Kommunale Gesundheitskonferenzen
Die Kommunalen Gesundheitskonferenzen bringen im Landkreis Heidenheim seit 2012 Akteure und Vertreter von Institutionen zu den unterschiedlichsten aktuell gesellschaftlich relevanten Themen zusammen. Ziele der Kommunalen Gesundheitskonferenzen sind die Erfassung und Analyse des kommunalen Bedarfs in den Bereichen Gesundheitsförderung, Prävention und ärztliche Versorgung, die Entwicklung von Handlungsempfehlungen und die Entscheidung über deren Umsetzung.
Von besonderer Bedeutung war und ist auch bei der Ausrichtung der Gesundheitskonferenzen im Landkreis Heidenheim der demografische Wandel: Deutschland altert und schrumpft. Um das Jahr 1900 wurden unsere Ur-Urgroßeltern im Durchschnitt etwa 43 Jahre alt. Diese Lebensspanne hat sich bis heute nahezu verdoppelt. Die statistische Lebenserwartung eines heute geborenen Jungen liegt bei fast 79 Jahren, bei Mädchen bei 84 Jahren. Gleichzeitig sinkt die Geburtenrate seit den 1970er Jahren kontinuierlich, so dass in Deutschland immer weniger Menschen leben. Der Anteil von jungen Menschen an der Gesamtbevölkerung nimmt also ständig ab, während der Anteil älterer und hochbetagter Menschen zunimmt. Im Landkreis Heidenheim spürt man den demografischen Wandel schon heute. Schon in wenigen Jahren wird jeder dritte Landkreisbewohner älter als 60 Jahre sein. Mit der steigenden Lebenserwartung einher geht leider die Zunahme von degenerativen und chronischen Erkrankungen. Verstärkte Unterstützung für Erkrankte und Angehörige sind deshalb ebenso gefragt wie die Sicherung der ärztlichen Versorgung.

Gesundheitskonferenzen im Landkreis Heidenheim:

1. Gesundheitskonferenz: Gründung des Heidenheimer Netzwerkes „seelisch gesund altern“ (2012 bis heute)
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und dem damit einhergehenden Anstieg seelischer Erkrankungen bei älteren Menschen wurde das Thema seelisch gesund altern im Landkreis Heidenheim in der ersten Gesundheitskonferenz in den Fokus genommen. Besondere Bedeutung nimmt hierbei die Unterstützung von an Demenz, an Parkinson und an Altersdepression erkrankten Personen ein. Die Betreuung der Erkrankten erreicht im familiären Umfeld oft die Grenzen der Belastbarkeit, vor diesem Hintergrund waren die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sowie die Klinik für Neurologie am Klinikum Heidenheim die treibenden Kräfte zur Gründung eines Netzwerkes im Landkreis Heidenheim, in dem Betroffene, Familien, Ehrenamtliche, Profis und Verwaltung eng zusammenarbeiten.

2. Gesundheitskonferenz: Hausärztliche Versorgung im Landkreis Heidenheim – heute und morgen (2013 bis heute)
Auch die zweite Gesundheitskonferenz beschäftigt sich mit den Auswirkungen des demografischen Wandels, insbesondere auf die hausärztliche Versorgung in den kommenden Jahren. Ziel ist es, den Generationenwechsel in der Ärzteschaft und den Ärztemangel im ländlich geprägten Landkreis Heidenheim nachhaltig und erfolgreich zu bewältigen. In der Gesundheitskonferenz wurden Problemlösungen und Bewältigungsstrategien entwickelt und teilweise schon realisiert. Hierbei wurde auch ein Atlas der hausärztlichen Versorgung entwickelt, der die demografische Entwicklung der hausärztlichen Versorgung bis 2027 und Handlungsoptionen für einen erfolgreichen Umgestaltungsprozess auf kommunaler und gemeindeübergreifender Ebene abbildet.

3. Gesundheitskonferenz: Medizinische Versorgung von Flüchtlingen und Asylsuchenden im Landkreis Heidenheim (2015 bis heute)
Durch die Versorgung der steigenden Anzahl von Asylbewerben stand der Landkreis Heidenheim im Jahr 2015 vor einer großen Herausforderung. Es mussten gemeinschaftlich Fragen zur medizinischen Versorgung und gesellschaftlichen Integration gelöst werden.
In der Gesundheitskonferenz wurde ein Leitfaden der individualmedizinischen Versorgung und Betreuung mit Berücksichtigung von epidemiologischen und infektionshygienischen Aspekten entwickelt.

4. Gesundheitskonferenz: Digitale Kompetenz (2017 bis heute)
Dank Smartphone & Co. sind die meisten Menschen nahezu ständig online, und das teils schon ab dem Kindesalter. Der digitale Fortschritt hat jedoch eine problematische Kehrseite: Fake News, Mobbing, Sucht nach Handy- und Computerspielen, Cybersex und Chatsucht.  Wie können wir unsere Kinder und uns selbst vor dem enormen Suchtpotenzial, welches das World Wide Web in sich birgt, schützen? Wer ist besonders gefährdet? Nur die jungen Computerfreaks oder auch die anwachsende Gruppe der Senioren? Welche Beratungsangebote und Selbsthilfegruppen gibt es vor Ort?  In der vierten Gesundheitskonferenz wurden all diese Fragen ebenso wie Strategien für mehr digitale Kompetenz mit Experten und Vertretern aus dem regionalen Umfeld diskutiert und darauf aufbauend neue Projekte entwickelt. 

5. Gesundheitskonferenz: Psychiatrische Versorgungslandschaft im Landkreis – Sozialpsychiatrie 2.0 (2018 bis heute)
Die Versorgung psychisch kranker Menschen erfordert ein breit angelegtes Hilfesystem auf verschiedenen Ebenen und unter Beteiligung vieler unterschiedlicher Berufsgruppen. Deshalb ist ein umfassendes und tragendes Netzwerk aus verschiedenen Akteuren wie Ärztinnen, Ärzten, Therapeutinnen, Therapeuten und Ehrenamtlichen einschließlich des familiären und sozialen Umfeldes notwendig. Mit der 5. Heidenheimer Gesundheitskonferenz wurde das derzeit im Landkreis Heidenheim vorhandene Hilfsangebot vorgestellt und gleichzeitig wurden Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet – auch unter Berücksichtigung eines möglichst niederschwelligen Zugangs zu einem eng vernetzten psychiatrischen Hilfesystem. Ein Projekt der fünften Gesundheitskonferenz war der Aufbau einer Informationsseite im Internet, des Wegweiser Seele, auf der psychosoziale Hilfsangebote im Landkreis Heidenheim gebündelt sind.

6. Gesundheitskonferenz: Ambulante und stationäre Palliativ-Versorgung im Landkreis Heidenheim (2019 bis heute)
Ziel der sechsten Gesundheitskonferenz ist der Aufbau eines flexiblen Palliativnetzwerkes, das den individuellen Bedürfnissen im Landkreis Heidenheim gerecht wird. Eine enge Vernetzung gibt es bereits zwischen dem Fachbereich Gesundheit im Landratsamt Heidenheim, dem Klinikum Heidenheim und der Stiftung Haus Lindenhof (Träger Hospiz Barbara in Heidenheim). In Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren wurden Workshops für Ärztinnen und Ärzte zur Behandlung und Begleitung von Palliativpatienten ebenso wie zur Zusammenarbeit mit Pflegekräften angeboten. Geplant ist, eine „Spezielle ambulante Palliativversorgung“, das heißt ein Palliative Care Team, im Kreis zu installieren – angedockt an der Palliativstation im Klinikum Heidenheim und mit Beteiligung niedergelassener Ärzteschaft. Palliative Care Teams unterstützen ambulante Patientinnen und Patienten mit einem besonderen palliativen Versorgungsbedarf. Ehrenamtliche spielen bei der Palliativversorgung ebenfalls eine große Rolle und sollen deshalb noch stärker vernetzt und eingebunden werden.