Dienstag, 29. Oktober 2013

Breitband im Landkreis Heidenheim wird breiter

Planungsergebnis für eine Glasfaserkabelverlegung bis in jeden Ortsteil liegt vor - Nur 18 Kilometer neu zu bauen.

Das Modellprojekt „Zukunftsfähiges Breitband im Landkreis Heidenheim“ nimmt Gestalt an, die Ergebnisse für die Backboneplanung - das heißt die Planung eines Glasfaser-Hauptleitungsnetzes bis in jeden Ortsteil, das den größten Teil des Datenverkehrs trägt - liegen nun vor: Nach den Erhebungen der Firma GeoData müssten nur 18 Kilometer Glasfaserleitungen komplett neu verlegt werden, um ein ausfallsicheres zukunftsfähiges Breitbandnetz im ganzen Landkreis Heidenheim zu ermöglichen!

In den bislang nicht erschlossenen Bereichen können zudem 149 Kilometer vorhandene Glasfaserleitungen angemietet werden und für weitere 48 Kilometer können vorhandene Leerrohre genutzt werden. Die empfohlenen Lückenschlüsse müssten von Hermaringen nach Sontheim (ca. 5,2 Kilometer), von Auernheim nach Fleinheim (ca. 4,9 Kilometer), in Königsbronn (ca. 3,7 Kilometer) und von Sontheim am Albuch nach Steinheim am Albuch (ca. 2,8 Kilometer) erfolgen. Die Restlänge von 1,4 Kilometern setzt sich aus Kleinstrecken zusammen.

Insgesamt ein sehr gutes Ergebnis, wie die bundesweit tätige Firma GeoData bestätigte: „Wir sind selber überrascht, mit wie wenig Neubaumaßnahmen man im Landkreis Heidenheim auskommt“, so Planer Mario Brenner. Die notwendigen Neubaustrecken haben sich dabei im Projektverlauf von Beginn bis jetzt durch Informationsaustausch mehr als halbiert. Die Erstellungskosten für alle Lückenschlüsse werden auf 1,1 Mio. Euro beziffert, die auf die betroffenen Städte und Gemeinden bei der Umsetzung zukommen. Die Fördersumme würde sich nach geltenden Landes-Richtlinien auf ca. 480.000 Euro belaufen. In der Planung wurden von der Firma GeoData Hauptverteiler, Verteilerstandorte und deren Versorgungsbereiche, Ortsnetzbereiche, kommunale Leerrohrtrassen, Glasfaser- und Leerrohrtrassen von Versorgern und Netzbetreibern, Funk- und LTE-Standorte erfasst. Geplante Baumaßnahmen, bei denen Mitverlegungsoptionen bestehen, wurden ebenfalls erhoben. Alle bisherigen kommunalen Ausbaumaßnahmen waren bekannt und Planungsgrundlage.

Für alle Neubaustrecken hat die Firma GeoData neben einer detaillierten Trassenplanung Kostenschätzungen erstellt. Diesen Kostenschätzungen liegen Ortsbegehungen und die idealen Verlegetechniken zugrunde. Die Wünsche der Gemeinden wurden eingearbeitet. Berücksichtigt wurde zudem die Herstellung einer Ring- und Maschenstruktur zur Ausfallsicherheit.

Ziel ist es nun, beim Lückenschluss die neu geschaffenen Infrastrukturen der Städte und Gemeinden mit der schon vorhandenen Infrastruktur der Privatwirtschaft so zusammenzubringen, dass ein landkreisweites Breitband-Backbonenetz entsteht, das auch den künftigen Bedürfnissen an Breitband-Dienstleistungen gerecht wird. Ausfallsicherheit und Kosteneffizienz unter Nutzung aller Synergien spielen dabei eine wichtige Rolle.
Besondere Herausforderung im Landkreis Heidenheim ist aber nach wie vor, dass die Ausgangsvoraussetzungen in den einzelnen Städten und Gemeinden und deren Ortsteilen sehr unterschiedlich sind und es viele Breitbandanbieter gibt. Es ist kein Anbieter auf der Gesamtfläche präsent und es ist klar, dass wie bei der Sicherstellung der Grundversorgung (Datenraten >1MB, mittlerweile >2MB), auch bei der Versorgung mit einem NGA-Netz, also einem Hochleistungsnetz der nächsten Generation, aufeinander abgestimmte Anstrengungen aller Akteure nötig sind. Deshalb hat der Landkreis Heidenheim eine Lenkungsgruppe eingerichtet, in der die Arbeitsebenen der Gemeinden sich regelmäßig austauschen.

„Unser Wunsch wäre es, nicht nur eine Glasfaserkabelverlegung bis in jeden Ortsteil sondern sogar bis in jedes Gebäude zu schaffen - aber uns ist natürlich auch klar, dass ein solch ehrgeiziges Ziel mit sehr hohen Kosten für die Städte und Gemeinden verbunden ist“, erklärt Erster Landesbeamter Peter Polta, Stellvertreter des Landrats. Durch die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen könnte nun jedoch in einem ersten Schritt erreicht werden, dass jeder Teilort an ein ausfallsicheres Glasfasernetz angeschlossen wäre. Zudem würde sichergestellt, dass keine störenden Schnittstellen und Technikbrüche an Gemeindegrenzen bestehen.

Polta sieht alle Akteure in der Pflicht, sich intensiv mit dem Planungsergebnis zu befassen und die vorgeschlagenen Maßnahmen anzugehen. „Der Landkreis hat für die Breitbandanbieter und die Städte und Gemeinden eine optimale Grundlage erarbeiten lassen, auf die es nun aufzubauen gilt. Zumal eine zukunftsfähige Breitbandversorgung mit hohen Datenraten ein wichtiger Standortfaktor für die Unternehmen in unserem Landkreis und auch ein wichtiger Faktor für die Attraktivität des Landkreises für seine Bewohner darstellt“, so der Erste Landesbeamte.

Deshalb wurde im Modellprojekt sicher gestellt, dass alle Städte und Gemeinden, aufbauend auf die nun vorliegende Landkreisplanung zu besonderen Konditionen Folgeplanungsaufträge an GeoData erteilen können, wie die einzelnen Haushalte am sinnvollsten mit Glasfaser erschlossen werden können. Auf Grundlage dieser Pläne kann dann künftig bei allen anstehenden Baumaßnahmen kostengünstig mitverlegt werden. Die Kommunen Giengen, Herbrechtingen, Gerstetten und Hermaringen haben bereits einen gemeinsamen Förderantrag für diese sinnvolle Folgeplanung gestellt. Weitere Gemeinden sind in der Endabstimmung zur Beauftragung. Ein Mehrwert des Modellprojektes ist dabei, dass alle Maßnahmen als interkommunal abgestimmt gelten und mit höheren Fördersätzen gefördert werden.

Info: Das Modellprojekt „Zukunftsfähiges Breitband im Landkreis Heidenheim“ ist bereits die zweite Maßnahme dieser Art: In einem ersten Modellprojekt des Landes Baden-Württemberg, gemeinsam mit den Landkreisen Rottweil und Tuttlingen ging es in den vergangenen Jahren in erster Linie um die Sicherstellung der Grundversorgung (Datenraten >1MB). Dabei hat der Landkreis Heidenheim als einer der ersten landesweit erkannt, welche Bedeutung der Breitbandversorgung, insbesondere im Ländlichen Raum, zukommt und dass es sinnvoll ist, abgestimmt zu agieren. Das Ziel dieses Projektes ist inzwischen erreicht. Alle in dieser Phase identifizierten Breitbandanbieter waren nun bereit, ihre Infrastrukturdaten für ein weiteres Modellprojekt zur Verfügung zu stellen. „Wie allen Vertretern der Städte und Gemeinden im Landkreis klar war, konnte die Grundsicherung nur ein Zwischenergebnis darstellen“, so der Erste Landesbeamte Peter Polta. Deshalb habe der Landkreis beim Land nach Abstimmung mit der Bürgermeisterversammlung im Frühjahr 2012 den Antrag auf ein weiteres Modellprojekt eingereicht.


Bildunterschrift Karte:
Vier Lückenschlüsse wären - neben der weiteren Nutzung vorhandener Lehrrohre und der gegenseitigen Anmietung von Glasfaserkabeln - für ein ausfallsicheres zukunftsfähiges Breitbandnetz bis in jeden Ortsteil des Landkreises Heidenheim notwendig.