Dienstag, 19. November 2013

Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Fahnenaktion von Terre des Femmes am internationalen Gedenktag - Landkreis beteiligt

Am 25. November 2013 wehen wieder die Fahnen als Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Auch im Landkreis Heidenheim werden vor vielen Rathäusern, dem Landratsamt und anderen öffentlichen Einrichtungen Fahnen gehisst.

Terre des Femmes will mit dieser Fahnenaktion am Internationalen Gedenktag gegen Gewalt an Frauen ein weithin sichtbares Zeichen setzen und der Frauen gedenken, die Gewalt zum Opfer fielen. Ganz besonders soll an die drei Schwestern Mirabal erinnert werden. Sie wurden am 25. November 1960 vom militärischen Geheimdienst der Dominikanischen Republik nach monatelanger Verfolgung und Folter ermordet. Ihr Mut im Kampf gegen einen Diktator gilt inzwischen als Symbol für Frauen weltweit, die nötige Kraft für das Eintreten gegen Unrecht zu entwickeln. Seit 1990 ist der Gedenktag für die Opfer von Gewalt an Frauen und Mädchen auch von den Vereinten Nationen offiziell als internationaler Gedenktag anerkannt. Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Heidenheim, Susanne Dandl, unterstützt die Aktion von Terre des Femmes. Auch dieses Jahr werden daher wieder, wie in den Vorjahren, vor vielen Rathäusern, dem Landratsamt und anderen öffentlichen Einrichtungen Fahnen gehisst, um auf das Thema Gewalt an Frauen aufmerksam zu machen. Den Schwerpunkt der diesjährigen Aktionen bildet das Thema „Sexualisierte Gewalt - Vergewaltigung, das ungesühnte Verbrechen“.

Häufig bestimmen Vorurteile und Mythen die Debatten um sexualisierte Gewalt, wobei Frauen etwa unterstellt wird, beispielsweise durch ihre Kleidung oder durch ihr Verhalten Mitschuld an der Tat zu haben, oder ihnen wird vorgeworfen eine Falschaussage zu machen. Diese Vorwürfe blenden völlig aus, dass die meisten Vergewaltigungen innerhalb einer Beziehung stattfinden. Vergewaltigung ist laut Terre des Femmes eine der häufigsten Formen von Gewalt an Frauen; die Täter werden aber nur in den seltensten Fällen zur Rechenschaft gezogen. Das liegt auch daran, dass viele Betroffene beispielsweise aus Angst oder Scham keine Anzeige erstatten. Nur in etwa fünf Prozent der Fälle zeigen die Opfer den Täter an. Das sind 8000 Anzeigen jährlich. Nach Angaben von Terre des Femmes wird etwa jeder achte angezeigte Sexualtäter verurteilt. Mangelnde Beweise sorgen häufig dafür, dass die Verfahren eingestellt oder gar nicht erst eröffnet werden.

Um dies künftig öfter zu verhindern, müssen die Spuren einer Vergewaltigung zeitnah sichergestellt und dokumentiert werden - und dies unabhängig davon, ob die Betroffenen Anzeige erstatten oder nicht, denn oft können die Opfer diesen Schritt erst nach ein paar Tagen, Wochen oder nach viel längerer Zeit und nach dem Abklingen des ersten Schocks überhaupt in Betracht ziehen.
Terre des Femmes fordert deshalb die Einrichtung von bundesweiten Opferschutzambulanzen, bei denen die „anonyme Spurensicherung“ kostenlos möglich ist und die Beweise gerichtsfest gelagert werden; eine Reformierung des § 177 StGB, denn derzeit reicht ein deutliches „Nein“ nicht aus, um den Tatbestand der Nötigung zu erfüllen; sowie ein flächendeckendes, finanziell abgesichertes Angebot an qualifizierter Zeugen- beziehungsweise Prozessbegleitung mit einem Rechtsanspruch für Betroffene.

Info: Die Forderungen von Terre des Femmes können mit einer Unterschrift unterstützt werden. Die Listen liegen in den teilnehmenden Rathäusern und öffentlichen Einrichtungen aus oder können bei der Gleichstellungsbeauftragten Susanne Dandl unter 07321/9245740 angefordert oder in ihrem Büro im Jobcenter unterschrieben werden. Bei ihr sind auch allgemeine Informationen zur Thematik Gewalt an Frauen sowie der Infoflyer zur Fahnenaktion „Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt an Frauen“ erhältlich!