Dienstag, 29. Oktober 2013

Aufgepasst: Ab Montag sind wieder die Kleinsten unterwegs!

Stolz machen sich ab Montag die Jüngsten erstmals auf den Weg zur Schule.

Nun sind die Kleinen gefordert - und noch mehr die Großen. Denn die ABC-Schützen sind Anfänger im Straßenverkehr und deshalb gilt es, besondere Vorsicht walten zu lassen!

„Die 864 Erstklässler im Landkreis Heidenheim, die sich dieses Jahr zum ersten Mal auf den Weg zur Schule machen, sind noch unerfahren im Straßenverkehr. Unsere Aufgabe ist es, besonders aufmerksam zu sein und gleichzeitig eine Vorbildfunktion einzunehmen“, betont Landrat Thomas Reinhardt.

Eine Mahnung, die angesichts der steigenden Unfallzahlen von Kindern im vergangenen Jahr noch mehr Bedeutung gewinnt. So wurden 2012 im Landkreis Heidenheim bei 48 Unfällen elf Kinder unter 14 Jahre schwer und 31 leicht verletzt - 2011 waren es sechs Unfälle weniger. 22 Unfälle verschuldeten die Kinder im vergangenen Jahr als Fußgänger oder Radfahrer selbst. Bei drei Schulwegunfällen wurde ein Schüler schwer und zehn Schülerinnen und Schüler wurden leicht verletzt. Allein neun davon saßen in zwei Linienbussen, zwischen denen es zu einem Auffahrunfall gekommen war.

Um das Risiko für die jungen Neulinge im Straßenverkehr zu minimieren, hier einige Tipps des Landratsamtes Heidenheim sowie der Heidenheimer Polizei für einen unfallfreien Schulanfang:

Weg zur Schule: In der Schule oder im Rathaus ihrer Heimatgemeinde erhalten Eltern einen Schulwegplan mit empfohlenen Wegen zur Schule. Darin werden Problemstellen und Möglichkeiten zur Umgehung von Gefahren aufgezeigt. Gerade wenn es morgens noch dämmerig ist, sollten die Kinder helle und reflektierende Kleidung und Ausrüstung tragen, damit Autofahrer und andere Fahrzeugführer sie besser erkennen können.

Schulwegtraining: Um die Schulanfänger auf den Schulweg vorzubereiten, sollten die Eltern den ganzen Weg und besonders die markanten Stellen wie Ampeln, Kreuzungen oder Zebrastreifen mit den Kindern abgehen. Dabei gilt: Nicht der kürzeste, sondern der sicherste Schulweg ist der beste. Auch eine kleine Verfolgungstour kann in den ersten Tagen, an denen die Kinder allein unterwegs sind, nicht schaden. Eine weitere Möglichkeit ist, dass verschiedene Eltern die Kinder abwechselnd begleiten.

Überqueren der Straße: Eltern sollten das Überqueren der Straße mit ihren Kindern üben und zeigen, dass manchmal längere Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen bis ganz sicher ist, dass kein Auto kommt. Vor dem Überqueren sollte das Kind zunächst am Bordstein stehen bleiben. Auch am Zebrastreifen oder an der Ampel ist es wichtig, dass das Kind aufmerksam nach links, nach rechts und wieder nach links schaut. An der Ampel darf erst über die Straße gegangen werden, wenn diese für die Kinder grün zeigt und die Autofahrer warten. Am Zebrastreifen sollte das Kind eine Hand ausstrecken, damit die Autofahrer es besser erkennen können. Auch hier soll das Kind erst gehen, wenn die Fahrzeuge tatsächlich stehen.

Verhalten an Bushaltestellen: Wenn der Bus heranfährt, müssen die Kinder besonders aufmerksam sein - drängeln, schubsen und raufen ist sehr gefährlich und deshalb tabu. Sehr wichtig ist auch, dass die Kinder einen Abstand zum Fahrbahnrand einhalten. Im Bus sollen sich die Kinder möglichst schnell hinsetzen. Nach dem Aussteigen soll die Fahrbahn erst dann überquert werden, wenn der Bus die Haltestelle wieder verlassen hat. Wichtig: Nie vor dem noch stehenden Bus über die Straße gehen! Auch Autofahrer müssen an Bushaltestellen besonders vorsichtig sein, wenn dort Kinder warten beziehungsweise ein- oder aussteigen. Hier schreibt die Straßenverkehrsordnung langsames und bremsbereites Fahren vor. Beim Annähern des Busses an die Haltestelle mit Warnblinklicht darf nicht überholt werden. Wenn der Bus mit Warnblinklicht an der Haltestelle steht, darf maximal mit Schrittgeschwindigkeit (in beiden Fahrtrichtungen) vorbeigefahren werden.

Verhalten vor der Schule: Die Kinder sollen nicht aus der Schule auf die Straße stürmen. Besonders gefährlich sind Fangen spielen auf dem Gehweg beziehungsweise neben der Fahrbahn. Auch Fahrer von Autos und anderen Fahrzeugen sind hier gefordert und müssen gut aufpassen. Nach Ansicht der Verkehrsexperten der Heidenheimer Polizei sind auch erlaubte 30 km/h zu schnell, wenn die Fahrsituation plötzlich eine schnelle Reaktion erfordert. Ein besonderer Hinweis gilt den Fahrern der „Elterntaxis“: Sie dürfen nicht auf Geh- oder Radwegen parken, Halteverbote sind einzuhalten! Gerade die Eltern sollten bedenken, dass sie beim „wilden“ Parken oder Halten vor der Schule die Sicht der Autofahrer auf die Kinder und die Sicht der Kinder auf die fahrenden Autos in gefährlicher Weise einschränken.

Fahrten im Auto: Kinder sollten immer zur Gehwegseite hin ein- und aussteigen und müssen bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, wenn sie kleiner als 150 cm sind, immer in einem dem Alter entsprechenden Kindersitz mitfahren. In besonderem Maße wird die Gefahr für Kinder als Mitfahrer in Fahrzeugen laut den Experten der Heidenheimer Polizei von den Eltern unterschätzt: Bei einem Aufprall mit Tempo 50 „wiegt“ jeder Insasse kurzzeitig das 30-fache seines Körpergewichts. Ein ca. 30 kg schweres Kind wird ungesichert zum „Geschoss“ von bis zu 900 kg! Ohne Kindersitz entspricht ein Aufprall mit 50 km/h einem Sturz aus dem 3. Stock auf Beton, ohne Kindersitz kann ein Aufprall mit 15 km/h für Kinder bereits tödlich sein, ohne Kindersitz haben Kinder ein siebenfach höheres Risiko tödlicher oder schwerster Unfallverletzungen.

Fahrten mit dem Rad: Kindern fehlt mindestens bis zu einem Alter von acht Jahren das notwendige Gefahrenbewusstsein, weshalb sie vorher nie ohne Begleitung eines Erziehungsberechtigten mit dem Fahrrad im Straßenverkehr unterwegs sein sollten. Ein Kind sollte erst nach dem erfolgreichen Ablegen der Radfahrausbildung mit einem verkehrssicher ausgestatteten Rad zur Schule fahren. Zudem wird dringend empfohlen, einen Fahrradhelm aufzusetzen.

Die Polizei setzt zur Sicherheit der Schulanfänger auch auf eine verstärkte Schulwegüberwachung. Schwerpunkte werden dabei Geschwindigkeitskontrollen, die Überwachung der Gurtanlege- und Kindersicherungspflicht sowie des Verhaltens von Fahrern gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulbussen, an Bushaltestellen sowie an Fußgängerfurten und Fußgängerüberwegen sein. Besonders im Blick hat die Polizei zudem Verstöße gegen Park- oder Haltverbote insbesondere durch sogenannte „Elterntaxis“ und die Nutzung von Mobiltelefonen während des Fahrens im engen Umfeld von Schulen, Kindergärten oder geschützten Überwegen sowie das Schülerverhalten auf den Schul- und Radwegen. Darüber hinaus wird verstärkt die technische Sicherheit öffentlicher Verkehrsmittel sowie von Fahrrädern und besonderen Fortbewegungsmitteln (z.B. Cityroller, Kickboards, Skateboards, Inlineskates etc.) überprüft.

Info: Hinweise für den Schulweg gibt es auch im Internet unter www.gib-acht-im-verkehr.de und auf der Homepage der Unfallforschung der Versicherer www.uvd.de.