Kreisgeschichte

Heidenheim 1844



Von der frühen Besiedelung des heutigen Kreisgebietes zeugen vor allem die etwa 40.000 Jahre alten Tierskulpturen aus Mammutelfenbein, die erste Zeugnisse menschlicher Kunstfertigkeit von Weltrang darstellen. Aber selbst altsteinzeitliche Jäger haben in den Höhlen im Kreis Spuren ihres Daseins vor 80.000 Jahren hinterlassen.

Zahlreiche Grabhügelgruppen und sieben große Viereckschanzen aus der Zeit der Kelten haben sich bis heute erhalten. Die archäologischen Funde sind teilweise in den Museen im Kreis zu sehen.

Die Zeit der römischen Besatzung vom ersten bis dritten Jahrhundert nach Christus ließ sich auch in zahlreichen Grabungen belegen. In Heidenheim existierte ein großes Reiterkastell, ein monumentaler Verwaltungsbau, eine römische Zivilsiedlung und bei Sontheim wurde eine römische Straßenstation vollständig ausgegraben.

Die Alamannen folgten den Römern nach. Und auf die Alamannensiedlungen gehen letztlich die meisten der heute noch bestehenden Ortschaften zurück.

Im Mittelalter gewannen die Staufer und ihre Dienstmannen auch hier großen Einfluss. Degenhard von Hellenstein, auf den das Heidenheimer Schloss zurückgeht, war ein enger Vertrauter von Kaiser Friedrich I. Barbarossa und wurde 1167 Prokurator für ganz Schwaben.

Drei Klöster im Brenztal, Anhausen, Herbrechtingen, Königsbronn und die freie Reichsstadt Giengen hatten große Besitzungen und entsprechenden Einfluss.

Die meisten staufischen Besitztümer im heutigen Kreisgebiet haben schließlich die Grafen von Helfenstein in ihrer Hand vereinigt und 1448 an die Grafen von Württemberg verkauft.
Etwa 70 Prozent der Fläche des heutigen Landkreises Heidenheim war somit schon 1448 Teil der Grafschaft und später des Herzogtums Württemberg und bildete das württembergische Oberamt Heidenheim. Dieses Oberamt war räumlich vom übrigen Württemberg völlig getrennt, wurde lange Herrschaft Heidenheim genannt und der Herzog von Württemberg führte auch den Titel Herr zu Heidenheim.
Die Herrschaft umfasste auch die Vogtei über die Klöster Königsbronn, Anhausen und Herbrechtingen, die nach der Reformation kleine Ämter innerhalb des Oberamts Heidenheim bildeten.
Die Ortschaft Brenz hatte als Kammerschreiberei-Stabsamt im 18. Jahrhundert eine Sonderstellung.

1803 wurde die bis dahin freie Reichsstadt Giengen, deren Gebiet allerdings kaum über die Stadttore hinausreichte, württembergisch und war zunächst Oberamtsstadt eines neugebildeten Oberamts für das untere Brenztal. Dieses Oberamt blieb jedoch bedeutungslos und wurde 1808 wieder aufgelöst und Giengen dem Oberamt Heidenheim zugeteilt. Die Sonderstellung der ehemaligen Klosterämter und der Ortschaft Brenz wurde aufgegeben.

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte der Bezirk immer wieder unter Kriegen, Besatzungen und Durchmärschen zu leiden. Insbesondere aber der Dreißigjährige Krieg 1618 bis 1648 hatte für die meisten Orte verheerende Folgen.

Bis 1938 änderte sich nichts am Gebietsstand des Oberamtes Heidenheim, das seit 1935 Kreis Heidenheim genannt wird. Im Zuge der Kreisreform von 1938 wurden dem Kreis Heidenheim aus dem aufgelösten Kreis Neresheim die Ortschaften zugeteilt, die heute die Gemeinde Dischingen und die Teilorte Heidenheim-Großkuchen und Nattheim-Auernheim bilden. Diese Ortschaften waren bis in Napoleonischer Zeit Teile der Fürstentümer Thurn und Taxis, Oettingen-Wallerstein oder der Reichsabtei Neresheim gewesen. Ebenfalls 1938 wurden dem Kreis Heidenheim aus dem damaligen Kreis Ulm die Ortschaften zugeteilt, die heute die Stadt Niederstotzingen und den Teilort Herbrechtingen-Bissingen bilden. Diese Ortschaften waren bis in die Napoleonische Zeit Teile der Reichsabtei Kaisheim oder kleiner Reichsritterschaften gewesen.

Das Gebiet des Landkreises Heidenheim blieb bei der Kreisreform von 1973 unverändert. So kann der Landkreis heute in einer ungewöhnlichen Geschlossenheit auf eine über 560-jährige Tradition als Verwaltungsbezirk zurückblicken.

Besondere Bedeutung für den heutigen Landkreis hatte schon früh die wirtschaftliche Entwicklung. Nachdem bereits die Kelten und Römer sogenannte Bohnerze im Tagebau geschürft und in einfacher Weise verhüttet hatten begann 1365 mit Kaiserlichen Privilegien in Königsbronn und später in Heidenheim die industrielle Verhüttung der im Umland gegrabenen Erze. Die Schwäbischen Hüttenwerke (SHW), die aus diesen mittelalterlichen Betrieben hervorgingen, dürften somit zu den ältesten Betrieben Europas gehören.
Auch Webersiedlungen entstanden früh und zu Beginn des 19. Jahrhundert wurde hier die moderne Industrialisierung sichtbar. In Heidenheim standen 1828 die ersten mechanischen Webstühle Deutschlands und 1838 gab es hier die erste Dampfmaschine Württembergs. Firmen von Weltruf haben sich so ab dem 19. Jahrhundert etabliert. Nach 1945 siedelten sich einige bedeutende Firmen aus Thüringen und anderen ostdeutschen Gebieten ebenfalls hier an.