ums Radfahren und Wandern zählen unter anderem der Albschäferweg und der Albtäler-Radweg – zwei Touren, die höchsten Qualitätsstandards entsprechen. „Hier konnten wir auf vorhandene Infrastruktur aufbauen, diese qualitativ aufwerten und weiter ausbauen und vernetzen. Zudem wurde ein Marketingkonzept entwickelt und die vorhandenen Beschilderungskonzepte umgesetzt sowie ein Pflegemanagement aufgebaut“, so Monika Suckut, die betont, dass mit der Schaffung dieser Qualitätsprodukte nun auch eine überregionale Vermarktung über den Tourismusverband Schwäbische Alb erfolgen kann.
Der 186 Kilometer lange Albtäler-Radweg ist der erste Qualitäts-Radweg auf der Schwäbischen Alb, der es im Jahr seiner Eröffnung 2012 gleich zu einer Auszeichnung mit 4 Sternen durch den ADFC geschafft hatte und bereits zweimal als radtouristisch besonders wertvoll rezertifiziert wurde. Erarbeitet wurde die Rundtour, auf der in drei Tagen acht Täler des UNESCO-Geoparks Schwäbische Alb erlebbar werden, in Zusammenarbeit mit den Touristikern aus dem Alb-Donau-Kreis und dem Landkreis Göppingen mit Unterstützung der örtlichen Vertreter des ADFC. Bei der anhand der Übernachtungsbilanz ersichtlichen stetig zunehmenden Zahl der Radler punktet der Radweg nicht nur durch seine Servicequalität von der gut ausgebauten Infrastruktur und Beschilderung bis zu entsprechenden Angeboten wie E-Bike-Ladestationen. Sondern auch durch die abwechslungsreiche Wegstrecke, die etwa im Lonetal durch die UNESCO-Welterberegion „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ führt.
Der Albschäferweg, das Qualitätsprodukt im Wanderthema, führt Wanderer auf 158 Kilometern als Rundtour mit zehn Etappen durch die Heidenheimer Brenzregion. Zehn angeschlossene Rundwanderwege, die sogenannten Zeitspuren, sind bestens für einen Tages- oder Wochenendausflug geeignet. Um die Bedeutung der Wanderschäferei vor Ort herauszustellen wurde der durch den Deutschen Wanderverband als Qualitätsweg ausgezeichnete Fernwanderweg der im Kreis Heidenheim traditionsreichen Schäferei gewidmet.

Profilbildung: Geologie, Archäologie und Geschichte
Wichtig war in Zusammenhang mit der Tourismusentwicklung zudem, die den Kreis prägenden Themen verstärkt aufzunehmen und zu vernetzen. „Urmeererlebnis Gerstetter Alb, Naturwelt Meteorkrater in Steinheim, HöhlenErlebnisWelt rund um die Charlottenhöhle Giengen-Hürben, weltbekannte Eiszeitfunde am Vogelherd im Lonetal, kulturgeschichtlich bedeutsame Schlösser und Burgen wie die Burg Katzenstein, Zeugnisse der frühen Eisenindustrie am Brenzursprung in Königsbronn, Erlebnismuseum Steiff in Giengen – die Vielfalt der Angebote ist enorm. Die galt es verstärkt herauszustellen“, so Monika Suckut. „In den vergangenen Jahren haben wir deshalb an der Vernetzung von Angeboten gearbeitet, um so eine Zeitreise durch die vergangenen 250 Millionen Jahre Erd- und Kulturgeschichte ermöglichen zu können.“ Geschichte wird auch anhand von Geschichten erlebbar: Die Ausbildung von Natur- und Landschaftsführern, die mittlerweile seit zehn Jahren als „Alb-Guides Östliche Alb“ Gäste durch die Ur- und Eiszeitregion führen, zählten deshalb ebenso zu den Maßnahmen wie die Etablierung von gruppengeeigneten Programmen und die Qualifizierung von Busbegleitern.
Geförderter Naturtourismus: lernen und erleben an der Brenz

Ein weiteres Thema kam 2017 dazu: „Durch die Renaturierung der Brenz in den Jahren 2010 bis 2014 wurde die Brenz an vielen Stellen wieder zugänglich und es kam automatisch zu einem stärkeren Naturtourismus. In diesem Zusammenhang entstanden aber auch Nutzungskonflikte“, erklärt Monika Suckut. „Unser Ziel war es, die Nutzungskonflikte an den unter Natur- bzw. Landschaftsschutz stehenden Stellen an der Brenz über strategische unter
naturschutzfachlichen Aspekten entwickelte Angebote zu minimieren.“ Im länderübergreifenden Projekt „Lebendige Brenz – Leben und Lernen am Fluss“ entstanden in den Folgejahren in den württembergischen und bayerischen Orten entlang der 52 Kilometer langen Brenz Erlebnisplätze und Lernorte, die gerade von Familien sehr gerne genutzt werden. Ausgebildete Gewässerführer informieren darüber hinaus über Renaturierungsmaßnahmen, ökologische und wasserwirtschaftliche Aspekte sowie geschichtliche Hintergründe. „Die Brenz ist unter Berücksichtigung naturschutzrechtlicher Belange zum wahren Flusserlebnis geworden, was den bereits beliebten Brenz-Radweg und auch den Albschäferweg erheblich aufwertet“, freut sich die Tourismusbeauftragte, die mit ihrem Team und vielen Partnern zudem einmal jährlich einen Brenz-Erlebnistag mit zahlreichen Aktionen entlang des 52 Kilometer langen Flusses auf die Beine stellt.

Alle für eins: Starkes Team für die Welterberegion
Weitere besonders wichtige Themen sind die UNESCO-Gebiete Geopark Schwäbische Alb und die Welterberegion „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ im Lone- und Achtal, zu der im Landkreis Heidenheim die Vogelherdhöhle zählt. „Die Themen Geologie und Archäologie sind für uns schon lange bedeutende Profilthemen mit herausragenden Angeboten wie beispielsweise der HöhlenErlebnisWelt in Giengen-Hürben, der Erlebniswelt Meteorkrater in Steinheim, dem Urmeererlebnis auf der Gerstetter Alb und dem 2013 eröffneten Archäopark Vogelherd, der die Vogelherdhöhle umgibt und in dem Originalfunde wie das Mammut vom Vogelherd ausgestellt sind“, erklärt die Tourismusbeauftragte. Mit der Anerkennung der sechs Höhlen im Ach- und Lonetal als UNESCO-Welterbe habe dieses Thema natürlich nochmal an Bedeutung gewonnen. „Eine Herausforderung, die nur gemeinsam gestemmt werden kann, weshalb von Alb-Donau-Kreis, Stadt Ulm und Landkreis Heidenheim eine Arbeitsgemeinschaft gegründet und zwischenzeitlich die Geschäftsstelle Weltkultursprung eingerichtet wurde“, so Monika Suckut. Ein wichtiger ehrenamtlicher Partner sei hier der Förderverein Eiszeitkunst im Lonetal, dessen Geschäftsstelle im Landratsamt Heidenheim angesiedelt ist. Im Tourismusbereich des Landratsamtes Heidenheim wird insgesamt seit geraumer Zeit mehr Woman-Power in die UNESCO-Themen gesteckt. So werden im Haus von der Themenmanagerin Larissa Graf beispielsweise die jährlich stattfindenden Geoparkwochen koordiniert und Gruppenangebote kreiert sowie Marketingberatung für die Kommunen angeboten.
Dass die intensive Weiterentwicklung der Tourismusarbeit im Landkreis Heidenheim in den vergangenen zehn Jahren, stetig unterstützt von der Hausspitze des Landratsamtes und des Kreistags, positive Auswirkungen hat, zeigt sich in vielen Bereichen: „Heute ist der Kreis mit seinen vielfältigen Angeboten, die alle Trendthemen bedienen und auf Qualität setzen, in der Reisedestination Schwäbischen Alb nicht mehr wegzudenken. Auch die Gastgeber melden einen spürbaren Anstieg von Feriengästen, Radfahrern und Wanderern und investieren in mehr authentische Erlebnisqualität“, so Monika Suckut, die zudem den Mehrwert für die Landkreisbewohnerinnen und -bewohner selbst hervorhebt. „Auch wenn die Wertschöpfung der Tourismusentwicklung schwer messbar ist, hat sie unumstritten der einheimischen Bevölkerung zu mehr Freizeitangeboten und Lebensqualität verholfen und ist als weicher Standortfaktor natürlich auch für die Wirtschaftsförderung von Bedeutung.“

Tourismus-Homepage: Tipps, Themen und Tourenportal
Weitere Informationen zu all diesen und vielen weiteren Tourismus- und Freizeitangeboten im Landkreis Heidenheim gibt es im Internet unter www.heidenheimer-brenzregion.de. Die Internetseite ist ebenfalls ein Projekt, das auf Basis des 2009 vom Kreistag beschlossenen Konzepts zur Freizeit- und Tourismusentwicklung umgesetzt wurde, um die touristischen Angebote besser zu vernetzen und gemeinsam zu vermarkten. Seit 2018 präsentiert sich die Heidenheimer Brenzregion zudem auf Facebook.