Freitag, 22. November 2019

Gedenktag gegen Gewalt an Mädchen und Frauen: Aktionen auch im Kreis Heidenheim

     

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November 2019 finden im Landkreis Heidenheim wieder zahlreiche Aktionen statt.

Am Gedenktag selbst werden auch in diesem Jahr wieder vor vielen Rathäusern, dem Landratsamt und anderen öffentlichen Einrichtungen Fahnen als Zeichen gegen Gewalt an Mädchen und Frauen gehisst. Terre des Femmes und die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Susanne Dandl wollen mit diesen Fahnen ein weithin sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen setzen und der Frauen gedenken, die ihr zum Opfer fielen. Mit der Mädchenkampagne stellt Terre des Femmes in diesem und im folgenden Jahr den Schutz von Mädchen in den Fokus. Denn es sind besonders Mädchen, die von Frühehen, Genitalverstümmelung, Mädchenhandel, Zwangsprostitution, Zwangsverheiratung und sexualisierter Gewalt betroffen sind. Den Schwerpunkt in diesem Jahr bildet das Thema Prostitution und Mädchenhandel. Unter dem Titel #sexistunbezahlbar finden im Herbst viele Aktionen statt. Laut Terre des Femmes ist Prostitution in der weit überwiegenden Anzahl der Fälle kein selbstbestimmter, einvernehmlicher Sex, sondern bedeutet, dass Männer sich den Zugang zum Körper einer Frau erkaufen. Terre des Femmes fordert die Einführung eines Sexkaufverbots nach nordischem Modell in Deutschland.
Als Fortführung der Mädchenkampagne stehe die Prävention von Mädchenhandel auf der Agenda. Durch die sogenannte Loverboy-Methode werden Mädchen und junge Frauen zur Prostitution gezwungen. Loverboys seien Männer, die einem Mädchen oder einer jungen Frau eine Liebesbeziehung vorspielen. Die Kontaktaufnahme finde meist über das Internet statt, ähnlich wie beim Cybergrooming für Kinderpornografie oder sexuellen Missbrauch. Nachdem der Loverboy die Mädchen von Familie und Freunden isoliert und in die emotionale Abhängigkeit manipuliert hat, zwingt er sie dann in die Prostitution. Gefährdet seien dabei alle Mädchen die im Internet unterwegs sind. Das sei mittlerweile fast jede, weshalb Aufklärung so wichtig sei. Terre des Femmes prangert insbesondere auch die Lücken im Hilfesystem für diese minderjährigen Betroffenen von Menschenhandel an.
Für beide Themen hat Terre des Femmes Informationsflyer entwickelt. Diese liegen in den teilnehmenden Einrichtungen aus oder können bei der
Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Susanne Dandl unter Telefon 07321/321-2559 angefordert werden.

Wie schon im vergangenen Jahr nutzt Susanne Dandl den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen auch, um im Landkreis mit Plakaten auf das Hilfetelefon aufmerksam zu machen. Unter der Nummer 08000/116 016 erhalten Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche in zwischenzeitlich 17 Sprachen, in leichter Sprache und in Gebärdensprache kompetente, anonyme, kostenfreie und streng vertrauliche Beratung. Die Auswertung für das vergangene Jahr zeigt, dass etwa 96 Prozent der betroffenen Personen Frauen und etwa 3 Prozent Männer waren, 1 Prozent der Hilfesuchenden bezeichnete sich selbst als transsexuell oder intersexuell.
Die Plakate werden ab nächster Woche für einen Monat in den Bussen der Heidenheimer Verkehrsgesellschaft HVG aushängen.

Als weitere Aktion hat die Gleichstellungsbeauftragte zusammen mit dem Arbeitskreis gegen Gewalt in Familie, Beruf und Öffentlichkeit die Taschentuchaktion initiiert. Viele Apotheken verteilen in der Woche ab dem 25. November Taschentuchpackungen mit dem Aufdruck „Von häuslicher Gewalt haben wir die Nase voll!“ und unterstützen damit die Verbreitung dieser Botschaft im Sinne eines Statements aber auch die Verbreitung von Informationen über die hier im Landkreis vorhandenen Hilfsangebote und das Hilfetelefon gegen Gewalt gegen Frauen. Menschen, die selbst nicht betroffen sind, sich aber möglicherweise um eine Freundin oder einen Freund sorgen und befürchten, sie oder er könnte von häuslicher Gewalt betroffen sein, können die Taschentücher an diese Person weitergeben.

Viele Apotheken verteilen in der Woche ab dem 25. November Taschentuchpackungen und unterstützen damit die Verbreitung von Informationen über die hier im Landkreis vorhandenen Hilfsangebote und das Hilfetelefon gegen Gewalt gegen Frauen.