Dienstag, 29. Oktober 2013

Gemeinsame Lösung für den Berufsschulstandort Heidenheim

Landkreis und Handwerk vereinbaren Eckpunkte für Berufliche Bildung

Der Schulstandort Heidenheim bleibt für Friseure und Anlagenmechaniker in den nächsten drei Jahren erhalten. Darauf einigten sich nun der Landkreis und das regionale Handwerk. Ausschlaggebend war insbesondere die positive Entwicklung der Schülerzahlen im Hinblick auf das nun begonnene Ausbildungsjahr – damit könnte ab September 2014 in der dualen Beschulung die Hürde der Kleinklassenschwelle (weniger als 16 Schüler) überwunden werden.

Im Prozess der Schulentwicklungsplanung für die Beruflichen Schulen des Landkreises Heidenheim wurden in den vergangenen Monaten mehrere Gesprächsrunden zwischen der Handwerkskammer Ulm, der Kreishandwerkerschaft und den beteiligten Handwerksinnungen in Heidenheim und dem Landkreis Heidenheim als Schulträger geführt. „Unser gemeinsames Ziel war es, eine wohnortnahe Beschulung von Jugendlichen zu gewährleisten. Das bleibt das Top-Argument für Jugendliche, eine duale Ausbildung zu beginnen“, betont Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Landkreis. „Dabei konnten und können wir natürlich vor dem demografischen Wandel ebenso wenig die Augen verschließen wie vor weiteren  Einflussfaktoren auf die regionale Schulentwicklung - sei es die Einführung der Werkreal- und der Gemeinschaftsschulen oder seit letztem Jahr der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung, dessen Auswirkungen uns an den Beruflichen Schulen erst noch treffen werden. Deshalb werden wir die weitere Entwicklung gemeinsam kritisch beobachten“, ergänzt Landrat Thomas Reinhardt.
 
Als Zwischenergebnis des gemeinsamen Prozesses zwischen Landkreis und Handwerk wurden nun mehrere Handlungspunkte klar definiert.
An erster Stelle steht die Weiterführung der Beschulung der Auszubildenden in den Berufen Friseur und Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik für die nächsten drei Jahre (bis zum Abschluss des Schuljahres 2015/2016) am Schulstandort Heidenheim. In diesem Zusammenhang verwies Landrat Reinhardt auch auf die zukünftigen Herausforderungen: „Wir vertrauen auf die Ausbildungsbereitschaft der Handwerksbetriebe und werden - vorbehaltlich erforderlicher Gremiumsbeschlüsse des Kreistags - weiterhin in die Qualität unserer Schulinfrastruktur investieren.“ Gemeinsam werden Landkreis und Handwerkskammer nun an das Land appellieren, den Unterricht am Standort Heidenheim mit der erforderlichen Personalausstattung fortzuführen.
 
Um das Schulprofil der Technischen Schule Heidenheim weiter auszubauen, sollen darüber hinaus Kompetenzzentren entwickelt und eingerichtet werden. Dies gilt insbesondere für die Bereiche Fertigungstechnik mit Automatisierungstechnik, Mechatronik, Modellbau, Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik und Produktgestaltung. In einem weiteren Kompetenzzentrum Berufsorientierung soll in enger Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer die Ausrichtung auf Realschulen und Gymnasien sowie berufliche Vollzeitschularten verstärkt werden, um die Schüler dieser Schularten für eine duale Ausbildung an einer Beruflichen Schule zu gewinnen.
„Mit der Bildung von Kompetenzzentren soll die Anpassung an den rasanten technologischen Fortschritt und Wandel gelingen, sowie ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in der Region und die erforderliche Grundlage für langfristige Investitionen geschaffen werden“, betont Reinhardt.

„Ich bin sehr erfreut, dass wir gemeinsam mit dem Handwerk eine Lösung für unsere Berufsschüler gefunden haben. Wir wollen die jungen Menschen nach besten Möglichkeiten hier in unserer Region ausbilden und sie damit natürlich auch binden. Die Beruflichen Schulen sind als Schmieden für Fachkräfte mit direktem Praxisbezug nicht zu ersetzen“, so Landrat Reinhardt. Vorausgegangen war der Lösung eine große Kraftanstrengung des regionalen Handwerks. Es konnte seine Nachwuchszahlen stabilisieren, betont Mehlich: „Wir haben im Landkreis noch große Potentiale, beispielsweise bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund oder auch bei Bildungskooperationen." Die Handwerkskammer habe für diese Nachwuchsgewinnung eigens zwei Mitarbeiterinnen in Heidenheim positioniert. Man sei guter Dinge, dass der Schulstandort auch nach einem erneuten Blick in 2015 mit normaler Klassenstärke gefahren werden kann.
 
  
Info:
Aktuell lernen 49 Friseure und 55 Anlagenmechaniker am Berufsschulstandort Heidenheim. Unter den rund 1.500 Handwerksbetrieben im Landkreis Heidenheim befinden sich 131 Friseurbetriebe und 81 Unternehmen im Installateur- und Heizungsbauer-Handwerk. Die Zahl der Betriebe in diesem Bereich ist seit fünf Jahren konstant.